Papst Leo XIV. hat nach seiner überstandenen Lungenkrebs-Operation im Vatikan wieder erste Pflichten übernommen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Eingriff wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Petersplatz von Zehntausenden Gläubigen bejubelt.
Vom Fenster seines Arbeitszimmers im dritten Stock des Apostolischen Palastes rief der 71-Jährige den Menschen zu: „Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!“ Beim traditionellen Angelus-Gebet sprach Leo rund acht Minuten lang mit fester Stimme und ohne erkennbare Probleme beim Atmen. Er machte dabei einen gesunden und stabilen Eindruck.
Nach Schätzungen versammelten sich mehr als 30.000 Menschen auf dem Platz mitten in Rom, um den gebürtigen US-Amerikaner nach fünf Tagen im Krankenhaus wieder zu empfangen.
Papst dankt für Gebete und Unterstützung
Leo bedankte sich öffentlich für die vielen Genesungswünsche und Gebete aus aller Welt. „Ich habe Eure Unterstützung wirklich gespürt. Danke“, sagte er. Zugleich erinnerte er an andere Krebspatienten: „Ich habe mich denen nahe gefühlt, die diese Krankheit durchmachen.“
Besonders dankte er dem Personal der Gemelli-Klinik in Rom, wo er behandelt und operiert worden war. Außerdem kündigte er an, seine Aufgaben schrittweise wieder aufzunehmen: Sobald die heikle Phase überstanden sei, werde er seine Aktivitäten nach und nach fortsetzen – mit Gottes Hilfe und den Gebeten der Gläubigen.
Zum genauen weiteren Terminplan machte der Vatikan zunächst keine detaillierten Angaben.
Freude über die schnelle Rückkehr
Viele Besucher äußerten Erleichterung über die überraschend schnelle Rückkehr des Papstes. Eigentlich war erwartet worden, dass Leo mindestens bis Dienstag in der Klinik bleiben müsse.
„Ich hoffe, dass er wieder vollständig gesund wird und noch viele, viele, viele Jahre unser Hirte sein wird“, sagte Michelle Sutko, 74 Jahre alt und wie der Papst aus Chicago, der dpa. Nanett Sommer, 48, aus Hamburg erklärte: „Ich finde es gut, dass er so offen mit seiner Krankheit umgeht und sagt, dass er Krebs hat. Das ist ja eher ungewöhnlich.“
Erste Nacht wieder in seiner Wohnung im Vatikan
Die erste Nacht nach dem Krankenhausaufenthalt verbrachte Leo wieder in seiner Wohnung im Vatikan. Schon am Samstag gegen 15.30 Uhr hatte er die Gemelli-Klinik überraschend früh verlassen – deutlich früher als zunächst angenommen.
Beim Abschied wurde er vom Klinikpersonal, von Patienten und Schaulustigen mit viel Applaus verabschiedet. Auf die Frage nach seinem Befinden antwortete er: „Viel besser, danke.“ Ein krebskrankes Mädchen aus der Ukraine überreichte ihm zudem eine Stoffpuppe, die offensichtlich den Papst darstellen sollte.
Auf Fernsehbildern wirkte Leo entspannt und robust. Er lächelte, winkte und nahm kleine Geschenke entgegen. Danach wurde er in einem schwarzen SUV zurück in seine Residenz gefahren. Es wird davon ausgegangen, dass er sich nun noch einige Tage schont.
Unterer rechter Lungenlappen entfernt
Operiert worden war Leo am Dienstag. Der Eingriff dauerte rund 90 Minuten. Dabei entfernten die Ärzte den unteren Lappen seines rechten Lungenflügels, in dem sich ein bösartiger Tumor befand. Nach Angaben der Ärzte gelang die Entfernung vollständig.
Bei dem Tumor handelt es sich um ein Lungenadenokarzinom, die häufigste Form von Lungenkrebs. Unklar bleibt jedoch weiterhin, ob der Krebs im Körper gestreut hat. Auch dazu, ob Leo nach der Operation bereits als krebsfrei gilt, äußerten sich die behandelnden Ärzte nicht näher.
