Bayern

Nach Wiesn-Klage: Gastronom erhält heftige Drohungen

Nach der Wiesn-Zelt-Klage spricht ein Wirt jetzt über drastische Folgen – und warum sogar seine Familie leiden muss.

02.08.2026, 09:46 Uhr

Nach Wiesn-Klage: Gastronom Egger berichtet von Anfeindungen

Der Münchner Gastronom Alexander Egger sieht sich nach seiner Klage gegen die Vergabe von Festzelten auf dem Oktoberfest nach eigenen Worten massiven Anfeindungen ausgesetzt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte er, die Reaktionen hätten ein Ausmaß erreicht, das er sich nie habe vorstellen können. Dabei gehe es inzwischen auch um die Sicherheit von Menschen.

Betroffen seien nicht nur er selbst, sondern auch seine Familie, seine Beschäftigten und Lieferanten. Aus diesem Grund werde er in diesem Jahr die „Münchner Stubn“ nicht auf der Wiesn betreiben. Die Entscheidung falle schwer, erklärte Egger mit Blick auf sein Team und die Gäste. Dennoch habe die Sicherheit Vorrang.

Streit um Zeltvergabe sorgte wochenlang für Unruhe

Die Auseinandersetzung um die Zulassung zur Wiesn hatte in den vergangenen Wochen für erhebliche Diskussionen gesorgt. Zeitweise stand sogar im Raum, dass sich der Aufbau der Festzelte verzögern könnte.

Egger will juristisch durchsetzen, dass die Vergabe von zwei großen Oktoberfest-Zelten nach europäischem Vergaberecht erfolgt. Konkret geht es um das traditionsreiche Schottenhamel-Zelt, in dem das Oktoberfest angezapft wird, sowie um das Paulaner-Festzelt. Ein Eilantrag blieb zwar ohne Erfolg, im September soll jedoch das Hauptverfahren folgen. Auswirkungen auf die diesjährige Wiesn hat das Verfahren nicht mehr.

Kritik an Bewertungskriterien

Der Wirt, der sich bereits mehrfach um Wiesn-Zelte beworben hatte, erläuterte auch seine Beweggründe für den Rechtsweg. Besonders kritisch sieht er die Punktevergabe im Auswahlverfahren. Aus seiner Sicht gebe es dabei einen großen Spielraum bei der Auslegung der Bewertungskriterien.

Im Bierzelt
Ein Prosit: Um die Vergabe von Festzelten auf dem Oktoberfest hatte es zuletzt großen Wirbel gegeben. (Archivbild) Quelle: Matthias Balk/dpa

Bei den zahlreichen Bewerbungen seines Betriebs über die Jahre hinweg habe man immer wieder Widersprüche festgestellt, die aus seiner Sicht weder erklärt noch aufgeklärt worden seien.

Egger weist Sorgen über Veränderungen auf der Wiesn zurück

Befürchtungen, eine europaweite Ausschreibung könnte das Gesicht des Oktoberfests grundlegend verändern, hält Egger für unbegründet. Die Internationalität sei ohnehin längst Realität, sagte er mit Verweis auf die Eigentümerstrukturen vieler Brauereien. Die geschürte Angst vor Kölsch oder Guinness auf der Wiesn bezeichnete er als „völligen Humbug“.

Nach seiner Auffassung könnte die Stadt auch bei einer öffentlichen Ausschreibung weiterhin festlegen, welches Bier ausgeschenkt werden darf. Zudem gebe es zahlreiche Möglichkeiten, Einfluss auf das gastronomische Angebot zu nehmen, damit traditionelle Speisen wie Hendl und Haxn nicht verdrängt würden.

Den Vorwurf, er gefährde mit seinem Vorgehen die Wiesn, weist Egger entschieden zurück. Das sei Propaganda, sagte er. Zugleich zeigte er sich erstaunt darüber, wie intensiv darüber gesprochen werde, während die positiven Effekte von mehr Wettbewerb kaum thematisiert würden. Konkurrenz, so Egger, könne das Geschäft beleben und das Angebot attraktiver machen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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