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Trotz aller Hürden: Wellbrocks Paris-Comeback

Vier WM-Titel – und trotzdem kein Topfavorit? Vor Wellbrocks EM-Start sorgt ausgerechnet ein heikles Dauerthema für Wirbel.

02.08.2026, 10:35 Uhr

Wellbrock kehrt mit gemischten Gefühlen nach Paris zurück

Mit Paris verbindet Florian Wellbrock schmerzhafte Erinnerungen. Bei den Sommerspielen vor zwei Jahren musste der Olympiasieger von 2021 in der französischen Hauptstadt mehrere Rückschläge verkraften. Besonders das Freiwasserrennen in der Seine endete für ihn enttäuschend. Nun steigt der 28-Jährige erneut in den Fluss, der mitten durch Paris am Eiffelturm vorbeifließt. Bei den Europameisterschaften könnte ihm dort eine kleine Wiedergutmachung gelingen – auch wenn seine Vorbereitung alles andere als ideal verlief.

"Ich war wegen Infekten leider dreimal jeweils eine Woche raus und konnte nicht trainieren", sagte Wellbrock der Deutschen Presse-Agentur. Gerade im Schwimmsport, in dem Ausdauer und exakt abgestimmte Belastung entscheidend sind, wiegen solche Unterbrechungen besonders schwer.

Rückstand im Training spürbar

In der leistungsstarken Magdeburger Trainingsgruppe mit Olympiasieger Lukas Märtens, Freiwasser-Ass Oliver Klemet und 800-Meter-Europarekordler Johannes Liebmann habe er zeitweise nur hinterherschwimmen können, berichtete Wellbrock. "Das war schon ungewohnt für mich."

Nach dem enttäuschenden Olympia-Auftritt, bei dem er über 800 und 1500 Meter bereits in den Vorläufen ausschied und auch im Freiwasser ohne Medaille blieb, hatte Wellbrock im vergangenen Jahr ein starkes Comeback gefeiert. Bei der WM in Singapur gewann er im Meer gleich vier Goldmedaillen. Damit wäre er eigentlich auch in diesem Jahr einer der größten Favoriten. Wegen des Trainingsrückstands sind die Erwartungen nun jedoch gedämpfter.

Florian Wellbrock
Bei der vergangenen WM freute sich Wellbrock über vier Titel. (Archivbild) Quelle: Jo Kleindl/dpa

Bei der vergangenen WM gewann Wellbrock vier Titel. (Archivbild)

Für das erste Rennen über zehn Kilometer am Dienstag um 10.00 Uhr formuliert Wellbrock deshalb ein vorsichtiges Ziel: "Ich möchte auf jeden Fall in die Top Ten schwimmen." Wie viel danach noch möglich ist, werde davon abhängen, wie gut sein Körper die weiteren Rennen verkraftet. Trotz der schwierigen Vorbereitung sei die Vorfreude aber da.

Lea Boy sagt Start ab

Noch härter getroffen hat es Teamkollegin Lea Boy. Die 26-Jährige hatte in dieser Weltcup-Saison bereits einen Podestplatz erreicht und galt als Kandidatin für eine EM-Medaille. Nach einem Magen-Darm-Infekt, den sie sich vor gut einem Monat beim Weltcup in Setúbal zuzog, sagte sie ihre Reise nach Paris jedoch ab.

"Nach dem Weltcup in Portugal bin ich einfach zu lange ausgefallen, nun fehlt mir dadurch die Substanz für ein Topergebnis. Und für einen Platz außerhalb der Top Ten muss ich dort nicht hinfahren", erklärte Boy auf germanaquatics.de.

Lea Boy hat auf einen EM-Start verzichtet. (Archivbild)

Nach den Rennen im Atlantik hatten zahlreiche Athletinnen und Athleten über gesundheitliche Probleme geklagt, einige mussten sogar in die Notaufnahme. Als wahrscheinliche Ursache galt die Wasserqualität – ein Dauerthema im Freiwassersport. Schon nach dem olympischen Rennen in der Seine vor zwei Jahren hatte die Deutsche Leonie Beck über Erbrechen berichtet.

Sorge um die Wasserqualität bleibt

Auch vor den Titelkämpfen in Paris spielt das Thema wieder eine Rolle. "Wir haben vom Verband Impfungen empfohlen bekommen, die man vor der EM machen soll", sagte Wellbrock. Dazu gehörten unter anderem Hepatitis A und weitere Schutzimpfungen. "Damit muss man sich leider beschäftigen vor den Freiwasserrennen."

Kritisch sieht Wellbrock vor allem das Verfahren zur Kontrolle der Wasserqualität. "48 Stunden vor Rennstart werden Wasserwerte erhoben. Die gehen ins Labor und dann kriegt man die Freigabe oder nicht", sagte er. Das könne problematisch sein, wenn sich die Bedingungen danach noch änderten. Als Beispiel nannte er den Weltcup in Portugal, wo ihm zufolge Schiffe im Hafen möglicherweise Abwasser einleiteten, nachdem die Messungen bereits erfolgt waren.

Mit Blick auf die Seine ist Wellbrock diesmal dennoch vorsichtig optimistisch. Tanker wie in Portugal gebe es dort nicht. Zudem sei eine Bekannte von ihm erst kürzlich genau in dem Abschnitt geschwommen, in dem nun die Wettkämpfe stattfinden sollen – und habe auch Tage später keine Beschwerden gehabt. Das gebe ihm Zuversicht.

Danach geht es direkt nach Los Angeles

Im Gegensatz zu seinen Teamkollegen Oliver Klemet, Johannes Liebmann und Isabel Gose wird Wellbrock in der zweiten kompletten WM-Woche nicht mehr im Becken antreten. Direkt nach den Freiwasser-Wettkämpfen reist er nach Los Angeles, wo er an einem Wettkampf teilnimmt. Dieser soll als Test mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Kalifornien dienen.

"Das ist eine große Chance, die ich mir nicht entgehen lassen will", sagte Wellbrock.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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