Der Zeichner, Maler, Autor und Karikaturist Hans Traxler ist tot. Wie das Caricatura Museum Frankfurt und die Stadt Frankfurt am Main im Namen seiner Familie mitteilten, starb er am 24. August im Alter von 97 Jahren in Frankfurt.
Traxler, 1929 in Nordböhmen im heutigen Tschechien geboren, lebte seit 1951 in Frankfurt am Main und studierte an der dortigen Städelschule. Er galt als einer der prägenden Künstler der Komischen Kunst in Deutschland und war Mitbegründer der Satirezeitschriften „Pardon“ und „Titanic“.
Große Bekanntheit erlangte er mit seinen Karikaturen von Helmut Kohl. Dass der frühere Bundeskanzler in den 1980er Jahren den spöttischen Spitznamen „Birne“ bekam, wird auch mit Traxlers Zeichnungen in Verbindung gebracht.
Doch auf die politische Karikatur wollte Traxler nie reduziert werden. Kurz nach seinem 90. Geburtstag sagte er der dpa, die Arbeit als politischer Karikaturist sei nie „das Ganze“ gewesen, sondern selbst in seiner „Pardon“-Zeit nur etwa ein Drittel seines Schaffens. Ihm sei wichtig gewesen, dass von seiner Arbeit etwas bleibe. Deshalb wandte er sich später stärker Bildergedichten, Buchillustrationen und dauerhaft angelegten Arbeiten zu.
Den Zeichenstift entdeckte Traxler schon als Kind: Seine erste Bildergeschichte entstand bereits im Alter von fünf Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt er als 16-Jähriger Zeichenunterricht von einem ehemaligen Direktor der Prager Akademie, der wie er in Regensburg gelandet war. Schon mit 17 Jahren zeichnete Traxler für Illustrierte.
Rückblickend sagte er, er habe seit seinem 17. Lebensjahr als Karikaturist gearbeitet und stets davon gelebt. Zeiten mit enormer Produktionslast sah er allerdings kritisch: In einem Jahr fertigte er nach eigenen Angaben rund 1.000 Zeichnungen an – eine Art „Fließbandarbeit“, die ihn zwar finanziell über Wasser hielt, an die er aber nicht gern zurückdachte. Auch während des Studiums an der Städelschule finanzierte er so seinen Lebensunterhalt.
Traxler gehörte außerdem zur Künstlergruppe der „Neuen Frankfurter Schule“, die in einer berühmten Zeichnung von ihm als fünf Elche dargestellt wurde. Kennzeichnend für seinen Stil war eine feine Situationskomik, oft mit boshafter Spitze, aber selten hämisch oder verletzend. Neben Politikern und Prominenten spielten auch Tiere in seinem Werk immer wieder eine große Rolle.
Zu seinen frühen und besonders bekannten Arbeiten zählt die 1963 erschienene Wissenschaftsparodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“, in der er sogar eine angebliche archäologische Ausgrabung des Lebkuchenhauses samt Lageplan im Spessart präsentierte. Später erschienen zahlreiche weitere Bücher, darunter Kinderbücher und Illustrationen klassischer Literatur.
Besondere Aufmerksamkeit bekam auch sein Buch „Aus dem Leben der Gummibärchen“: Es war in den 1990er Jahren das erste Buch eines deutschen Cartoonisten, das in den USA verlegt wurde. Seine gezeichneten Kindheitserinnerungen veröffentlichte er unter dem Titel „Mama, warum bin ich kein Huhn?“. Sehr am Herzen lagen ihm zudem literarische Kinderbücher über Schriftsteller wie Goethe, Heine, Shakespeare oder Mark Twain. Traxler betonte dazu einmal, er nehme das Kinderbuch genauso ernst wie ein Buch für Erwachsene.
Auch nach seinem Abschied aus dem Tagesgeschäft blieb Traxler kreativ. Das Caricatura Museum Frankfurt, in dem sich sein künstlerischer Nachlass befindet, verweist darauf, dass noch 2025 unter anderem das Buch „Die Bildergedichte“ mit Klassikern und neuen Bilderserien des Künstlers erschienen ist.
Ein Satz von ihm ist besonders in Erinnerung geblieben: „Jeder Tag ohne Zeichnen ist für mich verloren.“
Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) würdigte Traxler als einen der bedeutendsten Künstler der Komischen Kunst. Sein Werk werde weit über seine Zeit hinaus Bestand haben und auch kommende Generationen prägen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber