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Trotz Bombendrohungen: Darum blieben Verspätungen aus

Bombendrohungen auf Europas Flügen: Maschinen mussten umgeleitet werden – doch was sagt Eurocontrol wirklich zum Chaos?

06.11.2026, 11:48 Uhr

Serie von Bombendrohungen gegen Flüge in Europa hält an

Die rätselhafte Serie von Bombendrohungen im europäischen Luftverkehr setzt sich fort. Auch am Freitag wurden erneut mehrere Fälle gemeldet. Seit Dienstag gab es damit nach bisherigen Angaben mindestens 30 Drohungen gegen Flugzeuge in Europa. Zusätzlich sorgten in Irland nahezu gleichlautende Drohungen gegen Medienhäuser für neue Unruhe.

Bislang kein Einfluss auf das europäische Flugnetz

Nach Angaben der Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol haben die Drohungen bislang keinen messbaren Effekt auf die Verspätungen im europäischen Luftverkehrsnetz. Für Donnerstag registrierte die Organisation 14 betroffene Flüge, nachdem am Dienstag bereits 7 Verbindungen gemeldet worden waren.

Gemessen am gesamten Flugaufkommen blieb der Anteil gering: Am Donnerstag entsprachen die Drohungen rund 0,05 Prozent von insgesamt 28.488 Flügen in Europa. Am Dienstag lag der Wert bei etwa 0,03 Prozent bei 26.278 Flügen.

Einzelne Flüge und Flughäfen dennoch betroffen

Trotz der insgesamt begrenzten Folgen kam es auf einzelnen Strecken zu deutlichen Störungen. Mehrere Maschinen wurden in den vergangenen Tagen vorsorglich umgeleitet und nach der Landung von Spezialkräften kontrolliert. Konkrete Hinweise auf Sprengsätze wurden bislang nicht gefunden.

Am Freitag musste ein Wizzair-Flug von Prag nach Rom nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa nach Venedig ausweichen. In Lissabon gingen laut dem staatlichen Sender RTP unter Berufung auf die Polizei gleich zwei Bombendrohungen gegen dieselbe Ryanair-Maschine ein.

Auch Flüge aus London und aus Brüssel nach Sofia waren betroffen. Beide Maschinen landeten dort sicher, bei den anschließenden Kontrollen entdeckte die Grenzpolizei nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Radios in Sofia nichts Beunruhigendes. In Prag richteten sich die Drohungen nach Angaben einer Flughafensprecherin gegen neun Flüge. Auch in Frankreich wurden Vorfälle bekannt.

Bereits am Donnerstag waren unter anderem Verbindungen nach Rom, Warschau, Prag und Bukarest betroffen. Schon am Dienstag hatte es ähnliche Fälle gegeben. Damals musste der Flughafen Warschau-Modlin seinen Betrieb vorübergehend einstellen.

Spanien spricht von hybridem Angriff

Wer hinter den Drohungen steckt und ob alle Fälle miteinander zusammenhängen, ist weiterhin unklar. Spaniens Außenminister José Manuel Albares geht jedoch von einer gezielten Attacke autokratischer Kräfte auf Europas Demokratien aus. Im Sender RTVE sprach er von einem Versuch hybrider Aggression und psychologischer Kriegsführung. Namen nannte er dabei nicht. Auch Cyberangriffe auf digitale Plattformen oder auf Kühlsysteme von Supermärkten passten aus seiner Sicht in dieses Muster.

Behörden in mehreren Ländern ermitteln

Mehrere Behörden in Europa haben Ermittlungen aufgenommen. Die EU-Kommission aktivierte nach eigenen Angaben einen Mechanismus für den grenzüberschreitenden Informationsaustausch und koordiniert die Abstimmung zwischen den betroffenen EU-Staaten. Auch die europäische Flugsicherheitsagentur EASA ist in den Austausch eingebunden.

In Frankreich leitete die Justiz Vorermittlungen ein. In Tschechien ermittelt die Polizeieinheit zur Bekämpfung von Extremismus, Terrorismus und Cyberkriminalität. Auch in Irland befassen sich die Behörden mit den Vorfällen.

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung verliefen mindestens vier der am Freitag bedrohten Flüge durch den deutschen Luftraum. Das zuständige Center habe die Informationen an die Crews und benachbarte Flugsicherungen weitergegeben. Bombendrohungen seien zwar nicht neu, in dieser Häufung aber ungewöhnlich.

Auch irische Medienhäuser betroffen

Für zusätzliche Unruhe sorgten am Freitag nahezu identische Drohungen gegen Medienhäuser in Irland. Mitarbeiter des Senders RTÉ sowie weiterer Redaktionen mussten ihre Gebäude vorsorglich verlassen. Betroffen waren neben RTÉ auch die Zeitung Irish Independent und der Radiosender Newstalk.

Ob diese Fälle mit den Drohungen im Flugverkehr zusammenhängen, ist bislang offen. Die irische Regierung hält laut Medienberichten jedoch eine koordinierte Störkampagne für wahrscheinlich, da die Vorfälle zeitlich unmittelbar auf die anhaltenden Störungen im europäischen Luftverkehr folgten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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