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Copernicus warnt: 2026 knackt wohl 1,5-Grad-Marke

Nächster Klima-Schock? 2026 könnte die 1,5-Grad-Marke erneut sprengen – und das Ausmaß ist brisanter als viele ahnen.

06.11.2026, 09:59 Uhr

Nach Einschätzung des EU-Klimadienstes Copernicus wird die globale Durchschnittstemperatur im Jahr 2026 gegenüber der vorindustriellen Zeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit über 1,5 Grad liegen. Damit wäre 2026 nach 2024 erst das zweite Jahr, in dem diese Schwelle erreicht oder überschritten wird. Offiziell als verfehlt gilt das internationale Klimaziel aber erst, wenn die Überschreitung im Durchschnitt über mehrere Jahre anhält.

Die Staatengemeinschaft wollte die Erderwärmung eigentlich auf 1,5 Grad begrenzen, um besonders schwere Folgen der Klimakrise abzuwenden. Copernicus geht nun davon aus, dass 2026 höchstwahrscheinlich das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird. Zugleich sehen die Fachleute eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass 2026 sogar den bisherigen Rekordwert von 2024 übertrifft.

Auch beim Mittelwert mehrerer Jahre zeichnet sich laut Copernicus eine weitere Verschärfung ab: Für den Vier-Jahres-Durchschnitt von 2023 bis 2026 erwarten die Experten einen Wert von mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Wärmster Oktober seit Beginn der Messungen

Zusätzlichen Rückenwind bekommt diese Einschätzung durch die jüngsten Messdaten. Demnach war der vergangene Monat weltweit der wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen. Die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur lag im Oktober bei 15,35 Grad und damit 1,75 Grad über dem vorindustriellen Wert. Es war bereits der dritte Monat in Folge oberhalb der 1,5-Grad-Marke.

In Europa war es zugleich der zweitwärmste Oktober seit Beginn der Messungen – nur der Oktober 2022 war noch wärmer. Besonders hohe Temperaturen wurden vor allem im Osten und Nordosten des Kontinents registriert.

Meerestemperaturen auf Rekordniveau

Auch bei den Ozeanen meldet Copernicus neue Höchstwerte für einen Oktober. Die durchschnittliche Temperatur an der Meeresoberfläche zwischen dem 60. Breitengrad Nord und dem 60. Breitengrad Süd lag demnach bei 20,95 Grad und damit höher als beim bisherigen Oktober-Rekord aus dem Jahr 2023.

Im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik, einer Kernregion des Klimaphänomens El Niño, kletterte die Wassertemperatur sogar auf 29,94 Grad. Das lag deutlich über den Werten früherer starker El-Niño-Ereignisse wie 2015/2016 oder 1997/1998.

Copernicus verweist darauf, dass ein außergewöhnlich starker El Niño die bereits durch menschliche Aktivitäten aufgeheizte Atmosphäre zusätzlich erwärmt. Besonders bedeutsam sei dabei, dass voraussichtlich auch der Vier-Jahres-Durchschnitt über 1,5 Grad liegen werde. Das unterstreiche, wie beständig die aktuelle Phase hoher globaler Temperaturen inzwischen geworden ist.

UN rechnet mit Überschreiten des 1,5-Grad-Ziels

Die Vereinten Nationen gehen inzwischen ebenfalls offiziell davon aus, dass das im Pariser Klimaabkommen angestrebte 1,5-Grad-Ziel überschritten wird. In der Klimapolitik ist dabei von einem sogenannten „Overshoot“ die Rede. Nach Einschätzung der UN sollte diese Überschreitung jedoch möglichst kurz und so gering wie möglich ausfallen, weil sonst drastischere Klimaextreme und das Erreichen gefährlicher Kipppunkte drohen.

Das UN-Umweltprogramm UNEP hatte bereits im September darauf hingewiesen, dass Risiken und Schäden mit jedem zusätzlichen Bruchteil eines Grades und mit jedem weiteren Jahr zunehmen.

Auch der Klimaforscher Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, fordert, den Overshoot möglichst klein zu halten und die Temperaturen durch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre rasch wieder zu senken. Eine offizielle Überschreitung der 1,5-Grad-Schwelle in den kommenden fünf Jahren hält er inzwischen für unvermeidbar. Derzeit befinde sich die Welt auf einem Pfad in eine „unbeherrschbare Zukunft“, warnte Rockström.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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