Wirtschaft

Nach Aufsichtsrat: VW zeigt jetzt die ganze Bilanz

VW im Sparmodus: Blume und Antlitz ziehen Halbjahresbilanz – drohen jetzt Jobs wegzufallen und Werke zu kippen?

24.07.2026, 04:00 Uhr

Erster Auftritt nach Streit um Sparkurs bei VW

Für Volkswagen-Chef Oliver Blume ist es der erste öffentliche Termin seit der Aufsichtsratssitzung vor zwei Wochen, in der seine neuen Sparvorschläge auf erheblichen Widerstand stießen. Gemeinsam mit Finanzvorstand Arno Antlitz stellt er nun die Halbjahreszahlen des Konzerns vor. Anschließend wollen sich beide Manager in einer digitalen Runde den Fragen von Analysten und Medien stellen.

Widerstand gegen neue Einschnitte

Blumes und Antlitz‘ Pläne waren im Aufsichtsrat vor allem auf Ablehnung bei der Arbeitnehmerseite und beim Land Niedersachsen gestoßen. Das Bundesland hält rund 20 Prozent an Volkswagen und verfügt über zwei Sitze im Kontrollgremium. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern haben sie dort die Mehrheit.

Zuletzt hatte Blume erklärt, rechnerisch könnten weltweit etwa 50.000 Stellen betroffen sein. Außerdem stehen vier Standorte besonders im Fokus: Emden, Hannover, Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Eine Schließung sei jedoch nicht die bevorzugte Lösung, betonte Blume intern. Stattdessen wolle man zunächst nach "intelligenten Lösungen" suchen.

Sparvorschläge zunächst abgelehnt

Auch von Gewerkschaft und Betriebsrat kommt deutlicher Gegenwind. Medienberichten zufolge fanden die Sparpläne im Aufsichtsrat daher zunächst keine Zustimmung. Nach Informationen des Manager Magazins könnten sie jedoch im September erneut vorgelegt werden. Bereits Ende August wollen die Konzernspitzen bei mehreren Betriebsversammlungen direkt mit der Belegschaft sprechen.

Absatz schwächelt, vor allem in China

Zusätzlichen Rückenwind aus dem operativen Geschäft gibt es für Blume derzeit kaum. Im zweiten Quartal sanken die Auslieferungen im Konzern um knapp 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Besonders problematisch bleibt der chinesische Markt: Dort brachen die Verkäufe um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ein.

Außerhalb Chinas zeigte sich das Bild etwas stabiler. Vor allem in Europa entwickelten sich die Verkäufe besser, und auch in Nordamerika legte Volkswagen im Vergleich zum schwachen Vorjahresquartal zu. Bei Elektroautos läuft es in Europa sowohl bei den Verkäufen als auch bei den Bestellungen wieder günstiger.

Blume sieht Ertragsproblem

Blume hatte zuletzt mehrfach betont, dass Volkswagen mit seinen Fahrzeugen zu wenig verdiene. Der Gewinn des Konzerns steht schon länger unter Druck. Im ersten Quartal war das Ergebnis nach Steuern bereits um fast ein Drittel gesunken, im Gesamtjahr 2025 sogar um beinahe die Hälfte.

Der Umsatz ging in den ersten drei Monaten des Jahres zwar ebenfalls zurück, allerdings nur leicht um 2,5 Prozent. Die operative Umsatzrendite lag bei 3,3 Prozent. Bis zum Jahresende peilt der Konzern eigentlich mindestens 4 Prozent an, bis 2030 sollen es wenigstens 8 Prozent sein. Erst zu Jahresbeginn hatte VW dieses Ziel nach unten korrigiert; zuvor waren mindestens 9 Prozent vorgesehen.

Stellenabbau bereits angelaufen

Volkswagen hatte bereits angekündigt, bis 2030 in Deutschland konzernweit 50.000 Stellen abzubauen. Davon sollen 35.000 Jobs bei der Kernmarke entfallen, weitere bei Tochterunternehmen wie Audi und Porsche. Nach Konzernangaben haben mehr als 37.000 Beschäftigte bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

Nach Einschätzung von Blume reichen die Ende 2024 beschlossenen Maßnahmen jedoch nicht mehr aus. Er verweist auf verschärfte Rahmenbedingungen wie Zölle, Kriege, geopolitische Konflikte und einen intensiveren Wettbewerb. Das bisherige Modell, in Europa zu entwickeln und zu produzieren und die Fahrzeuge weltweit zu verkaufen, funktioniere in dieser Form nicht mehr. Volkswagen müsse sich deshalb neu ausrichten und die Kosten weiter senken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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