Wirtschaft

25 Jahre iPod: So begann Apples Siegeszug

Mit 1.000 Songs in der Tasche veränderte der iPod alles – und legte heimlich den Grundstein für das iPhone.

18.10.2026, 05:30 Uhr

Als Apple vor 25 Jahren den iPod präsentierte, schien Skepsis naheliegend. Die Welt war noch von den Anschlägen auf das World Trade Center erschüttert, die Wirtschaftslage war angespannt. Und ausgerechnet in diesem Moment brachte Apple einen MP3-Player für 399 Dollar auf den Markt, der in Deutschland rund 500 Euro kostete und zunächst nur mit Macs funktionierte. Dabei lag Apples Computer-Sparte damals bei einem Marktanteil von unter drei Prozent.

Trotz aller Zweifel wurde der erste iPod zum Startpunkt einer enorm erfolgreichen Produktfamilie. Sie gab der von Online-Piraterie unter Druck geratenen Musikindustrie neue Impulse und prägte zugleich Apples weiteren Weg. Tony Faddell, einer der wichtigsten Entwickler des Geräts, sagte jüngst dem Magazin Wired, ohne den iPod hätte es nie ein iPhone gegeben. Und mehr noch: Apple in seiner heutigen Form wäre ohne diesen Musikplayer kaum denkbar.

1.000 Songs für unterwegs

Der Erfolg des iPod beruhte auch darauf, dass er ein konkretes Problem löste. Mit dem MP3-Format ließ sich Musik stark komprimieren, sodass plötzlich ganze Sammlungen mobil wurden. In der Praxis waren viele damalige MP3-Player aber enttäuschend: wenig Speicher, komplizierte Bedienung.

Als Steve Jobs den ersten iPod am 23. Oktober aus seiner Hosentasche zog, stellte er sofort das zentrale Verkaufsargument heraus: Das Gerät, kaum größer als ein Kartenspiel, konnte etwa 1.000 Songs speichern. In einer Zeit lange vor Spotify und anderen Streamingdiensten war das für viele bereits nahezu die komplette eigene Musiksammlung.

Das Bedienkonzept machte den Unterschied

Besonders herausragend war die Steuerung. Auf dem monochromen Display ließ sich die Musik nach Interpreten, Titeln oder Playlists sortieren. Um schnell durch große Bibliotheken zu navigieren, setzte Apple auf ein Drehrad mit einer Taste in der Mitte.

Grundlage dafür war iTunes. Mit der Software konnten Nutzer CDs auf dem Mac digitalisieren und ihre Musikbibliothek verwalten. Das passte in Steve Jobs’ damalige Vision vom Mac als „digitalem Zentrum“ für Fotos, Videos und Musik. Laut Jobs entstand die Idee für den iPod überhaupt erst aus dem Wunsch nach einem Gerät, das nahtlos mit dieser Software zusammenspielt. Bei der Vorstellung sprach er zunächst rund 20 Minuten über die Programme, bevor er den iPod aus der Jeans zog.

Das erste Modell besaß noch ein mechanisches Rad. Schon 2002, mit der zweiten Generation, ersetzte Apple es durch einen berührungsempfindlichen Kreis. Gleichzeitig wurde Windows-Unterstützung eingeführt, wodurch sich der potenzielle Kundenkreis schlagartig vergrößerte.

Rasante Weiterentwicklung

Rückblickend ist das Tempo der iPod-Entwicklung bemerkenswert. 2003 brachte die dritte Generation den später berühmt gewordenen 30-Pin-Anschluss, der bis 2012 auch bei iPhones zum Einsatz kam. 2004 folgte der günstigere und farbenfrohere iPod mini, ausgestattet mit dem neuen Click Wheel, in das Tasten direkt integriert waren.

2005 erschien der iPod Shuffle, ein kleines Modell ohne Display, gedacht vor allem für die zufällige Wiedergabe von Musik. Zugleich war er der erste iPod mit Flash-Speicher statt Mini-Festplatte. Im selben Jahr kam außerdem der iPod nano auf den Markt: extrem schlank, mit kleinem Farbdisplay.

Bis Ende 2005 hatte Apple bereits mehr als 40 Millionen iPods verkauft. Davon profitierte auch das Mac-Geschäft. Mit dem iPhone, das 2007 vorgestellt wurde, begann jedoch langsam das Ende der klassischen iPod-Ära. Zwar hielt sich der iPod touch noch bis 2022 im Sortiment, im Grunde als iPhone ohne Mobilfunk. Doch mit der Verbreitung von Smartphones wurde ein separater Musikplayer für immer weniger Menschen attraktiv. Den iPod Classic mit zuletzt 160 GB Speicher stellte Apple 2014 ein, den Nano 2017.

Wie iTunes den Musikmarkt veränderte

Zwei Jahre nach dem ersten iPod eröffnete Apple den iTunes Music Store. Dort konnten Kunden nicht nur ganze Alben, sondern auch einzelne Songs kaufen – für jeweils 99 Cent oder 99 US-Cent. Dieses Modell veränderte die Musikbranche nachhaltig.

Viele Käufer wollten ohnehin nur bestimmte Lieder und nicht komplette Alben oder teure Singles erwerben. Entsprechend schnell stiegen die Verkäufe einzelner Tracks. Auch digitale Mixtapes und die Zufallswiedergabe, also das „Shuffle“-Prinzip, wurden populärer denn je.

Nicht jeder in der Musikbranche war davon begeistert. Manche Künstler warnten, dass das Album als geschlossenes Werk an Bedeutung verliere. Jay-Z etwa verweigerte 2007 zunächst die Veröffentlichung seines Albums American Gangster im iTunes Store. Seine Begründung: Filme würden schließlich auch nicht szenenweise verkauft, und auch ein Album sei nicht dafür gedacht, auseinandergerissen zu werden.

Mit dem Aufstieg von Streamingdiensten verlor diese Debatte an Schärfe. Heute zahlen Nutzer meist eine monatliche Gebühr und erhalten Zugriff auf viele Millionen Songs. Apple hielt jedoch lange am Download-Modell von iTunes fest und reagierte vergleichsweise spät auf den Wandel. Um im Wettbewerb mit Spotify schneller aufzuholen, übernahm der Konzern schließlich die Musikfirma Beats.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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