Blume in Emden und Zwickau unter Druck – Managementabbau, Proteste und neue Kritik des VW-Betriebsrats
VW-Konzernchef Oliver Blume hat nach dem Auftakt der außerordentlichen Betriebsversammlungen in Wolfsburg auch den Fragen der Beschäftigten in Emden gestellt. Die Runde in Ostfriesland wurde besonders aufmerksam verfolgt, weil der Standort seit Wochen als gefährdet gilt. Danach reiste Blume weiter nach Zwickau, wo ebenfalls große Unsicherheit herrscht.
Einschnitte im Management angekündigt
In Emden kündigte Blume angesichts des verschärften Sparkurses spürbare Einschnitte im Management an. Dort werde besonders genau hingeschaut, ein Viertel der Stellen solle wegfallen. Alle Bereiche müssten ihren Beitrag leisten, sagte der VW-Chef und sprach von einem Kraftakt, der nur gemeinsam zu bewältigen sei.
Beim möglichen Stellenabbau im Konzern geht es im nächsten Schritt vor allem um Kosten außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion. Gemeint sind insbesondere zentrale Konzernfunktionen sowie Bereiche wie Entwicklung und Vertrieb. Bereits im Frühjahr hatte Blume angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ zu arbeiten und den Sparkurs weiter zu verschärfen.
Die häufig genannte Zahl von 50.000 gefährdeten Stellen hatte Blume zuletzt nicht als feste Zielmarke bezeichnet, sondern als rechnerische Größe aus den Kosten. Trotzdem wächst im Konzern die Sorge, dass im Zuge des Sparprogramms noch deutlich mehr Jobs zur Disposition stehen könnten.
Emden steht weiter unter Druck
Blume machte in Emden erneut deutlich, wie schwierig die Wettbewerbslage des Werks ist. Volkswagen vergleiche seine Fabriken mit den leistungsfähigsten Standorten Europas, um die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu sichern. Die Arbeitskosten in Emden lägen mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten, auch bei den übrigen Fabrikkosten seien andere Werke klar günstiger.
Zugleich versuchte Blume, den Beschäftigten den Hintergrund der Debatte zu erklären. Die Welt, auf deren Grundlage viele Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen worden seien, gebe es so nicht mehr, sagte er. Deshalb müsse die Lage immer wieder neu bewertet werden. Zwar seien in Emden die Kosten bereits gesenkt worden, im Vergleich blieben sie aber hoch. Das sei kein Vorwurf an die Belegschaft, sondern die Realität, an der sich der Standort messen lassen müsse.
Für Emden gibt es nach Konzernangaben bislang keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre. Blume wiederholte aber, dass er Werksschließungen vermeiden wolle. Beschlüsse dazu gebe es bisher nicht. Neben Emden stehen auch Zwickau, Hannover und der Audi-Standort Neckarsulm im Fokus, weil auch dort aus Sicht des Vorstands die langfristige Auslastung nicht gesichert ist.
Emden: E-Auto-Standort trotz Milliardeninvestition in der Debatte
Dass ausgerechnet Emden als gefährdet gilt, sorgt in der Region weiter für Unverständnis. Ende 2024 war dort bereits der letzte Wagen mit Verbrennungsmotor vom Band gelaufen. Nach hohen Investitionen produziert Volkswagen in Ostfriesland inzwischen ausschließlich Elektroautos, darunter den ID.7.
Rund 7.700 Menschen arbeiten in dem Werk. Es gilt als wichtigster industrieller Arbeitgeber in Ostfriesland.
Bereits im Juli hatten Betriebsrat und Gewerkschaft in Emden gegen Berichte über verschärfte Sparmaßnahmen im Konzern protestiert. Viele Beschäftigte reagierten empört, weil der Standort die Transformation zur Elektromobilität bereits vollzogen hat.
Demonstration in Zwickau vor Blumes Besuch
Vor Blumes Besuch in Zwickau demonstrierten dort Dutzende VW-Beschäftigte gemeinsam mit Mitarbeitern von Zulieferern für eine Zukunft des Standorts. Auf Plakaten standen Slogans wie „Mama- Hast du in 5 Jahren noch Arbeit?“ und „Vereint für unsere Zukunft kämpfen“.
Der Zwickauer Betriebsratschef Mario Albert sagte, die Verunsicherung in der Belegschaft sei groß. Zugleich verwies er darauf, dass der Standort seine Sparziele bereits erfülle: Zwickau sei 2025 das einzige deutsche VW-Werk gewesen, das die Fabrikkostenziele erreicht habe. „Und das werden wir auch 2026“, sagte Albert. Die Beschäftigten bräuchten nun endlich eine belastbare Perspektive.
Zwickau verliert weiter Jobs
Die Fahrzeugfabrik in Zwickau gilt bei Volkswagen als Pionier der Elektromobilität. Seit 2020 werden dort ausschließlich E-Autos gebaut. Weil inzwischen auch andere Werke in die Elektrofertigung eingestiegen sind, ist die Auslastung in Zwickau jedoch gesunken.
Das hatte bereits Folgen für die Belegschaft: Statt in drei Schichten wird nur noch in zwei produziert. Nach rund 11.000 Beschäftigten in Spitzenzeiten arbeiten aktuell noch etwa 8.000 Menschen im Werk. Mehr als 1.000 weitere Jobs sollen in den kommenden Jahren planmäßig wegfallen. Zudem soll 2027 eine der beiden Fertigungslinien stillgelegt werden.
Mit dem Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden hat Volkswagen zwei weitere Standorte in Sachsen. Dort wird Blume an diesem Donnerstag erwartet. In Dresden werden bereits keine Fahrzeuge mehr produziert.
Wie stark die Region von der Autoproduktion abhängt, machten auch Beschäftigte von Zulieferern deutlich. Marcel Kuczyk, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Schnellecke Logistics in Glauchau, kam mit mehreren Kollegen an das Werkstor in Zwickau, um sich für den Erhalt des Standorts einzusetzen.
VW-Betriebsrat greift Blume scharf an
Zusätzlichen Druck bekommt Blume aus dem Konzernbetriebsrat. Das Gremium hatte sich über die aus seiner Sicht zu vagen Informationen des Konzernchefs zu den Zukunftsplänen entrüstet gezeigt und außerordentliche Betriebsversammlungen an insgesamt neun Standorten einberufen.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte beim Auftakt in Wolfsburg den Umgang des Konzernchefs mit der Belegschaft scharf. Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sage, was Sache sei, lasse sich nicht arbeiten, sagte sie. Das Vertrauen insbesondere in Blume sei beschädigt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber