Wirtschaft

Weinlese startet – Wird das ein Ausnahme-Jahrgang?

Jetzt startet die Weinlese – doch was hat der Hitzesommer mit den Trauben gemacht? Winzer blicken gespannt auf den Jahrgang.

03.09.2026, 16:06 Uhr

Fränkische Winzer hoffen dank kühler Nächte auf einen guten Jahrgang

Trotz eines heißen und trockenen Sommers blicken die fränkischen Winzer zuversichtlich auf die diesjährige Weinlese. Kurz vor dem Start der Ernte hätten kühlere Nächte und etwas mehr Regen die Entwicklung der Aromen begünstigt, sagte Michael Zehnder vom Fränkischen Weinbauverband bei der offiziellen Eröffnung in Iphofen. Weinfreunde dürften sich deshalb auf einen guten Jahrgang freuen.

Die Trauben seien infolge der Hitze zwar etwas kleiner ausgefallen, aber gesund. Für eine belastbare Einschätzung der Erntemenge sei es jedoch noch zu früh. Der Verband will seine Bilanz wie angekündigt erst Ende September vorlegen.

In Franken beginnt nun die Hauptweinlese – in diesem Jahr außergewöhnlich früh. Zur Eröffnung in Iphofen ernteten Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (beide CSU) symbolisch die ersten Trauben.

Kaniber bezeichnete Wein als Genussmittel und zugleich als Kulturgut. Die fränkischen Winzer trügen mit viel Einsatz dazu bei, dieses zu bewahren. Zugleich verwies sie auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Betriebe. Sollten Politik und Verbraucher nicht gegensteuern, könne sich das Landschaftsbild im Weinland Franken deutlich verändern. Rainer mahnte, wer diese Kulturlandschaft erhalten wolle, müsse auch deutschen Wein kaufen.

Markenzeichen ist der Bocksbeutel

Mit gut 6.200 Hektar Rebfläche ist Franken nach Verbandsangaben das größte Weinanbaugebiet Bayerns. Die Weinberge erstrecken sich ungefähr von Bamberg bis Aschaffenburg. Besonders bekannt ist die Region für den Silvaner und den Bocksbeutel, in dem viele Frankenweine abgefüllt werden.

Im Durchschnitt werden in Franken jedes Jahr rund 400.000 Hektoliter Wein erzeugt. Rund 650 Weingüter vermarkten ihre Weine direkt ab Hof. Außerdem sind etwa 2.800 Winzerfamilien in den drei fränkischen Winzergenossenschaften organisiert.

Die Branche kämpft derzeit mit sinkenden Absätzen. Nach Angaben aus dem Weinbau wird insgesamt weniger Wein konsumiert, und wenn doch, dann oft Importware. Gleichzeitig steigen für die Betriebe die Kosten, etwa für Mindestlohn und Treibstoff. Immer mehr Winzer geben daher Flächen auf, die wirtschaftlich kaum noch zu bewirtschaften sind.

Ab dem kommenden Jahr soll es für die Bewirtschaftung von Steillagen eine höhere Förderung geben, weil dort häufig nicht mit Maschinen gearbeitet werden kann, sondern vieles in Handarbeit erledigt werden muss. Zudem kündigte Kaniber einen Innovationsfonds für Winzerfamilien in Höhe von 300.000 Euro an. Weitere 200.000 Euro sollen in ein Forschungsprojekt fließen, das mit Blick auf die Klimakrise neue Rebsorten und Kulturen voranbringen soll.

Alkoholfreier Wein als zusätzliche Chance

Als eine Möglichkeit, auf die Absatzschwäche zu reagieren, sieht Kaniber auch alkoholfreien Wein. Die Ministerin besuchte dazu in Kitzingen die erste fränkische Entalkoholisierungsanlage, die die GWF, Frankens größte Winzergemeinschaft, seit April betreibt.

Kaniber betonte, alkoholfreier Wein solle den klassischen Wein nicht ersetzen, sondern das Angebot sinnvoll ergänzen. Nach Einschätzung von Fachleuten ist dieses Segment zwar bislang noch eine Nische, die Nachfrage nimmt aber zu.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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