Deutsche Eishockey-Nationalmannschaft nach 1:6 gegen die Schweiz tief in der Krise
Ein Jahr vor der Heim-WM droht dem deutschen Eishockey bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz ein sportliches Fiasko. Die Mannschaft von Bundestrainer Harold Kreis verlor am Montag in Zürich deutlich mit 1:6 (0:0, 0:5, 1:1) gegen die Schweiz und kassierte damit die höchste WM-Niederlage gegen den Nachbarn seit 89 Jahren. Nach drei Spielen steht der Vizeweltmeister von 2023 weiter ohne Punkt da, das angepeilte Minimalziel Viertelfinale ist in weite Ferne gerückt.
Mit 0 Punkten und einem Torverhältnis von 2:11 ist die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes in Gruppe A bislang klar unterlegen. Kapitän Moritz Seider sprach nach dem Spiel von großer Frustration. „Wir haben uns alle mehr vorgenommen“, sagte der NHL-Profi bei MagentaSport. „Wir sind völlig auseinander gefallen. Dann kommt so ein Spiel zustande.“ Ein Abstieg droht dem DEB-Team zwar nicht, da Deutschland die Weltmeisterschaft 2027 ausrichten wird, sportlich ist die Lage aber alarmierend.
Hoffnung nur noch theoretisch
Rechnerisch lebt die Viertelfinalchance noch: Vier Siege aus den verbleibenden Spielen könnten reichen. Nach den bisherigen Auftritten erscheinen Erfolge gegen Titelverteidiger und Olympiasieger USA am Mittwoch (20.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport) sowie gegen Ungarn, Österreich und Großbritannien jedoch wenig wahrscheinlich.
Nur im ersten Drittel auf Augenhöhe
Nach den Niederlagen gegen Finnland (1:3) und Lettland (0:2) zeigte die deutsche Mannschaft im ersten Drittel zunächst eine ordentliche Reaktion. In dieser Phase hielt sie gegen die favorisierten Schweizer mit sechs NHL-Spielern um Kapitän Roman Josi noch mit. Das Team wirkte vom Tempo der Deutschen anfangs sogar überrascht.
Doch erneut offenbarte die DEB-Auswahl ihre größten Probleme in der Offensive. Die Chancenverwertung blieb schwach, kein anderes Team im Turnier hat bislang eine schlechtere Torausbeute.
Gegentor in Überzahl als Wendepunkt
Im zweiten Drittel kippte die Partie komplett. Zweimal bekam Deutschland in Überzahl die Gelegenheit, den so wichtigen ersten Treffer zu erzielen. Stattdessen schlugen die Schweizer eiskalt zu: Denis Malgin erzielte in deutscher Überzahl das 1:0 für die Schweiz (26.). Dieser Gegentreffer setzte der deutschen Mannschaft sichtbar zu.
Nur 35 Sekunden später erhöhten Sven Andrighetto (29.) und Christoph Bertschy (30.) und machten aus einer bis dahin offenen Begegnung ein einseitiges Spiel. Trotz des schnellen Zusammenbruchs nahm Bundestrainer Harold Kreis keine Auszeit.
Die Schweiz spielte sich nun in einen Rausch. Nico Hischier (38.) und Roman Josi (39.) sorgten noch vor der zweiten Pause mit einem weiteren Doppelschlag für die Vorentscheidung. Aus nur neun Torschüssen machte der Gastgeber fünf Treffer.
Stettmer erlebt bitteres DEB-Debüt
Auch im Schlussdrittel blieb Jonas Stettmer im deutschen Tor. Kreis reagierte erneut nicht mit einer Auszeit und ließ den Berliner Meisterkeeper trotz des Rückstands weiterspielen. Stettmer hatte bei seinem DEB-Debüt NHL-Torhüter Philipp Grubauer ersetzt, der nur 24 Stunden nach dem 0:2 gegen Lettland pausierte.
„Das war ein schwieriges Spiel. Mein Debüt habe ich mir natürlich anders vorgestellt“, sagte Stettmer nach der Partie. Mit mehreren starken Paraden verhinderte er sogar eine noch höhere Niederlage.
Doch die Schweiz ließ nicht nach. Andrighetto traf mit seinem zweiten Tor des Abends in der 46. Minute zum 6:0. Daniel Tiffels gelang anschließend immerhin noch der deutsche Ehrentreffer, mehr als Ergebniskosmetik war das jedoch nicht.
Damit steht die deutsche Nationalmannschaft bei dieser WM nach drei Partien bereits massiv unter Druck.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion