Wer in ländlichen Regionen lebt, aber kein eigenes Auto besitzt, ist oft aufgeschmissen – vor allem dann, wenn Busverbindungen fehlen. Besonders betroffen sind Jugendliche auf dem Weg zur Schule und ältere Menschen, die etwa zum Arzt müssen. Genau hier setzt ein Modellversuch in der Eifel an: Ein selbstfahrender Tesla bringt diese Fahrgäste kostenlos an ihr Ziel.
Pilotprojekt in der Eifel
Hinter dem Vorhaben stehen die Verbandsgemeinde Arzfeld, der Eifelkreis Bitburg-Prüm und Tesla Automation mit Sitz in Prüm. Das Projekt gilt bundesweit als außergewöhnlich, weil die eingesetzten Fahrzeuge bereits testweise mit dem Assistenzsystem "Full Self-Driving (Überwacht)" unterwegs sind – obwohl diese Software in Deutschland bislang noch keine allgemeine Zulassung hat.
Entspannte Testfahrt zur Schule
An der Berufsbildenden Schule in Gerolstein steigen die Auszubildenden Emilia Fuchs und Lukas Müller in den Wagen. Mit an Bord ist immer ein Sicherheitsfahrer, der bei Bedarf eingreifen kann. Nachdem das Ziel Bitburg eingegeben ist, übernimmt das Auto weite Teile der Fahrt selbst: Das Lenkrad bewegt sich eigenständig, während der Fahrer zunächst nicht aktiv lenken muss.
Die rund 40 Kilometer lange Strecke führt über kurvenreiche Landstraßen, durch Kreisverkehre und an Baustellen vorbei. Der Tesla blinkt, biegt ab, erkennt Passanten und umfährt Hindernisse wie parkende Fahrzeuge. Nur einmal greift der Fahrer ein, um die Geschwindigkeit zu erhöhen.
Müller, 20 Jahre alt und in der Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik, zeigt sich angetan: Die Fahrt sei sehr angenehm, sagt er, und er fühle sich sogar sicherer, als wenn er selbst am Steuer säße. Auch die 22-jährige angehende Industriekauffrau Fuchs war anfangs skeptisch, fühlte sich nach kurzer Zeit aber deutlich wohler.

Angebot wird ausgeweitet
Seit Dezember läuft das Projekt bereits – offenbar mit so positiver Resonanz, dass nun weitere Kreise einbezogen werden sollen. Landrat Andreas Kruppert (CDU) spricht von einer Testregion mit mehr als einer halben Million Menschen. Künftig sollen die Shuttles nicht mehr nur an zwei Tagen, sondern bedarfsgerecht an fünf Tagen pro Woche fahren.
Kruppert sieht vor allem für ländliche Räume großes Potenzial im autonomen Fahren. In der Eifel gebe es viele kleine Ortschaften und lange Wege. Zwar existierten bereits Rufbus-Angebote, doch ein dichter und attraktiver Takt im Nahverkehr sei schwer umzusetzen.
Hilfe für Senioren im Alltag
In der Verbandsgemeinde Arzfeld ist das Tesla-Shuttle an das ehrenamtliche Bürgerbus-System angebunden. Bürgermeister Johannes Kuhl (CDU) berichtet von durchweg positiven Rückmeldungen. Vor allem ältere Menschen aus kleinen Ortschaften oder abgelegenen Höfen nutzen das Angebot, um zur Apotheke, zum Arzt oder zum Einkaufen zu gelangen.
Für Kuhl zeigt das Projekt, dass technologische Innovation nicht nur in Großstädten funktionieren kann. Auch auf dem Land lasse sich so etwas erfolgreich umsetzen.
Kaum Eingriffe, keine Zwischenfälle
Nach Angaben der Verantwortlichen verliefen die Fahrten bislang ohne besondere Vorkommnisse. Nur in wenigen Situationen musste der Sicherheitsfahrer übernehmen – etwa als das Fahrzeug in eine Sackgasse geriet und auf engem Raum wenden wollte. Nach Angaben der Beteiligten handelt es sich um das erste Shuttle-Projekt in Europa, bei dem Teslas mit FSD (Überwacht) im Einsatz sind.
In den USA nutzen Tesla-Fahrer diese Technik bereits seit Jahren. Für Europa hat das Unternehmen eine Zulassung beantragt. Die Niederlande haben im April als erstes Land zugestimmt. Wann Deutschland nachzieht, ist offen.
Zwei Model Y aus Grünheide im Einsatz
Tesla betrachtet das Eifel-Projekt zugleich als erweiterten Praxistest. Verwendet werden zwei Model Y, die im Werk Grünheide bei Berlin gebaut wurden. Tesla Automation produziert hochautomatisierte Fertigungslinien für die Werke des Elektroautobauers und beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 1.900 Menschen an Standorten in Prüm, Neuwied, Neutraubling und Reutlingen.
Begeisterung auch bei Älteren
Dass junge Menschen Gefallen an den Hightech-Fahrten finden, habe man erwartet, sagt Landrat Kruppert. Überraschend sei jedoch gewesen, wie positiv auch ältere Fahrgäste reagierten. Bürgermeister Kuhl berichtet, viele seien regelrecht begeistert und fragten bei Buchungen inzwischen gezielt nach dem Tesla.
Sollte die Technik eines Tages vollständig autonom funktionieren, könnte sie noch vielseitiger eingesetzt werden. Kuhl kann sich gut vorstellen, das dann selbst zu nutzen – und spielt dabei augenzwinkernd auf die Fernsehserie Knight Rider an: Dann würde er sich ins Auto setzen und sagen: "K.I.T.T., fahr mich!"
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion