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Experten warnen: Stehen die Weltmeere vor Hitzerekorden?

Nach den Rekorden 2023/24 heizen sich die Ozeane schon wieder rasant auf – droht jetzt der nächste Klima-Schock?

14.05.2026, 04:00 Uhr

Ozeane steuern womöglich auf neue Hitzerekorde zu

Die Temperaturen in den Weltmeeren könnten bald neue Höchststände erreichen. Darauf weist der Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hin. Die aktuelle Entwicklung erinnere an das Frühjahr 2023, als die globalen Meerestemperaturen begannen, die bisherigen Rekorde immer deutlicher zu übertreffen. Derzeit lägen die Werte bereits spürbar über dem Niveau von 2023 und ungefähr auf dem Rekordstand von 2024, der mit dem El-Niño-Ereignis 2023/24 zusammenfiel.

Daten der Plattform Climate Reanalyzer zeigen, dass die durchschnittliche globale Meeresoberflächentemperatur im März und April an mehreren Tagen bereits über den Höchstwerten des Jahres 2024 lag. Das Angebot der University of Maine dokumentiert seit etwa 40 Jahren tägliche Temperaturwerte weltweit und regional, unter anderem auf Basis von Satellitendaten.

El Niño bisher wohl noch nicht ausschlaggebend

Nach Einschätzung von Gößling spielt das sich anbahnende Klimaphänomen El Niño derzeit noch keine eindeutige Rolle für die globalen Temperaturen. Allerdings unterscheide sich das aktuelle Muster deutlich von dem vor drei Jahren: Vor allem der Nordpazifik sei ungewöhnlich stark erwärmt, während der Nordatlantik keine auffälligen Wärmeabweichungen zeige. 2023 sei das anders gewesen, damals hätten schwache Passatwinde im Nordatlantik die kühlende Verdunstung verringert. Besonders hohe Temperaturen würden derzeit im Pazifik vor Kalifornien und Mexiko gemessen.

Weltmeere könnten auf neue Wärmerekorde zusteuern
Besonders stark aufgeheizt sei aktuell der Pazifik vor der Küste Kaliforniens und Mexikos, sagen Experten. Quelle: Department Of Defence/Department of Defence/AAP/dpa

Zugleich sei zu beachten, dass die globale Erwärmung in den vergangenen Jahren weiter fortgeschritten sei. Dass die Meere insgesamt über dem langjährigen Mittel liegen, sei daher nicht überraschend, betonte Gößling. Die momentane Entwicklung spreche vielmehr dagegen, dass die Rekorde von 2023 und 2024 nur ein einmaliger Ausreißer gewesen seien. Statt einer Pause bei der Erwärmung zeichne sich ein anhaltender Erwärmungstrend ab.

Nicht nur die Oberfläche, auch die Tiefe wird wärmer

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung mahnt, bei aller Aufmerksamkeit für die Schwankungen an der Oberfläche die Gesamtwärme der Ozeane nicht aus dem Blick zu verlieren. Diese steige im Zuge der Klimakrise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Die Meere wirkten dabei als gewaltiger Wärmespeicher und nähmen rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme auf, die sich durch steigende Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre ansammelt.

Nach Latifs Einschätzung wird das auch in Zukunft so bleiben. Kurzfristig dämpften die Ozeane dadurch den Temperaturanstieg in der Luft. Langfristig werde jedoch ein Teil dieser gespeicherten Wärme wieder an die Atmosphäre abgegeben. Diese verzögerte Wirkung des riesigen Wärmereservoirs Ozean sei ein zentraler physikalischer Grund, warum eine Erderwärmung von mehr als zwei Grad kaum noch abzuwenden sei. Hinzu komme, dass sich die globalen Treibhausgasemissionen nicht abrupt auf null senken ließen, sondern nur schrittweise über Jahrzehnte. Außerdem blieben bereits ausgestoßene, langlebige Treibhausgase weiter klimawirksam.

Wärmere Meere verstärken El-Niño-Folgen

Noch sei unklar, wie sich steigende Ozeantemperaturen konkret auf Häufigkeit und Intensität von El-Niño-Ereignissen auswirken. Für Latif ist jedoch klar, dass die Folgen von El Niño in einer insgesamt wärmeren Welt heftiger ausfallen. Mehr Energie im Klimasystem bedeute im Durchschnitt stärkere Stürme und intensivere Niederschläge. Das könne nicht nur in direkt betroffenen Regionen zu größeren Schäden und mehr Leid führen, sondern auch weltweit wirtschaftliche Folgen haben – etwa durch Ernteausfälle.

Nach Einschätzung der Weltwetterorganisation verdichten sich die Hinweise auf einen bevorstehenden kräftigen El Niño. Das Wetterphänomen tritt in der Regel alle zwei bis sieben Jahre auf und hält etwa ein Jahr an. In dieser Zeit wird regional verstärkt Wärme aus dem Pazifik an die Atmosphäre abgegeben, was weltweit Wettermuster verändert. Mögliche Folgen sind unter anderem heftige Regenfälle in Teilen Afrikas oder Südamerikas sowie Dürren in Australien oder Indonesien.

Ob sich tatsächlich ein starkes El-Niño-Ereignis entwickelt, lasse sich derzeit aber noch nicht sicher sagen, so Gößling. Mehr Klarheit werde voraussichtlich im Sommer herrschen. Dann dürfte sich besser abschätzen lassen, ob ein Ereignis bevorsteht, das neue globale Temperaturrekorde nach sich zieht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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