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Darum ist das Hantavirus nicht das neue Corona

Neue Pandemie auf See? Nach Hantavirus-Fällen auf einem Kreuzfahrtschiff kocht das Netz – doch der Corona-Vergleich täuscht.

13.05.2026, 04:00 Uhr

Mehrere Infektionen mit dem Hantavirus auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff sorgen international für Aufmerksamkeit und wecken bei vielen Erinnerungen an die Corona-Zeit. Besonders in sozialen Medien wird das Virus mit dem Covid-19-Erreger gleichgesetzt. Experten machen jedoch klar, dass sich beide Fälle deutlich unterscheiden – vor allem bei der Frage, wie leicht sich das Virus verbreitet und wie groß die Gefahr für die Bevölkerung ist.

Kann das Hantavirus ähnlich wie Sars-CoV-2 eine Pandemie verursachen?

Im Internet wird teils behauptet, das Hantavirus könne eine noch tödlichere Pandemie als Covid-19 auslösen. Fachleute widersprechen dieser Einschätzung. Nach Angaben von Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg ist das Virus weder mit Sars-CoV-2 noch mit Influenzaviren vergleichbar.

Zwar können manche Hantavirus-Erkrankungen schwer verlaufen und lebensgefährlich werden. Eine hohe Sterblichkeit allein reicht aber nicht aus, damit sich eine weltweite Pandemie entwickelt. Entscheidend ist, wie gut sich ein Erreger verbreitet – und genau hier liegt ein großer Unterschied zu Sars-CoV-2. Nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC ist das auf dem Kreuzfahrtschiff nachgewiesene Andesvirus das einzige bekannte Hantavirus, das überhaupt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Anders als beim Coronavirus gibt es laut Schmidt-Chanasit jedoch keine schnelle und breite Ausbreitung durch viele Menschen ohne Symptome. Deshalb bewertet das ECDC das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als "sehr gering". Auch die Weltgesundheitsorganisation sieht derzeit keinen Anlass zur Sorge.

Jonas Schmidt-Chanasit
Nach Angaben des Virologen Schmidt-Chanasit scheint enger und längerer Kontakt zu Erkrankten entscheidend für eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch zu sein (Archivbild). Quelle: Christian Charisius/dpa

Nach Einschätzung des Virologen ist für eine Übertragung zwischen Menschen vor allem enger und längerer Kontakt mit Erkrankten entscheidend.

Laut ECDC kommen Übertragungen des Andesvirus zwischen Menschen nur selten vor und setzen meist engen Kontakt über längere Zeit voraus, häufig in geschlossenen Räumen. Selbst bei mehreren Fällen entsteht daher keine Dynamik wie während der Corona-Pandemie.

Darauf weist auch der sogenannte R-Wert hin, also die durchschnittliche Zahl der Menschen, die eine infizierte Person ansteckt. Eine im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Studie zu einem Ausbruch in Argentinien Ende 2018 zeigte, dass dieser ohnehin niedrige Wert nach einfachen Isolationsmaßnahmen rasch zurückging. Damals wurden insgesamt 34 Infektionen bestätigt, der Ausbruch konnte schnell gestoppt werden. Auch Schmidt-Chanasit betont, dass bisher jeder bekannte Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht worden sei.

Zum Vergleich: Die Corona-Pandemie verlief wesentlich anders. Allein in Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts zwischen 2020 und 2022 mehr als 37 Millionen bestätigte Infektionen mit Sars-CoV-2 registriert.

Ist das Hantavirus eine Folge der Covid-Impfung?

In sozialen Netzwerken kursieren zudem Behauptungen, die aktuellen Andesvirus-Fälle stünden im Zusammenhang mit dem Covid-Impfstoff von Pfizer/Biontech. Teilweise wird behauptet, die Impfung könne Hantavirus-bedingte Lungeninfektionen auslösen oder enthalte sogar selbst den Erreger.

Als vermeintlicher Beleg wird auf ein Dokument verwiesen, das Pfizer 2021 im Rahmen des Zulassungsverfahrens bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht hatte. Dort erscheint auf einer langen Auflistung auch der Begriff "Hantavirus pulmonary infection".

Pfizer stellte dazu klar, dass in dieser Liste medizinische Ereignisse aufgeführt wurden, die nach Impfungen gemeldet worden waren – unabhängig davon, ob ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Impfstoff bestand. Nach Angaben des Unternehmens enthält der Impfstoff keine Hantaviren.

Warum verbreiten sich erneut Verschwörungserzählungen?

Für Josef Holnburger kommt es nicht überraschend, dass derzeit Vergleiche mit der Corona-Pandemie gezogen werden. Der Geschäftsführer des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das sich mit Radikalisierung und Verschwörungserzählungen im Netz befasst, verweist auf die Angst vieler Menschen vor einer erneuten globalen Gesundheitskrise.

Im Internet verbreiten sich deshalb auch wieder Verschwörungserzählungen. Einige Nutzer vermuten hinter dem Hantavirus einen geheimen Plan. Solche Deutungsmuster seien bereits aus der Corona-Zeit bekannt, erklärt Holnburger. Schon damals hätten manche Menschen angenommen, im Hintergrund wirkten verborgene Gruppen, die Medien und Öffentlichkeit beeinflussen und bewusst Schaden anrichten wollten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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