Politik

Hier ist die Marine – und hier rüstet sie auf

Neue Häfen, Milliarden, offene Fragen: Wo die Marine an der Küste jetzt massiv ausbaut – und welche Standorte noch wackeln

18.10.2026, 04:30 Uhr

Marine vor Ausbau: Neue Häfen, mehr Personal, größere Flotte

Die Deutsche Marine steht vor einem deutlichen Wachstum. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte bei einem Besuch in Emden Anfang Oktober betont, dass die Seestreitkräfte in den kommenden Jahren ausgebaut werden sollen. Nach seinen Worten ist die Marine derzeit so klein wie nie zuvor in der Geschichte der Bundeswehr, müsse aber zugleich besonders umfangreiche Aufgaben bewältigen. Daraus folge: Die Marine müsse größer werden.

Nach Angaben der Marine gehören aktuell rund 15.900 Soldatinnen und Soldaten, 47 Schiffe und zwei Tanker zur Flotte. Geplant sind zusätzliche Schiffe, neue Waffensysteme, unbemannte Plattformen und mehr Technologieeinsatz, etwa mit Künstlicher Intelligenz. Mit dem Ausbau der Streitkräfte entstehe nicht nur zusätzlicher Infrastrukturbedarf, sondern auch Bedarf an neuen Standorten und Liegenschaften, erklärte ein Marinesprecher.

Für zahlreiche Küstenstädte und Häfen im Norden dürfte das spürbare Folgen haben. Ein Überblick über wichtige Standorte und die dortigen Planungen:

Emden: Neuer Marinehafen an der Nordsee

In Emden ist eines der größten Vorhaben der Marine geplant. An der Emsmündung soll bis Anfang der 2030er Jahre ein völlig neuer Marinestützpunkt entstehen. Das Areal soll eine Größe von etwa 630 Fußballfeldern haben. Vorgesehen ist, dort bis zu 2.000 Soldatinnen und Soldaten sowie Versorgungs- und Unterstützungsschiffe unterzubringen.

Wilhelmshaven: Größter Marinestandort Deutschlands

Der Stützpunkt Heppenser Groden in Wilhelmshaven ist bislang der einzige Marinehafen an der deutschen Nordseeküste und zugleich der größte Marinestandort des Landes. Dort arbeiten etwa 10.000 Soldaten und zivile Beschäftigte. Beheimatet sind unter anderem das Kommando der Einsatzflottille 2 mit Fregatten, Einsatzgruppenversorgern und Tankern sowie ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum. Weil die Zahl der großen Schiffe von 15 auf 20 steigen soll, wird der Standort derzeit um weitere Gebäude ergänzt.

Geplanter Marinestützpunkt in Emden
Noch ist vom geplanten, neuen Marinestützpunkt am Rysumer Nacken in Emden nichts zu sehen. (Archivbild) Quelle: Sina Schuldt/dpa

Bremerhaven: Milliarden für das Nato-Drehkreuz

Bremerhaven spielt im Verteidigungsfall eine zentrale Rolle für Truppen- und Materialtransporte der Verbündeten, gemeinsam mit dem Flughafen Bremen. Damit dieses Nato-Drehkreuz modernisiert und erweitert werden kann, stellt der Bund rund 1,35 Milliarden Euro bereit. Geplant sind mehr als 40 Einzelmaßnahmen, darunter neue Schwerlastflächen, zusätzliche Brücken, tiefere Hafenbecken sowie Verbesserungen bei Straßen- und Schienenanbindungen. Die Fertigstellung ist bis 2031 vorgesehen.

Cuxhaven: Möglicher Ausweichhafen

Der frühere Marinestützpunkt in Cuxhaven wurde bereits zu Beginn der 1990er Jahre geschlossen. Eine konkrete Wiederinbetriebnahme ist nach Angaben von Oberbürgermeister Uwe Santjer (SPD) derzeit nicht vorgesehen. Dafür fehle es aktuell an Kapazitäten. Sollte es aber im Ernstfall zu Ausfällen in Bremerhaven oder Emden kommen, könnte Cuxhaven nach seiner Einschätzung als Ersatzhafen dienen, in dem Schiffe anlegen und Material umgeschlagen werden. Die Stadt habe der Marine Bereitschaft signalisiert, allerdings wären dafür noch Investitionen nötig.

Nordholz: Ausbau zum hochmodernen Luftstandort

Die Marine ist nicht nur auf See aktiv, sondern auch in der Luft. In Nordholz an der Wurster Nordseeküste befindet sich das einzige Marinefliegerkommando Deutschlands mit rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten. Der Standort soll in den kommenden Jahren für etwa 400 Millionen Euro modernisiert und zu einem der modernsten Luftlandeplätze Europas ausgebaut werden. Parallel dazu werden auch die fliegerischen Fähigkeiten erweitert: Vorgesehen sind 18 Mehrzweckhubschrauber, 31 Bordhubschrauber und acht Seefernaufklärer.

Kiel: Wichtigster Marinestandort an der Ostsee

Kiel ist der größte Standort der Marine an der Ostsee. Dort befinden sich unter anderem das einzige Minensuchgeschwader, das Unterstützungsgeschwader, die Einsatzflottille 1 sowie ein Nato-Think-Tank für Einsätze in flachen und küstennahen Gewässern. Derzeit gibt es dort rund 4.000 Dienstposten, mittelfristig sollen mindestens 1.500 weitere dazukommen. Zudem soll das bislang in Eckernförde stationierte Seebataillon nach Kiel verlegt werden.

Stadt und Bund haben sich bereits darauf verständigt, Teile des früheren Marinefliegergeländes im Stadtteil Holtenau wieder an die Bundeswehr zurückzugeben, auch wenn der Vertrag noch aussteht. Außerdem plant die Marine, den Kieler Marinehafen auszubauen und dafür den angrenzenden Scheerhafen zu übernehmen.

Eckernförde: U-Boote und Spezialkräfte

Eckernförde ist Heimathafen aller sechs deutschen U-Boote und zugleich Standort des Ausbildungszentrums für den U-Boot-Nachwuchs. Nach Marineangaben sind dort rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiter stationiert. Damit ist Eckernförde der zweitgrößte Marinestandort an der Ostsee. Hinzu kommt das Kommando Spezialkräfte der Marine mit den Kampfschwimmern.

Die U-Boot-Flotte soll künftig durch Boote des Typs 212CD verstärkt werden. Diese werden von der Kieler Werft TKMS nicht nur für Deutschland, sondern auch für Norwegen gebaut; Kanada könnte als weiterer Partner hinzukommen. Pistorius stellte dafür Investitionen von 500 Millionen Euro in Aussicht, vor allem für den Wasserbau.

Rostock: Zentrum der Marineführung

Rostock hat in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und gilt inzwischen als eine Art Hauptstadt der Marine. Seit 2012 sitzt dort das Marinekommando, also die oberste Führungsinstanz der Seestreitkräfte. Rund 1.800 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 300 zivile Beschäftigte arbeiten an dem Standort. Dazu gehört auch der Stützpunkt Hohe Düne in Warnemünde mit dem 1. Korvettengeschwader sowie der Warnowwerft, die für die Instandhaltung von Marineschiffen wichtig ist.

Insgesamt zeigt sich: Der Ausbau der Marine wird zahlreiche Standorte an Nord- und Ostsee verändern. Neben neuen Schiffen und zusätzlichem Personal stehen vor allem große Bau- und Modernisierungsvorhaben im Mittelpunkt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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