Lufthansa hält an Gewinnziel fest
Trotz drohender Lisse bei der Versorgung mit Kerosin, höherer Treibstoffkosten und anhaltender Tarifkonflikte blickt die Lufthansa optimistisch auf das laufende Jahr und den Sommer. Der Konzern rechnet weiterhin damit, das bereinigte operative Ergebnis von 1,96 Milliarden Euro aus dem Vorjahr deutlich um mindestens zehn Prozent zu übertreffen.
Allerdings räumte Finanzchef Till Streichert ein, dass das Ergebnis wohl geringer ausfallen dürfte als ursprünglich erhofft. Der bei der Prognose eingeplante Puffer sei durch die jüngsten Belastungen weitgehend aufgebraucht. Allein die Kerosinrechnung soll 2024 mit 8,9 Milliarden Euro um 1,7 Milliarden Euro höher ausfallen als zunächst geplant.
Konzernchef Carsten Spohr setzt dem vor allem höhere Ticketpreise, zusätzliche Einsparungen und eine stärkere Nachfrage auf Strecken nach Asien und Afrika entgegen. Zugleich wächst Lufthansa beim Angebot vorsichtiger: Die Passagierkapazität soll nur noch um höchstens zwei statt wie bisher um vier Prozent steigen.
Treibstoffversorgung vorerst gesichert
Nach Angaben von Spohr ist die Versorgung mit Kerosin derzeit sechs Wochen im Voraus bis Mitte Juni abgesichert. Danach werde die Planbarkeit zwar geringer, an den Drehkreuzen der Gruppe rechnet das Management aber aktuell nicht mit Einschränkungen. Spohr geht davon aus, dass bestehende Versorgungslücken noch geschlossen werden können.
Vor der Sperrung der Straße von Hormus kam nach Konzernangaben rund ein Viertel des in Europa benötigten Kerosins aus dem Persischen Golf. Etwa die Hälfte dieses Anteils werde inzwischen durch Ersatzlieferungen aus den USA, Nigeria und anderen Ländern ersetzt, der Rest stamme aus kommerziellen Reserven. Staatliche Notlager in der EU würden bislang nicht angetastet.
Spohr drängt zudem auf zusätzliche Maßnahmen, um die Lage zu entspannen. So solle die EU auch den in den USA gebräuchlichen Treibstoff Jet Fuel A zulassen. Außerdem könnten erweiterte Landegenehmigungen für Flugzeuge helfen, die den Treibstoff für den Rückflug bereits mitführen. Auf Langstrecken nach Asien und Afrika prüft Lufthansa zudem Zwischenstopps, falls an Zielflughäfen nicht nachgetankt werden kann.
Streikschäden und gestrafftes Netz
Neben den hohen Treibstoffkosten belasten auch Arbeitskämpfe den Konzern. Bis einschließlich April summierten sich die Schäden durch Streiks laut Finanzvorstand auf rund 200 Millionen Euro. Zudem bleibt das Risiko weiterer Ausstände bestehen, weil die Tarifkonflikte mit Piloten und Flugbegleitern bei der Kernmarke Lufthansa noch nicht gelöst sind.
Spohr sprach von enormen Herausforderungen für die gesamte Branche. Zugleich verwies er auf die breitere Aufstellung des Konzerns mit mehreren Airlines und verschiedenen Drehkreuzen. Dadurch könne Lufthansa ihr Angebot vergleichsweise flexibel anpassen. Nach Unternehmensangaben mussten bislang nur vier von 300 Zielen aus dem Streckennetz genommen werden.
Im Europaverkehr will der Konzern unrentable Verbindungen zusätzlich streichen, auch im Zusammenhang mit der Schließung der Regionaltochter Cityline. Lufthansa prüfe nun konsequent weitere Möglichkeiten, Kosten zu senken, Effizienz zu steigern und Risiken zu begrenzen.
Rückenwind durch Verschiebungen im Wettbewerb
Im ersten Quartal profitierte Lufthansa auch davon, dass die Golf-Airlines Emirates, Qatar Airways und Etihad auf Verbindungen nach Asien und Afrika teilweise geschwächt waren. Zwar belasteten gestrichene Flüge in den Nahen Osten auch den Kranich-Konzern, doch zusätzliche Angebote nach Westeuropa und auf Asienrouten glichen dies mehr als aus.
In der saisonal schwachen Reisezeit entwickelte sich das Geschäft damit besser als erwartet. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um acht Prozent auf 8,75 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Verlust verringerte sich trotz der Streikfolgen um 15 Prozent auf 612 Millionen Euro. Unter dem Strich sank der Nettoverlust um ein Viertel auf 665 Millionen Euro.
Insgesamt zeigt sich der Vorstand überzeugt, dass Lufthansa ihre bis 2026 gesetzten Ziele erreichen und gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion