Wirtschaft

Zu spät geklagt: Musk blitzt gegen OpenAI ab

Showdown vor Gericht: Musk wollte OpenAI umkrempeln – doch ausgerechnet ein fataler Fehler ließ seine Klage platzen.

19.05.2026, 00:49 Uhr

Musk scheitert vor Gericht mit Angriff auf OpenAI-Umbau

Elon Musk ist mit seinem Versuch gescheitert, OpenAI per Gericht zu einem tiefgreifenden Umbau zu zwingen. Eine Jury in Kalifornien kam zu dem Ergebnis, dass der Tech-Milliardär seine Klage zu spät eingereicht hatte. Musk will das Urteil jedoch nicht akzeptieren und kündigte an, in Berufung zu gehen.

Ein Erfolg des Tesla- und xAI-Chefs hätte erhebliche Folgen für OpenAI haben können. Im Raum standen Einschnitte bei der Finanzierung, ein Machtwechsel an der Spitze sowie weitreichende Änderungen an der Unternehmensstruktur. Musk verlangte unter anderem, dass OpenAI-Chef Sam Altman und Mitgründer Greg Brockman ihre Ämter verlieren. Außerdem forderte er einen Ausgleich von mehr als 100 Milliarden Dollar, den er nach eigener Darstellung dem gemeinnützigen Teil von OpenAI zukommen lassen wollte.

Vorwurf: Gemeinnützige Idee in Profitmodell verschoben

Musk gehörte in den Anfangsjahren von OpenAI zu den wichtigsten Unterstützern und bezifferte seine Beiträge auf rund 38 Millionen Dollar. Er wirft Altman und Brockman vor, die ursprüngliche Mission des Unternehmens verraten zu haben. Nach seiner Darstellung sei der Wert von OpenAI entgegen früheren Zusagen aus einer Non-Profit-Struktur in eine gewinnorientierte Gesellschaft verlagert worden.

Genau dieser Vorwurf stand im Mittelpunkt des mehrwöchigen Verfahrens in Oakland. Entscheidend war letztlich aber nicht die inhaltliche Frage, sondern der Zeitpunkt der Klage. Musk hatte seine Unterstützung für OpenAI bereits 2020 komplett beendet. Die Jury glaubte ihm nicht, dass ihm erst 2023 klar geworden sei, dass seine früheren Partner ihre Zusagen gebrochen hätten. In Kalifornien gilt für solche Ansprüche eine Verjährungsfrist von drei Jahren.

OpenAI Prozess
OpenAI-Chef Sam Altman konnte die Gefahr für seinen Job vorerst abwenden. (Archivbild) Quelle: Godofredo A. Vásquez/AP/dpa

Jury folgt OpenAI bei der Verjährung

Musk argumentierte, erst der Einstieg von Microsoft mit einem Investment von zehn Milliarden Dollar habe deutlich gemacht, dass OpenAI seinen ursprünglichen Weg verlassen habe. Deshalb sei seine 2024 eingereichte Klage fristgerecht gewesen. OpenAI hielt dagegen und verwies auf E-Mails und Textnachrichten, in denen Musk schon früher vergleichbare Bedenken geäußert haben soll. Das überzeugte die Geschworenen.

Zwar hatte die Jury in dem Verfahren nur beratenden Charakter. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers hatte jedoch bereits im Vorfeld erklärt, dass sie sich beim Thema Verjährung an deren Einschätzung halten werde. Nach ihrer Ansicht gab es genügend Belege für das Votum der neunköpfigen Jury. Weil die Klage als verjährt angesehen wurde, mussten sich die Geschworenen mit dem Kern der Vorwürfe gar nicht mehr befassen.

Für OpenAI stand viel auf dem Spiel

Der Prozess war für OpenAI von großer Bedeutung. ChatGPT kommt auf rund 700 Millionen Nutzer pro Woche und zählt zu den wichtigsten Anwendungen im KI-Markt. Musks Konkurrenzprodukt Grok ist bislang deutlich weniger verbreitet. Nach Berechnungen des Branchendienstes The Information vereinen OpenAI und Konkurrent Anthropic derzeit fast 90 Prozent der Umsätze der KI-Branche auf sich, wobei Anthropic leicht vorne liegen soll.

