Wirtschaft

VW-Gewinn stürzt brutal ab

China bremst VW brutal aus: Der Gewinn stürzt im zweiten Quartal erneut ab – und das könnte erst der Anfang sein.

24.07.2026, 07:46 Uhr

Volkswagen hat im zweiten Quartal erneut einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnet und erhöht zugleich den Druck beim geplanten Umbau. Das Ergebnis nach Steuern sank von April bis Juni um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro, nach 2,29 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Es war bereits der zehnte Rückgang des Quartalsgewinns in Folge.

Konzernchef Oliver Blume dringt nun auf schnelle Entscheidungen zum neuen Spar- und Transformationspaket. Sein Ziel sei es, bis Ende des Jahres Beschlüsse im Aufsichtsrat zu erreichen. Blume zeigte sich zuversichtlich, dass der Konzern bis dahin bei dem Vorhaben „ein großes Stück weiter“ sein werde. Nach der ersten Behandlung der Pläne im Kontrollgremium vor rund zwei Wochen ist für September eine weitere Sitzung vorgesehen, weitere könnten folgen.

Umsatzprognose gesenkt

Volkswagen hat seinen Ausblick für das Gesamtjahr weiter eingetrübt. Statt eines möglichen Umsatzanstiegs von bis zu 3 Prozent rechnet der Konzern nun im besten Fall nur noch mit einem stabilen Umsatz. Im ungünstigeren Szenario könnten die Erlöse im Jahresvergleich sogar um bis zu 3 Prozent sinken.

Im zweiten Quartal legte der Umsatz zwar um 2 Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu. Nach den ersten sechs Monaten fällt die Bilanz bislang jedoch nur nahezu ausgeglichen aus. Das operative Ergebnis sank im Quartal um rund 10 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro.

Schwache Nachfrage in China belastet

Auch bei den Auslieferungen musste der Konzern Rückgänge hinnehmen. Weltweit sanken sie um knapp 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Besonders heftig fiel das Minus in China aus: Auf dem wichtigen Markt brachen die Verkäufe um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ein. In anderen Regionen entwickelte sich das Geschäft robuster.

Blume verweist auf mehrere Belastungsfaktoren: Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und einen zunehmend harten Wettbewerb. Vor diesem Hintergrund spricht er von der größten Transformation der Konzerngeschichte. Es gehe nicht um ein reines Sparprogramm, sondern um das bislang umfassendste Transformationspaket des Konzerns.

Bis zu 50.000 weitere Stellen und vier Werke auf dem Prüfstand

Als Reaktion prüft Volkswagen zusätzliche Sparmaßnahmen mit weitreichenden Folgen. Im Gespräch sind bis zu 50.000 weitere Stellen weltweit sowie eine Überprüfung von vier deutschen Werken. Diese möglichen Einschnitte kämen zusätzlich zu dem bereits bis 2030 angekündigten Stellenabbau von 50.000 Jobs hinzu.

Nach Angaben des Konzerns sollen davon 35.000 Stellen bei der Kernmarke Volkswagen entfallen, weitere bei Tochterunternehmen wie Audi und Porsche. Bereits mehr als 37.000 Beschäftigte haben entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. VW betont, den Abbau sozialverträglich gestalten zu wollen, vor allem über Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2030 ausgeschlossen.

Blume bezeichnet die zusätzlich genannten 50.000 Stellen zunächst als theoretische Rechengröße, die sich aus den angepeilten Kostensenkungen ableite. Nun werde im Detail geprüft, in welchen Marken, Gesellschaften und Regionen tatsächlich Anpassungen nötig und möglich seien.

Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm unter Beobachtung

Bei möglichen Werksschließungen nennt der Konzernchef Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk in Neckarsulm als Standorte ohne bislang ausreichende „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er-Jahre. Zugleich betont Blume, eine Schließung sei nur die letzte Option. Es gebe aus seiner Sicht intelligentere Lösungen, als Standorte dichtzumachen.

Bis 2030 sei nach seiner Einschätzung ohnehin nicht mit Werksschließungen zu rechnen. Die dort gebauten Modelle würden derzeit weiterhin benötigt. Blume hält es deshalb für nicht realistisch, bis 2030 über tatsächliche Schließungen zu sprechen.

Als Alternativen bringt er unter anderem Rüstungsproduktion sowie den Bau chinesischer VW-Modelle für den europäischen Markt ins Spiel. Dabei gehe es ausschließlich um eigene Modelle des Konzerns, die bislang nur in China angeboten werden. Eine Öffnung der Werke für Wettbewerber wie BYD oder Geely schließt Blume aus.

Milliardensparen bei Verwaltung, Modellen und Kapazitäten

Unter anderem will das Management jährlich rund 11 Milliarden Euro Verwaltungskosten einsparen. Das entspräche etwa einem Viertel der bisher veranschlagten Kosten im indirekten Bereich, also außerhalb der Produktion.

Zugleich soll Volkswagen seine Produktion auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr ausrichten – etwa eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als vor der Corona-Pandemie. Allein in Europa sollen dabei noch einmal 500.000 Fahrzeuge an Kapazität wegfallen. Zudem soll die Zahl der Modelle halbiert und die Zahl der verwendeten Komponenten sogar um drei Viertel reduziert werden.

Widerstand von Betriebsrat und Land Niedersachsen

Die Sparpläne stoßen auf erheblichen Widerstand. Gewerkschaft und Betriebsrat lehnen die Vorhaben ab. Ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung kritisierte eine Debatte über Standortschließungen und Personalabbau in historischer Größenordnung scharf.

Auch das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an Volkswagen hält und zwei Sitze im Aufsichtsrat besetzt, zeigt sich kritisch. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern verfügt das Land dort über eine Mehrheit. Bei der ersten Behandlung im Aufsichtsrat fielen die Pläne deshalb zunächst durch.

Für Gespräche über eine mögliche Verlängerung der Jobgarantie bei der Kernmarke VW sei es nach Blumes Worten noch zu früh. Zunächst müsse geklärt werden, wie Verwaltungs- und Arbeitskosten in Marken, Tochtergesellschaften und Regionen gesenkt werden könnten.

Audi und Porsche bleiben unter Druck

Auch bei den früheren Renditestützen Audi und Porsche bleibt die Lage angespannt. Bei Audi sank der Umsatz im zweiten Quartal von 17,1 auf 15 Milliarden Euro, das operative Ergebnis fiel erneut schwächer aus als im Vorjahr. Beim Sportwagenbauer Porsche AG ging der Umsatz im Autogeschäft ohne Finanzdienstleistungen von 8,3 auf 7,8 Milliarden Euro zurück. Porsche steckt ebenfalls in einem größeren Umbau und will weitere Stellen abbauen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen