Wirtschaft

Siemens Energy heißt plötzlich anders

Siemens Energy kappt eine millionenteure Verbindung zur Ex-Mutter – sechs Jahre nach der Abspaltung. Was steckt dahinter?

14.07.2026, 15:00 Uhr

Siemens Energy wird zu Omterra

Siemens Energy tritt künftig unter dem Namen Omterra auf. Der Konzern teilte mit, dass die Umstellung noch in diesem Jahr beginnen und schrittweise erfolgen soll. Die Übergangsphase dürfte rund anderthalb Jahre dauern. Mit dem neuen Namen löst sich das Unternehmen von einer der letzten sichtbaren Verbindungen zum früheren Mutterkonzern Siemens.

Nach Angaben des Unternehmens steht Omterra für eine eigenständige Marke mit internationaler Ausrichtung. Der Begriff ist ein Kunstname, wie er bei Neubenennungen aus markenrechtlichen Gründen häufig gewählt wird.

Damit reiht sich der Münchner Konzern in eine Reihe neuer Unternehmensnamen ein, an die sich Beschäftigte und Investoren in den vergangenen Jahren gewöhnen mussten. Beispiele dafür sind Traton bei Volkswagen, Ceconomy als Dachgesellschaft von Saturn und MediaMarkt sowie Aumovio und Vitesco als ausgegliederte Bereiche von Continental.

Namensrechte nur befristet

Bei der Abspaltung von Siemens Energy war vereinbart worden, dass der Konzern den Namen Siemens noch zehn Jahre lang nutzen darf. Dafür fällt allerdings eine Lizenzgebühr an, die sich am Umsatz orientiert. Im vergangenen Jahr belief sich diese Zahlung auf etwa 300 Millionen Euro. Schon zuvor hatte Siemens Energy deutlich gemacht, die noch bis 2030 laufende Regelung nicht verlängern zu wollen.

Kurzfristig dürfte die frühere Umbenennung kaum größere Einsparungen bringen. Dass der Konzern den Schritt trotzdem jetzt geht, begründet das Management mit seiner gestärkten Lage. Vorstandschef Christian Bruch verweist darauf, dass das Unternehmen das Vertrauen von Kunden und Kapitalmarkt zurückgewonnen, die Profitabilität gesteigert und ehrgeizige Wachstumsziele für die kommenden Jahre formuliert habe. Deshalb sei nun der passende Zeitpunkt gekommen, eine eigene Markenidentität aufzubauen.

Erholung nach schwierigen Jahren

Seit der Abspaltung und dem Börsengang im Jahr 2020 hat Siemens Energy eine turbulente Entwicklung hinter sich. Vor allem Probleme im Windkraftgeschäft sorgten wiederholt für Rückschläge und milliardenschwere Verluste. Inzwischen scheinen die größten Belastungen dort jedoch weitgehend unter Kontrolle zu sein. Im laufenden Geschäftsjahr soll dieser Bereich zumindest in einem Quartal wieder schwarze Zahlen schreiben.

Gleichzeitig profitiert der Konzern von mehreren starken Trends: dem Ausbau und Umbau der Stromnetze, der Nachfrage nach Windenergie, dem Bedarf an Gaskraftwerken und dem Boom bei Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Für das laufende Geschäftsjahr peilt das Unternehmen einen Gewinn von rund 4 Milliarden Euro an. Das wäre der bislang mit Abstand höchste Wert in seiner noch jungen Unternehmensgeschichte.

Aktienkurs spiegelt den Aufschwung wider

Auch an der Börse zeigt sich die wechselvolle Entwicklung. Beim Start im September 2020 lag der Kurs bei 23 Euro, im Herbst 2023 fiel er auf unter 10 Euro. Danach setzte ein kräftiger Anstieg ein. Zwar schwanken die Kurse weiterhin, doch auf deutlich höherem Niveau. Aktuell notiert die Aktie bei rund 150 Euro.

Damit kommt der Konzern derzeit auf eine Marktkapitalisierung von etwa 130 Milliarden Euro und zählt inzwischen zu den wertvollsten Unternehmen im deutschen Leitindex Dax.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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