OpenAI versuchte im Verfahren, Musks Klage als Angriff auf einen Konkurrenten darzustellen. Nach Darstellung des Unternehmens zog Musk erst vor Gericht, nachdem ChatGPT zum Erfolg geworden war und er mit xAI selbst ein konkurrierendes KI-Unternehmen aufgebaut hatte.

Streit über die Doppelstruktur von OpenAI

Musk hatte OpenAI in den frühen Jahren umfangreich finanziell unterstützt. Nach Gerichtsunterlagen kamen bis Mitte 2017 etwa 25 Millionen Dollar in regelmäßigen Zahlungen zusammen. Hinzu kamen bis 2020 Mietkosten von etwas mehr als 12 Millionen Dollar. Außerdem stellte Tesla vier Fahrzeuge für Führungskräfte zur Verfügung.

OpenAI besteht aus einem gemeinnützigen Kern sowie einer profitorientierten Gesellschaft, die diesem laut Satzung untergeordnet ist. In seiner im August 2024 eingereichten Klage erklärte Musk, Altman und Brockman hätten ihn getäuscht. Sein Geld sei ausdrücklich für KI-Forschung innerhalb einer Non-Profit-Struktur bestimmt gewesen. Inzwischen liege der Großteil des Unternehmenswertes aber in der gewinnorientierten Einheit, von der Altman, Brockman und Großinvestor Microsoft profitierten.

OpenAI weist das zurück. Das Unternehmen betont, dass die gemeinnützige Mutter weiterhin die Kontrolle ausübe. Ohne eine zusätzliche profitorientierte Struktur wären die nötigen Milliardeninvestitionen nach eigener Darstellung nicht zu beschaffen gewesen.

Prozess auch von persönlichen Angriffen geprägt

Ein großer Teil des Verfahrens drehte sich um die Glaubwürdigkeit beider Seiten. Weder Musk noch Altman kamen dabei uneingeschränkt gut weg.

Musks Anwalt nahm Altman im Zeugenstand mit Fragen zu seiner Ehrlichkeit gegenüber Geschäftspartnern ins Kreuzverhör und konfrontierte ihn mit Vorwürfen früherer Weggefährten, er habe sie in die Irre geführt. Nach ausweichenden Antworten griff der Anwalt in seinem Schlussplädoyer zu einem drastischen Bild: Ob man über eine Holzbrücke über eine Schlucht gehen würde, wenn sie nach der „Wahrheit von Sam Altman“ gebaut worden sei.

Als belastendes Indiz präsentierte Musks Team zudem einen Tagebucheintrag von Greg Brockman, in dem dieser notiert haben soll, wie er ein Vermögen von einer Milliarde Dollar erreichen könne. Die Anwälte stellten das als Hinweis dar, dass es Brockman vor allem um persönlichen Reichtum gegangen sei. Sein OpenAI-Anteil wäre gemessen an der jüngsten Finanzierungsrunde rund 30 Milliarden Dollar wert. Musks Anwalt fragte ihn deshalb wiederholt, warum er nicht 29 Milliarden Dollar an OpenAI zurückgegeben habe, wenn ihm eine Milliarde genügen würde.

OpenAI: Musk wollte selbst die Kontrolle

OpenAI konterte mit dem Vorwurf, Musk habe 2017 versucht, sich wegen seiner Rolle als Hauptfinanzier die alleinige Kontrolle über die profitorientierte Gesellschaft zu sichern. Nachdem Altman und Brockman das abgelehnt hätten, habe er mit dem Entzug finanzieller Unterstützung Druck ausüben wollen. Musk sagte dazu, er habe die Kontrolle später wieder abgeben wollen, sobald weitere Investoren eingestiegen wären. Nach Darstellung von OpenAI lehnte er es jedoch ab, dies schriftlich festzuhalten. Zudem soll Musk vorgeschlagen haben, OpenAI an Tesla anzugliedern.

Vorerst bedeutet das Urteil für OpenAI eine Atempause. Für Musk ist der Rechtsstreit aber noch nicht beendet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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