Öl, Sprit, Heizöl und Gas werden wieder teurer
Für Autofahrer, Heizölkunden und wohl auch viele weitere Verbraucher wird Energie erneut kostspieliger. Auf dem Weltmarkt hat Rohöl zuletzt deutlich angezogen: Die Sorte Brent aus der Nordsee stieg zeitweise auf fast 100 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig verteuerte sich Erdgas im Großhandel spürbar. Hintergrund ist vor allem die verschärfte Lage im Konflikt mit Iran. Für Verbraucher bedeutet das mit Blick auf die bevorstehende Heizsaison voraussichtlich höhere Ausgaben.
Warum ziehen die Ölpreise so stark an?
Die Rohstoffmärkte reagieren auf die jüngste Eskalation im Krieg mit Iran. Nach wechselseitigen Angriffen der USA und Irans ist eine rasche Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus nicht absehbar. Die Meerenge ist zentral für den Transport von Öl und Flüssigerdgas.
An den Märkten wächst daher die Sorge vor weiteren Attacken auf Tanker sowie auf Förder- und Verarbeitungsanlagen am Persischen Golf. Händler kalkulieren mit einem knapperen Angebot, was die Preise für Rohöl nach oben treibt.
Im Juni waren die Ölpreise noch deutlich gefallen, nachdem Washington und Teheran einen Waffenstillstand ausgehandelt hatten. Mit der neuen Zuspitzung hat sich die Lage an den Märkten jedoch schnell wieder gedreht.
Höhere Ölpreise kommen an den Tankstellen an
Die Entwicklung zeigt sich inzwischen deutlich beim Tanken. Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 am Mittwoch im bundesweiten Tagesmittel bis zu 2,215 Euro. Damit wurde der bisherige Höchststand aus dem März 2022 übertroffen. Inflationsbereinigt gab es in der Vergangenheit allerdings schon Phasen mit noch höheren Benzinpreisen.

Zusätzlich zum Iran-Konflikt wirkten sich auch niedrige Wasserstände auf deutschen Flüssen auf die Kraftstoffpreise aus. Vor allem am Rhein wurde der Transport von Treibstoffen zeitweise erschwert. Nach Einschätzung des ADAC könnte 2026 zum bislang teuersten Tankjahr werden.
Auch der Krieg in der Ukraine belastet den Markt wieder stärker. Nach zahlreichen ukrainischen Drohnenangriffen muss Russland Ausfälle in Raffinerien verkraften, was unter anderem den Dieselhandel beeinflusst. Zugleich ist die weltweite Nachfrage nach Diesel hoch, während die Lagerbestände in den USA sinken. Die Vereinigten Staaten zählen zu den wichtigsten Diesel-Exporteuren. Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank sagte: „Ein Ende der Knappheit ist nicht in Sicht.“
Heizöl vor der Heizperiode deutlich teurer
Beim Heizöl zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei Kraftstoffen. Der Preisanstieg hat sich in den vergangenen Tagen klar beschleunigt. Nach Angaben des Portals Heizoel24 lag der Preis am Donnerstag bei knapp 150 Euro pro 100 Liter.
Noch im Juni war Heizöl in der Hoffnung auf ein Ende des Iran-Kriegs zeitweise auf rund 108 Euro gefallen. Inzwischen kostet es wieder etwa so viel wie im April, als die Blockade der Straße von Hormus die Angst vor Engpässen am Weltmarkt geschürt hatte.
Auch Erdgas im Großhandel stark verteuert
Nicht nur Öl, auch Gas ist deutlich teurer geworden. Der für Europa wichtige Erdgas-Terminkontrakt TTF mit Lieferung in einem Monat stieg in dieser Woche zeitweise auf mehr als 75 Euro je Megawattstunde. Damit liegt der Preis sogar über dem Niveau zu Beginn des Iran-Kriegs. Im Vergleich zur Zeit vor Ausbruch des Nahostkonflikts hat sich das Preisniveau ungefähr verdoppelt.
Hinzu kommt, dass die deutschen Gasspeicher vor Beginn der Heizsaison vergleichsweise schwach gefüllt sind. Deshalb mehren sich Forderungen, die Reserven rasch aufzufüllen, um Versorgungsprobleme im Winter zu vermeiden. Das würde die Nachfrage zusätzlich anheizen.
Jannik Schall, Mitgründer des auf erneuerbare Energien spezialisierten Versorgers 1Komma5°, rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung: „Derzeit rechnen wir nicht mit einem schnellen Preisverfall. Durch die höhere Gasnachfrage mit Ende des Sommers und Beginn der Heizsaison erhöht sich der Druck auf die Märkte jetzt zusätzlich.“
Nach Daten des Vergleichsportals Verivox sind inzwischen auch die Endkundenpreise merklich gestiegen. Neukunden zahlen demnach aktuell rund 11 Cent je Kilowattstunde. Verivox erwartet in den kommenden Tagen und Wochen weitere Preisaufschläge, da höhere Großhandelspreise meist zeitverzögert bei Verbrauchern ankommen.
Höhere Energiekosten treiben die Inflation
Für die Inflation sind diese Entwicklungen schlechte Nachrichten. In den jüngsten Teuerungsdaten für August war Energie der mit Abstand größte Preistreiber. Tanken und Heizen kosteten Verbraucher 10,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Zwar hatte die Bundesregierung im Mai und Juni mit einer vorübergehenden Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um knapp 17 Cent je Liter für Entlastung gesorgt. Doch kaum lief der Tankrabatt aus, zog auch die Inflationsrate wieder an. Im August lag sie bei 2,9 Prozent.
Damit liegt die Teuerung über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank, die mittelfristig 2,0 Prozent anstrebt. Steigende Preise erhöhen den Druck auf die EZB. Experten rechnen deshalb bei der nächsten Zinsentscheidung in der kommenden Woche mit einer Anhebung der Leitzinsen. Das würde Kredite verteuern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber