Wirtschaft

Studie: Wohnungsbau-Krise frisst dem Staat Milliarden

Wohnungsbau-Kollaps treibt Mieten und Preise hoch – und reißt laut neuer Studie auch Milliardenlöcher in die Staatskasse.

26.08.2026, 11:00 Uhr

Der starke Rückgang im Wohnungsbau bremst laut einer aktuellen Untersuchung das Wirtschaftswachstum in Deutschland und reißt zugleich milliardenschwere Lücken in die Staatskasse. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts wurden im vergangenen Jahr bundesweit rund 84.600 Wohnungen weniger gebaut als noch zwei Jahre zuvor.

Bayern besonders stark betroffen

Wie aus dem neuen „Bau-Monitor“ hervorgeht, entstanden allein in Bayern 2025 rund 18.750 Wohnungen weniger als 2023. Gemessen an Bevölkerung und Wohnraumbedarf wiegt der Rückgang im Freistaat damit besonders schwer. Nach Schätzung des Instituts fehlen in Deutschland inzwischen etwa 1,35 Millionen Wohnungen, davon 220.000 in Bayern. Auftraggeber der Untersuchung war der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel.

Fehlende Steuereinnahmen und steigende Wohnkosten

Für den Staat bedeutet der Einbruch beim Wohnungsbau laut Studie Einnahmeausfälle in Milliardenhöhe. Wären – wie in den Jahren vor Beginn der Baukrise – weiterhin bundesweit rund 300.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt worden, hätte das Wirtschaftswachstum demnach um 0,6 Prozent höher ausfallen können. Zudem wären die Steuereinnahmen um gut sieben Milliarden Euro gestiegen.

Für Bayern beziffert das Pestel-Institut die Mindereinnahmen auf 1,3 Milliarden Euro Umsatzsteuer, gut 350 Millionen Euro Grunderwerbsteuer und mehr als 600 Millionen Euro Einkommensteuer.

Auch für Mieterinnen und Mieter hat der Wohnungsmangel spürbare Folgen. Laut „Bau-Monitor“ ist die durchschnittliche Nettokaltmiete in Bayern von März 2015 bis März dieses Jahres um mehr als 70 Prozent gestiegen. Im bundesweiten Vergleich liegt der Freistaat damit auf Platz drei. Noch schneller verteuerte sich das Wohnen nur in Hamburg und Baden-Württemberg.

Studie spricht von „toxischer“ Lage

Studienautor Matthias Günther erklärte, derzeit würden so viele Wohnungen gebraucht wie schon lange nicht mehr – gleichzeitig aber so wenige gebaut wie selten zuvor. Der Chefökonom des Pestel-Instituts sprach von einer „toxischen“ Situation im Wohnungsbau und griff die Bundesregierung scharf an. Einen derartigen Absturz zuzulassen, sei sowohl sozial als auch ökonomisch unverantwortlich.

Wohnungswirtschaft warnt vor weiterer Verschärfung

Eine schnelle Besserung ist nach Einschätzung der Branche nicht in Sicht. Hans Maier, Direktor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen, warnte, ohne eine Trendwende würden sich die angespannten Wohnungsmärkte im Freistaat weiter verschärfen. Der Wohnungsbau sei nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Frage. Bayern könne sich einen anhaltenden Stillstand nicht leisten.

Staatsregierung verweist auf Milliardenprogramm

Bayerns Bauminister Christian Bernreiter (CSU) räumte die schwierige Lage ein. Der private Wohnungsbau schwächle weiterhin, sagte er, und verwies auf ein bundesweites Problem. Zugleich forderte er erneut Unterstützung von der Bundesregierung in Berlin.

Bernreiter betonte, die Staatsregierung schöpfe ihre Möglichkeiten aus: Für 2026 und 2027 stünden insgesamt 3,6 Milliarden Euro bereit – darunter eine Milliarde Euro aus dem Sondervermögen des Bundes, das für Investitionen vorgesehen ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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