Nordrhein-Westfalen

Brand-Drama im Hürtgenwald hält an

Flammen-Alarm in NRW: In der Eifel ringt ein Großaufgebot tagelang gegen den Rekord-Waldbrand – sogar Bundeswehr-Panzer helfen.

15.08.2026, 03:30 Uhr

Im Hürtgenwald in der Eifel gibt es im Kampf gegen den nach Einschätzung der Landesregierung wohl größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens weitere vorsichtige Entwarnung. Die Feuerwehr hatte sich bereits zuvor mit dem Verlauf des Einsatzes „sehr zufrieden“ gezeigt. Dennoch bleibt frischer, teils böiger Wind ein Unsicherheitsfaktor, der die Lage erneut verschärfen könnte.

Seit Donnerstagnachmittag kämpfen mehr als 1.400 Einsatzkräfte in dem Waldgebiet nahe der belgischen Grenze gegen die Flammen. Nach Angaben des Kreises Düren sind rund 300 Hektar Wald betroffen.

Bewohner von Gey dürfen zurückkehren

Für den Ortsteil Hürtgenwald-Gey gibt es inzwischen Entlastung: Die Bewohner dürfen nach einer Entscheidung des Dürener Landrats vom Samstag in ihre Häuser zurückkehren. Rund 1.800 Menschen hatten das Gebiet in der Nacht auf Freitag wegen des Waldbrandes verlassen müssen.

Zuvor waren die Flammen zeitweise bis auf 250 Meter an Grundstücke herangerückt. Der Landrat hatte mit der Entscheidung über die Rückkehr noch abgewartet, weil ein Gewitter und mögliche starke Winde das Feuer erneut hätten anfachen können.

Einsatzkräfte dringen weiter in das Brandgebiet vor

Feuerwehrsprecher Peter Berndgen hatte erklärt, dass sich die Kräfte Schritt für Schritt weiter in Richtung Brandzentrum vorarbeiten wollen. Das ist jedoch nur eingeschränkt möglich, weil es sich um eine Munitionsverdachtsfläche handelt. Im Hürtgenwald werden noch immer Granaten und andere Weltkriegsmunition im Boden vermutet. Das Gebiet war Ende 1944 Schauplatz schwerer Kämpfe beim Vorrücken der Alliierten.

Zusätzlich erschweren die Bedingungen im Wald den Einsatz. Nach Feuerwehrangaben wird weiter daran gearbeitet, die Wasserversorgung auszubauen und zusätzliche Zufahrten zu Talsperren anzulegen, damit Löschwasser schneller verfügbar ist.

Luftunterstützung zunächst beendet

Im Laufe des Tages war der Einsatz aus der Luft massiv ausgeweitet worden. Zeitweise unterstützten rund zehn Hubschrauber die Brandbekämpfung gleichzeitig.

Am frühen Abend wurde dieser Hubschraubereinsatz jedoch eingestellt. Nach Angaben einer Sprecherin des Kreises Düren gebe es aktuell keinen weiteren Bedarf für die Unterstützung aus der Luft.

Zuvor waren neben Hubschraubern der NRW-Polizei auch Maschinen aus Hessen und Rheinland-Pfalz sowie von Bundespolizei und Bundeswehr im Einsatz. Außerdem legten zwei Bergepanzer der Bundeswehr Schneisen an, um die Ausbreitung des Feuers zu bremsen.

Hoffnung auf baldige Kontrolle

Dürens Landrat Ralf Nolten hatte die Hoffnung geäußert, dass der Brand heute oder spätestens morgen in hohem Maße unter Kontrolle sein könnte. Vollständig gelöscht ist ein Feuer dieser Größenordnung damit aber noch nicht. Entscheidend ist, dass auch letzte Glutnester beseitigt werden. Dieses Ziel werde nach seiner Einschätzung in den nächsten zwei Tagen noch nicht erreicht, wohl aber möglicherweise eine weitgehend beherrschbare Lage.

Lage ruhiger als am Vortag

Nach Einschätzung der Einsatzleitung verlief die Nacht deutlich besser als der Vortag. Nolten sprach von sehr guten Fortschritten bei der Brandbekämpfung. Während am Freitagmorgen noch ein harter Abwehrkampf nötig gewesen sei, laufe der Einsatz inzwischen wesentlich kontrollierter. Auch die große Rauchwolke über dem Wald war zuletzt verschwunden.

In besonders kritischen Bereichen war der Personaleinsatz in der Nacht bereits nahezu verdoppelt worden. Neben den Kräften von Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Bundeswehr helfen auch zahlreiche Freiwillige.

Wüst: Eindämmung kommt voran

Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach bei einem Besuch im Einsatzgebiet davon, dass das Eindämmen des Waldbrandes vorankomme. In der Nacht zuvor sei es gelungen, die Lage zu stabilisieren, sagte der CDU-Politiker.

Reul weist Kritik zurück

Bei einem Besuch vor Ort betonte NRW-Innenminister Herbert Reul, ein solches Szenario in dieser Form noch nicht erlebt zu haben. Er verwies auf die Sorgen der Menschen um ihre Häuser und lobte zugleich das Zusammenspiel der Einsatzkräfte und Freiwilligen.

Verärgert reagierte der Minister auf Kritik an der Organisation des Einsatzes und auf Forderungen nach Löschflugzeugen. Solche Debatten seien in der akuten Lage fehl am Platz. Wörtlich sagte Reul: „Bitte Nörgeln nachher. Ende, aus.“ Jetzt gehe es darum, Häuser zu sichern und das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Zugleich verwies er erneut darauf, dass Löschflugzeuge in Nordrhein-Westfalen nicht ohne Weiteres einsetzbar seien, weil geeignete große Flächen zum Auftanken fehlten.

Appell, Wälder zu meiden

Reul rief die Bevölkerung erneut dazu auf, Wälder derzeit konsequent zu meiden. Brände könnten sich sehr schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden. Zudem kritisierte er verantwortungsloses Verhalten scharf und äußerte die Vermutung, dass der Brand durch menschliches Fehlverhalten ausgelöst worden sein könnte.

Auch NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hält einen menschengemachten Auslöser für möglich. Im Deutschlandfunk sagte sie, dies lasse sich derzeit nicht ausschließen. Dass mehrere Brandstellen nahezu gleichzeitig oder in enger Abfolge entstanden seien, könne dafür sprechen. Belegen lasse sich das aktuell aber noch nicht.

Fünf Verletzte gemeldet

Bislang wurden fünf Verletzte registriert. Laut Landrat Nolten erlitt eine ältere Person während der Evakuierung Herzprobleme. Zudem wurden vier Einsatzkräfte leicht verletzt, darunter durch eine Schnittverletzung und Kreislaufbeschwerden.

Weitere Brände in Rheinland-Pfalz und Belgien

Während im Hürtgenwald weiter gelöscht wird, war auch im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz ein größerer Wald- und Wiesenbrand ausgebrochen. Der Brandort liegt nur rund 60 Kilometer Luftlinie entfernt. Dort standen nach Behördenangaben etwa 50 Hektar in Flammen.

Mehrere Häuser eines Ortsteils wurden vorsorglich geräumt. Die Evakuierung von zwei weiteren Orten konnte jedoch verhindert werden. Rund 300 Einsatzkräfte waren dort über Stunden im Einsatz. Sieben Feuerwehrleute wurden nach offiziellen Angaben leicht verletzt.

Nahe der deutschen Grenze brennt es zudem in der belgischen Gemeinde Baelen. Dort wurden seit Freitag nach Behördenangaben rund 850 Hektar Fläche zerstört. Belgien hat über den EU-Zivilschutzmechanismus Unterstützung aus anderen Mitgliedstaaten angefordert. Nach örtlichen Angaben sind bereits auch deutsche Einsatzkräfte vor Ort.

Experte sieht Defizite bei Vorbereitung auf große Waldbrände

Der Waldbrandexperte Ulrich Cimolino hält Deutschland nur eingeschränkt für größere Vegetationsbrände vorbereitet. Positiv sei zwar das dichte Feuerwehrnetz, das viele Feuer früh eindämmen könne. Schwieriger werde es jedoch bei dynamischen Lagen, wenn Wind und Gelände zusammenkämen und Brände schnell eskalierten.

Nach seiner Einschätzung fehlen vor allem spezialisierte Ausbildungsmöglichkeiten für solche Einsätze. Es gebe keine nennenswerten zentralen Aus- und Fortbildungsstätten, die Taktik und Technik für Vegetationsbrände systematisch weiterentwickelten. Mit Blick auf den Hürtgenwald verwies Cimolino zudem auf die besondere Gefahr durch alte Munition im Boden. Für Einsätze auf solchen Flächen brauche es mehr geschützte oder gepanzerte Fahrzeuge.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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