Wegen des außergewöhnlich niedrigen Pegels der Donau fährt Ungarn sein Kernkraftwerk Paks komplett herunter. Ministerpräsident Peter Magyar erklärte auf Facebook, dass in der Nacht auf Sonntag auch der letzte Reaktorblock vom Netz gehen soll. Damit wäre die Anlage nach 44 Jahren erstmals vollständig abgeschaltet.
Donau liefert nicht mehr genug Kühlwasser
Das Atomkraftwerk Paks liegt rund 100 Kilometer südlich von Budapest und nutzt Wasser aus der Donau zur Kühlung. Am Unterlauf des Flusses wurden zuletzt stellenweise nur noch etwa ein Drittel der für Juli üblichen Wasserstände gemessen.
Industrie muss mit Einschränkungen rechnen
Per Verordnung kündigte Magyar außerdem an, großen Industriebetrieben notfalls den Strom abstellen zu lassen, falls sie ihren Verbrauch nicht wie gefordert senken. Bereits am Donnerstag hatte er vor möglichen Versorgungsproblemen ab Montag gewarnt.
Mit dem Stopp des Kraftwerks fehlen nach seinen Angaben rund 2.000 Megawatt heimischer Stromproduktion. Gleichzeitig steigt der Bedarf durch die anhaltende Hitze, vor allem in Haushalten und bei öffentlichen Einrichtungen. Die angespannte Lage könnte sich nach Einschätzung der Regierung noch über mehrere Wochen hinziehen.
Unternehmen reagieren mit Sparmaßnahmen
Mehrere Industriefirmen, darunter auch Mercedes und Suzuki, kündigten an, in ihren ungarischen Werken Strom einzusparen. Mercedes plant im Werk Kecskemét ab kommender Woche ohnehin eine dreiwöchige Produktionsunterbrechung. Erst vor Kurzem hatte der Konzern dort seine Kapazitäten deutlich erweitert.

Auch die Bevölkerung wird weiter zum Stromsparen aufgerufen. Besonders zwischen 17 und 22 Uhr sollen zusätzliche Belastungen des Netzes vermieden werden, etwa durch das Laden von Elektroautos oder den verstärkten Einsatz von Klimaanlagen. Laut Magyar liegt der Verbrauch an einem typischen Sommerabend bei etwa 6.000 Megawatt, durch die hohe Temperatur steige dieser Wert jedoch um rund 20 Prozent. Ungarn greift nun auf Stromreserven zurück und bemüht sich zugleich um zusätzliche Importe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber