Wirtschaft

VW-Gewinn bricht im zweiten Quartal dramatisch ein

VW erlebt den nächsten Gewinn-Schock: Der Quartalsgewinn stürzt um fast ein Drittel ab – was steckt dahinter?

24.07.2026, 07:37 Uhr

Der Volkswagen-Konzern hat im zweiten Quartal erneut einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnet. Wie Europas größter Autobauer mitteilte, sank das Konzernergebnis nach Steuern zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32,9 Prozent.

Der Gewinn fiel damit von 2,29 Milliarden Euro auf 1,54 Milliarden Euro.

Parallel dazu treibt Konzernchef Oliver Blume sein neues Spar- und Umbauprogramm voran. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er, sein Ziel sei es, bis zum Jahresende die nötigen Beschlüsse im Aufsichtsrat zu erreichen. Volkswagen gehe davon aus, dabei bis Ende des Jahres ein großes Stück voranzukommen.

Widerstand im Aufsichtsrat

Die Pläne waren vor zwei Wochen erstmals umfassend im VW-Aufsichtsrat beraten worden. Dabei stießen sie bei Arbeitnehmervertretern und auch beim an Volkswagen beteiligten Land Niedersachsen auf Widerstand. Blume sprach von konstruktiven, zugleich aber auch kontroversen Diskussionen. Einen umfassenden Beschluss habe das Kontrollgremium bislang nicht gefasst.

Berichten zufolge fiel die erste Abstimmung über das Paket im Gremium sogar negativ aus. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, Niedersachsen und Arbeitnehmerseite hätten die Vorschläge mit ihrer Mehrheit abgelehnt. Beide Lager stellen derzeit 12 der 19 Mitglieder des Aufsichtsrats.

Für September ist nun eine weitere Sitzung geplant. Blume rechnet wegen der Größe des Vorhabens zudem mit weiteren Beratungen noch in diesem Jahr. Zunächst gehe es darum, den grundsätzlichen Rahmen für den Umbau festzuzurren. Zugleich machte der VW-Chef deutlich, dass der Konzern die Weichen noch 2024 stellen müsse.

Blume spricht von größter Transformation der Konzerngeschichte

Nach Darstellung des VW-Chefs handelt es sich nicht nur um ein Sparprogramm, sondern um das tiefgreifendste Transformationspaket in der Geschichte des Konzerns. Es gehe dabei um Produkte, Technologien, Wettbewerbsfähigkeit und Strukturen.

Nur rund ein Fünftel der Maßnahmen müsse überhaupt vom Aufsichtsrat genehmigt werden, etwa bei Werken, Personalanpassungen oder Konzernstrukturen. Den Großteil könne der Vorstand eigenständig umsetzen. Mit ersten Schritten habe Volkswagen bereits begonnen. Blume verwies darauf, dass der Konzern in der aktuellen Risikolage keine Zeit verlieren dürfe. So soll unter anderem die Zahl der Modellvarianten deutlich sinken.

Der Umbau soll nach Blumes Worten Schritt für Schritt erfolgen. Ein festes Enddatum nannte er jedoch nicht. Volkswagen stelle sich auf eine dauerhafte Transformation ein, nicht auf ein Projekt mit klarem Anfang und Ende.

Vier Werke und zusätzliche Stellen auf dem Prüfstand

Im Raum stehen weiterhin vier Werke sowie bis zu 50.000 zusätzliche Stellen. Bei der Zahl der Jobs relativierte Blume jedoch: Diese Größenordnung sei zunächst rechnerisch und theoretisch und leite sich aus den geplanten Kostensenkungen ab.

Der Konzern prüfe derzeit im Detail nach Marken, Gesellschaften und Regionen, wo Anpassungen nötig und möglich seien. Konkrete Angaben dazu gebe es noch nicht. Die zusätzlich diskutierten Einschnitte betreffen dabei Stellen weltweit.

Der weitere Stellenabbau käme zu bereits vereinbarten Einsparungen hinzu. Bis 2030 hat Volkswagen schon den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 davon entfallen auf die Kernmarke, weitere auf Töchter wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben dazu bereits Vereinbarungen unterschrieben. VW betont, dass der Abbau sozialverträglich über Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen soll; betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2030 ausgeschlossen.

Werksschließungen nur als letzte Möglichkeit

Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sprach Blume von einer letzten Option, die er möglichst vermeiden wolle. Für diese Standorte gebe es derzeit noch keine wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre.

Vorrang habe deshalb, die Wettbewerbsfähigkeit der Werke im europäischen Vergleich zu verbessern. Blume betonte, es gebe intelligentere Lösungen als Schließungen. Als mögliche Alternativen nannte er neue Nutzungen. Dazu zählt auch eine Rüstungsproduktion, über die Volkswagen vor allem für Osnabrück nachdenkt. Außerdem prüft der Konzern, ob bestimmte bislang nur in China angebotene eigene VW-Modelle künftig auch in Europa gebaut werden könnten.

Eine Öffnung der Werke für chinesische Konkurrenten wie BYD oder Geely schloss Blume dagegen aus. Wenn überhaupt, gehe es um eigene Produkte aus dem China-Portfolio von Volkswagen und um Segmente, in denen der Konzern in Europa bislang kein entsprechendes Angebot habe.

Blume sieht Krise der gesamten Branche

Blume wies zudem die Darstellung zurück, es handle sich allein um eine VW-Krise. Tatsächlich stecke die gesamte Automobilindustrie in einer schwierigen Lage. Volkswagen habe darauf bereits mit einer grundlegenden Neuausrichtung reagiert und sehe sich im Wettbewerb robust aufgestellt.

Zugleich warnte der Konzernchef vor weiter steigenden Risiken. Deshalb müsse Volkswagen die Kosten weiter senken und die Erträge pro Fahrzeug verbessern, um die nötigen Investitionen in die Zukunft finanzieren zu können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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