Politik

Kabinett: Wer jetzt kommt

Spahns Rücktritt entfacht Merz’ Machtpoker: Das Kabinett wird neu gemischt – und diese Personalien überraschen.

24.07.2026, 10:35 Uhr

Gut 14 Monate nach seinem Amtsantritt ordnet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sein Kabinett neu. Auslöser ist der Rückzug von Jens Spahn als Vorsitzender der Unionsfraktion. Die Umbildung betrifft mehrere CDU-geführte Ressorts und hat auch Folgen für die Parteizentrale im Konrad-Adenauer-Haus. Weitere Veränderungen schloss Merz bereits an. Ein Überblick über die bislang bekannten Personalentscheidungen:

Thorsten Frei

Thorsten Frei gibt den Posten als Kanzleramtsminister ab und übernimmt anstelle von Jens Spahn die Führung der Unionsfraktion im Bundestag. Der 52-Jährige stammt aus Bad Säckingen im Schwarzwald, ist Vater von drei Kindern und hat Jura studiert. Vor seiner Laufbahn in der Bundespolitik war er als Rechtsanwalt und Regierungsrat tätig, 2004 wurde er Oberbürgermeister von Donaueschingen. Seit 2013 sitzt er im Bundestag, 2021 wurde er Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion unter dem damaligen Fraktionschef Merz.

In seiner bisherigen Rolle im Kanzleramt stand Frei immer wieder in der Kritik, wenn es bei der Koordinierung der Regierungsarbeit hakte. Merz würdigte ihn bei der Vorstellung des neuen Personaltableaus dennoch ausdrücklich und bescheinigte ihm einen wichtigen Anteil am bisherigen Kurs der Regierung. Dass Frei in der Fraktion bestens vernetzt ist und das Umfeld genau kennt, gilt als Pluspunkt für den Wechsel.

Nina Warken

Nina Warken rückt an die Spitze des Kanzleramts und wird Ministerin für besondere Aufgaben. Die 47-jährige Juristin kam wie Frei 2013 in den Bundestag, arbeitete zuvor als Rechtsanwältin und stammt ebenfalls aus Baden-Württemberg. Die verheiratete Mutter von drei Söhnen kommt aus Tauberbischofsheim und bezeichnet sich selbst als überzeugte Katholikin.

Thorsten Frei
Thorsten Frei wechselt vom Kanzleramt an die Spitze der Unionsfraktion. (Archivbild) Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Erst seit 2025 leitete Warken das Gesundheitsministerium, wo sie zuletzt ein milliardenschweres Sparprogramm für die Krankenkassen durchgesetzt hatte. Nun folgt sie auf Frei im Kanzleramt. Merz hob hervor, dass damit erstmals eine Frau in Deutschland die Leitung des Bundeskanzleramts übernimmt. Er beschrieb Warken als durchsetzungsstarke Verhandlerin mit breiter fachlicher Kompetenz.

Innerhalb der Union hat Warken in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt. 2021 wurde sie Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion, seit 2025 steht sie außerdem an der Spitze der Frauen Union. Nach Angaben aus Parteikreisen soll sie wegen familiärer Überlegungen zunächst gezögert haben. Bei ihrer Vorstellung erklärte sie, die neue Verantwortung mit voller Kraft und zugleich mit Demut annehmen zu wollen.

Carsten Linnemann

Carsten Linnemann verlässt den Posten des CDU-Generalsekretärs und übernimmt das Gesundheitsministerium von Warken. Der 48-Jährige aus Paderborn prägte die Parteiarbeit zuletzt mit dem Slogan „Einfach mal machen“. Merz bezeichnete das Gesundheitsressort als Schlüsselbereich für die Reformpolitik der Regierung und verwies zugleich auf dessen große wirtschaftliche Bedeutung.

Linnemann hat Betriebswirtschaftslehre studiert und war zeitweise Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. Er gilt als wirtschaftsliberal und ist für klare Positionen beim Sozialstaat bekannt. Mit Blick auf die gesetzliche Krankenversicherung hatte er sich in der Vergangenheit bereits für eine deutliche Reduzierung der Zahl der Krankenkassen ausgesprochen.

Seit 17 Jahren gehört Linnemann dem Bundestag an. Über seine Heimat sagt er, dass er in Schwaney und Paderborn bis heute fest verwurzelt sei, dort Familie und Freunde habe und beim Skat oder Joggen Ausgleich finde.

Philipp Amthor

Philipp Amthor wechselt aus dem Digitalministerium ins Kanzleramt. Dort wird der 33-jährige Jurist als Staatsminister und Koordinator für die Beziehungen zwischen Bund und Ländern tätig sein. Merz lobte ihn bei der Vorstellung als hervorragend vernetzt mit den Staatskanzleien aller 16 Bundesländer und hob neben seinem politischen Talent auch seine juristische Qualifikation hervor.

Amthor stammt aus Mecklenburg-Vorpommern, wuchs in Ueckermünde bei seiner alleinerziehenden Mutter auf und studierte in Greifswald. In der CDU wird er dem konservativen Lager zugerechnet. Bekannt ist er nicht nur für sein stets korrektes Auftreten, sondern auch für seinen sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken. Bereits mit 24 Jahren zog er 2017 in den Bundestag ein.

Allerdings verlief seine Karriere nicht ohne Rückschläge. 2020 geriet er wegen einer Nebentätigkeit und Lobbykontakten für ein Start-up aus New York unter Druck und zog daraufhin seine Kandidatur für den CDU-Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Eine Prüfung des Bundestags ergab später keine Hinweise auf Rechtsverstöße. Zu seiner neuen Aufgabe sagte Amthor, sie sei wichtig für das Gelingen des Reformkurses der Regierung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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