Ärzte sehen gute Chancen auf schnelle Erholung
Vor seiner Entlassung wurden noch einmal eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs sowie Blutuntersuchungen vorgenommen. Danach erklärten die Ärzte, nach Auswertung des klinischen Bildes könne der Papst nach Hause zurückkehren.
Der Chirurg Stefano Margaritora äußerte sich anschließend optimistisch. Er hält eine vollständige Genesung des Papstes in etwa zehn Tagen für möglich. Aus seiner Sicht gebe es derzeit keine medizinischen Gründe, die gegen eine geplante Reise nach Südamerika sprechen.
Reise nach Südamerika weiter in Planung
Trotz der Operation laufen die Planungen für eine Reise im kommenden Monat weiter. Vorgesehen sind Besuche in Uruguay, Argentinien und Peru. Gerade Peru gilt als zweite Heimat des Papstes.
Geplant ist nach dem langen Flug auch ein Besuch in einer Stadt auf 3.400 Metern Höhe. Das sehen manche Ärzte skeptisch. Ob die Reise wie geplant stattfinden kann, dürfte daher auch davon abhängen, wie rasch sich Leo in den nächsten Tagen weiter erholt.
Diagnose kam für viele überraschend
Genau eine Woche vor seinem öffentlichen Auftritt nach der Operation hatte Leo an derselben Stelle seine Erkrankung selbst bekannt gemacht. Damals sprach er von einem „Knoten in der Lunge“ in einem frühen Stadium. Erst nach dem Eingriff bestätigten die Ärzte, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt.
Für viele Menschen kam die Diagnose unerwartet. Der aus Chicago stammende Papst galt bislang als gesundheitlich belastbar. Als er 2025 gewählt wurde, war er erst 69 Jahre alt. Berichten zufolge hält er sich mit Tennis, Schwimmen und regelmäßigem Training fit.
Weitere Behandlung bleibt offen
Weitere Details zur Behandlung wurden bislang nicht bekanntgegeben. Deshalb bleibt offen, ob noch zusätzliche Therapien notwendig sind. Entscheidend ist vor allem die Frage, ob sich Metastasen in der Lunge oder in anderen Organen gebildet haben.
Bekannt ist bislang, dass Leo Atemtherapie erhält, um nach der Entfernung des unteren Lungenlappens wieder besser atmen zu können. Nach Angaben aus dem Vatikan kann er seine alltäglichen Aufgaben bereits wieder selbstständig bewältigen.
In der Gemelli-Klinik war bis kurz vor seinem Tod auch Leos Vorgänger Franziskus behandelt worden. Dem 2025 verstorbenen Argentinier fehlte seit jungen Jahren ebenfalls ein Teil der Lunge.
Schon aus dem Krankenhaus Kontakt zu Putin
Bereits während seines Klinikaufenthalts schaltete sich Leo wieder in internationale Fragen ein. In einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin brachte er nach Angaben des Vatikans seine „tiefe Besorgnis“ über die humanitäre Lage in der seit Monaten von Russland abgeriegelten Kleinstadt Oleschky in der Region Cherson zum Ausdruck.
Putin ging darauf nicht ein und schob die Verantwortung der Ukraine zu. Vermittlungsbemühungen des Vatikans im russischen Angriffskrieg blieben seit Beginn des Krieges im Februar 2022 bislang ohne Erfolg.
Vergleichsweise junger Papst
Mit 71 Jahren ist Leo XIV. – mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost – ein vergleichsweise junger Papst. Bei seiner Wahl vor eineinhalb Jahren gingen viele deshalb davon aus, dass der US-Amerikaner die katholische Kirche über einen langen Zeitraum prägen könnte.
Seitdem machte er unter anderem mit einer Enzyklika, also einem Lehrschreiben, zum Thema Künstliche Intelligenz auf sich aufmerksam. International sorgten außerdem Kontroversen mit US-Präsident Donald Trump für Schlagzeilen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber