Nach einem zunächst vielversprechenden Start in die Saison müssen Bayerns Kartoffelerzeuger bei der laufenden Ernte mit kleineren Knollen sowie spürbaren Einbußen bei Menge und Qualität rechnen. Wie der Bayerische Bauernverband (BBV) mitteilte, hat die starke Hitze seit Ende Juni das Wachstum der Bestände deutlich ausgebremst. Zusätzlich belasten fehlender Regen, ein Schädling und eine kleinere Anbaufläche die Betriebe.
Die Kartoffeln waren zwischen Ende März und Ende April unter günstigen Bedingungen gelegt worden. Auch die Trockenphase im Mai überstanden die Pflanzen zunächst gut. Dank der Niederschläge zu Beginn des Juni entwickelte sich das Kraut anfangs ordentlich. Danach verschlechterte sich die Lage jedoch: Neben den hohen Temperaturen fiel in vielen Regionen nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Regenmenge.
Hagel und Schädlinge verschärfen die Lage
Weitere Schäden entstanden laut BBV durch Hagel, vor allem in Schwaben und im fränkischen Knoblauchsland. Sorgen bereitet den Landwirten außerdem die Schilf-Glasflügelzikade. Das Insekt überträgt die Krankheiten Stolbur und SBR, also das sogenannte Syndrom des niedrigen Zuckergehalts.
Für die Bekämpfung des Schädlings wurde in dieser Saison nach Angaben des BBV in 40 Landkreisen und 12 kreisfreien Städten eine amtliche Warnung ausgegeben. Besonders betroffen sind demnach Gebiete entlang der Donau sowie der Raum Würzburg.
Beide Krankheiten können Kartoffelbestände massiv schädigen und Ernteverluste von bis zu 50 Prozent verursachen. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) erklärte, der Freistaat investiere in Forschung und wolle neue Erkenntnisse möglichst schnell in die Praxis bringen. Zugleich betonte sie, dass es sich nicht nur um ein bayerisches Problem handle. Nötig seien deshalb eine bundesweite Abstimmung und langfristig wirksame Lösungen im Pflanzenschutz.
Weniger Fläche für Kartoffeln
Hinzu kommt, dass die Kartoffelanbaufläche in Bayern 2026 um rund vier Prozent auf etwa 37.400 Hektar zurückgegangen ist. Nach BBV-Angaben betrifft das vor allem Speise- und Verarbeitungskartoffeln, während der Anbau von Stärkekartoffeln ausgeweitet wurde.
Hintergrund ist die überdurchschnittlich große Ernte des Vorjahres, die zu einem Überangebot am Markt geführt hatte. Deshalb hatte die Landesvereinigung der Erzeugergemeinschaften ihren Mitgliedsbetrieben empfohlen, die Anbauflächen zu verkleinern, um das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wieder besser auszubalancieren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber