Wirtschaft

Niedrigwasser: Grimm warnt vor neuen Preisschocks

Drohen jetzt teurere Grundstoffe? Eine Wirtschaftsweise warnt vor Preisaufschlägen – und wirft der Politik gefährliche Kurzsicht vor.

15.08.2026, 01:00 Uhr

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnt vor möglichen Preissteigerungen infolge des anhaltenden Niedrigwassers auf deutschen Flüssen. Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte sie, die eingeschränkten Transportmöglichkeiten könnten die Kosten deutlich erhöhen. Bei einer ineffizienten Rationierung könne Niedrigwasser Preise sogar unnötig stark nach oben treiben.

Betroffen seien unter anderem die Chemieindustrie und der Energiemarkt. So leide auch der Transport von Öl zu Raffinerien unter den niedrigen Pegelständen. Wie stark sich das bei einzelnen Grundstoffen bemerkbar mache, hänge laut Grimm davon ab, welche Lagerkapazitäten die Unternehmen aufgebaut haben.

Mit Blick auf die Anpassung an den Klimawandel kritisierte Grimm fehlende politische Weitsicht. Die Lockerung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen sei zwar sinnvoll, komme aber als akute Notmaßnahme zu kurzfristig. Solche Folgen des Klimawandels seien absehbar gewesen. Statt sich von Krise zu Krise zu hangeln, müsse die Politik aus ihrer Sicht systematisch Strategien zur Klimaanpassung entwickeln.

Eine einfache Lösung durch das Vertiefen von Flüssen sieht Grimm nicht. Solche Eingriffe müssten sorgfältig geprüft werden, auch mit Blick auf ökologische Folgen. Vertiefungen an einzelnen Stellen der Fahrrinnen könnten zwar sinnvoll sein, zusätzliches Wasser entstehe dadurch jedoch nicht. Deshalb sollte die Politik ihrer Ansicht nach auch Konzepte ausarbeiten, welche Transporte in Ausnahmesituationen Vorrang haben.

DB Cargo will alte Güterwaggons reaktivieren

Nach Informationen der „Rheinischen Post“ will die Bahn-Tochter DB Cargo ältere Güterwaggons wieder in Betrieb nehmen, um ausfallende Schiffstransporte zu kompensieren. Laut einem internen Papier werde zusätzlich auch die Reaktivierung dauerhaft abgestellter Güterwagen geprüft und vorbereitet. Demnach kann DB Cargo unmittelbar 900 Güterwagen mobilisieren, davon 300 sofort. Nach Angaben von DB-Cargo-Chef Bernhard Osburg könnten diese 900 Wagen die Ladung von rund 200 Binnenschiffen ersetzen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn bewertet den Schritt grundsätzlich positiv, warnt aber vor möglichen Nachteilen für Reisende. „Mehr Güter auf die Schiene: ja. Weniger Züge für Fahrgäste: nein“, erklärte Bundesvorsitzender Lukas Iffländer. Regional- und Fernverkehr dürften weder ausgedünnt noch unzuverlässiger werden. Wenn Güter- und Personenverkehr um dieselben knappen Trassen kämpfen müssten, sei der Infrastrukturausbau zu lange verschleppt worden.

Zugleich sieht Pro Bahn auch die Unternehmen in der Pflicht. Niedrigwasser am Rhein sei kein überraschendes Ereignis. Wer Lieferketten dennoch so organisiere, dass im Krisenfall hektisch zusätzliche Transportkapazitäten gesucht werden müssten, habe nicht ausreichend vorgesorgt, so Iffländer. Kurzfristige Betriebsamkeit ersetze keine langfristige Logistikstrategie.

Auch aus den Ländern kommt Kritik an den politischen Prioritäten. Noah Wand, Landesvorsitzender von Pro Bahn für Rheinland-Pfalz/Saarland, bemängelte, dass bei Problemen wirtschaftlicher Lieferketten kurzfristig Ministerrunden einberufen würden, während Fahrgäste oft vergeblich auf Gehör warteten. Was im Güterverkehr kurzfristig möglich gemacht werde, dürfe im Personenverkehr nicht an fehlender Infrastruktur oder starren Rahmenbedingungen scheitern.

Auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) setzt sich wegen des Niedrigwassers dafür ein, mehr Gütertransporte von den Flüssen auf Schiene und Straße zu verlagern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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