Wirtschaft

Schock-Aus bei Arzneihersteller R-Pharm

Ukraine-Krieg, Sanktionen, kein Retter: Warum R-Pharm Deutschland jetzt zerschlagen wird – und 280 Jobs vor dem Aus stehen.

26.08.2026, 11:58 Uhr

Die deutsche Tochter des russischen Arzneimittelkonzerns R-Pharm wird nach ihrer Insolvenz endgültig geschlossen. Für die rund 280 Beschäftigten bedeutet das den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Wie Insolvenzverwalter Markus Fröhlich mitteilte, blieb die über Monate laufende Suche nach einem Investor ohne Erfolg. Die beiden zuletzt verbliebenen Interessenten konnten demnach keine verlässliche Finanzierung nachweisen.

R-Pharm Germany gehörte seit 2014 zum russischen Mutterkonzern. Mitte März hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Als wesentliche Ursachen nannte der Insolvenzverwalter die EU-Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs sowie die darauf folgenden Gegenmaßnahmen aus Russland.

Traditionsstandort mit langer Geschichte

Der Standort in Illertissen im Allgäu blickt auf eine lange Vergangenheit zurück. Bereits 1860 begann dort der Ulmer Unternehmer Heinrich Mack mit der Produktion. In den Anfangsjahren wurden vor allem Seifen und Drogeriewaren hergestellt. Ein bekanntes Erzeugnis war das bis in die Nachkriegszeit verbreitete „Kaiser Borax“, das unter anderem für Hautpflege und Badezusätze genutzt wurde. Anfang der 1970er Jahre übernahm zunächst der US-Pharmakonzern Pfizer das Werk, ehe es 2014 an R-Pharm ging.

Abwicklung beschlossen

Nun steht fest, dass der Betrieb eingestellt und die Firma abgewickelt wird. Fröhlich erklärte, ihm falle dieser Schritt äußerst schwer. Zugleich verwies er auf die Folgen für die Belegschaft, deren Familien und die Region. Gemeinsam mit dem Betriebsrat sei kurzfristig ein Sozialplan vereinbart worden.

Für die eigentliche Abwicklung sollen lediglich noch 50 bis 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine befristete Zeit weiterbeschäftigt werden.

Hoher Finanzbedarf schreckte mögliche Käufer ab

Nach Angaben des Insolvenzverwalters hätte ein Erwerber nicht nur den Kaufpreis aufbringen müssen. Zusätzlich wären erhebliche Investitionen nötig gewesen, um den Standort wieder wirtschaftlich zu stabilisieren und neue Kunden zu gewinnen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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