Deniz Undav steigt beim VfB Stuttgart zum Kapitän auf
Für Deniz Undav nimmt ein ohnehin bemerkenswerter Sommer die nächste Wendung: Nach neuem Top-Vertrag, viel Aufmerksamkeit rund um die WM und seiner starken Stellung im Team ist der Nationalstürmer nun auch offiziell neuer Kapitän des VfB Stuttgart.
Größer könnte der Rahmen für seine neue Aufgabe kaum sein. Bereits im Auftaktspiel am Freitagabend gegen den FC Bayern München wird Undav die Mannschaft als Spielführer anführen.
Hoeneß nennt die Wahl folgerichtig
Trainer Sebastian Hoeneß sprach vor der Partie beim Rekordmeister von einer naheliegenden Entscheidung. Undavs Bedeutung für die Mannschaft, den Verein und das Umfeld sei unbestritten. Er verkörpere den sportlichen Aufschwung des VfB und stehe sinnbildlich für den jüngsten Erfolgskurs.
Ganz neu ist die Rolle für den Angreifer nicht. Schon zuvor trug er die Binde immer wieder, wenn Atakan Karazor nicht auf dem Platz stand. So auch zuletzt beim klaren 4:0-Erfolg in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Hansa Rostock. Als lautstarker Führungsspieler, der offen seine Meinung sagt und nach schwachen Leistungen auch Kritik äußert, ist Undav im Team längst etabliert.
Hoeneß bezeichnete den 30-Jährigen als eine Art verlängerter Arm auf dem Feld. Schon in den vergangenen Jahren habe es einen engen Austausch mit ihm gegeben. Sportlich dürfte Undav trotz des neuen Offensivkonkurrenten Dzenan Pejcinovic weiterhin häufig in der Startelf stehen. Bei Karazor ist die Situation schwieriger: Nach der Verpflichtung von Grischa Prömel wächst der Druck im defensiven Mittelfeld weiter.

Mannschaftsrat noch nicht bestimmt
Wer künftig dem Mannschaftsrat angehört, ist noch offen. Wegen der bis zum 1. September laufenden Transferperiode will der VfB mit der Wahl noch warten. Hoeneß betonte, abstimmen und gewählt werden sollten nur jene Spieler, die am Ende auch tatsächlich die Saison in Stuttgart bestreiten. Weitere Veränderungen im Kader sind damit nicht ausgeschlossen.
Vom unterschätzten Talent zum Führungsspieler
Der Wechsel von Brighton & Hove Albion nach Stuttgart erwies sich für Undav vor drei Jahren als Glücksgriff. Zuvor hatte er im Fußball auch schwierige Phasen erlebt und sich Anerkennung hart erarbeiten müssen. Beim VfB gelang ihm dann der Durchbruch: Er wurde schnell zum Publikumsliebling, treffsicheren Stürmer und schließlich auch Nationalspieler.
In Deutschland war Undav lange eher ein Außenseiter. In Belgien schoss er Union Saint-Gilloise zwar zum Aufstieg, blieb hierzulande aber dennoch vergleichsweise wenig beachtet. Bei Werder Bremen war er in der Jugend einst aussortiert worden. Nach eigener Aussage hieß es damals, er sei zu klein und zu schwer.
Undav spricht von Stolz
Für ihn und seine Familie sei Stuttgart inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden, erklärte Undav in einer Mitteilung des Vereins. Sein neuer Vertrag, den er kurz vor dem WM-Start unterschrieben hatte, läuft bis 2029 und enthält die Option auf ein weiteres Jahr. Medienberichten zufolge ist damit auch eine deutliche Gehaltserhöhung verbunden.
Zu seiner neuen Aufgabe sagte Undav, er werde die Kapitänsbinde mit großem Stolz tragen. Wenn er die Rolle nur annähernd so gut ausfülle wie Karazor in den vergangenen Jahren, habe er bereits vieles richtig gemacht.
Karazors größter sportlicher Moment als VfB-Kapitän war der DFB-Pokalsieg im Mai 2025 im Berliner Olympiastadion gegen Arminia Bielefeld. Undav will nun als neuer Spielführer direkt für ein Ausrufezeichen sorgen — idealerweise schon mit einer Überraschung in München.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber