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Pogacars Feiertags-Coup im Zentralmassiv

Pogacar fährt der Tour davon: Auch im Zentralmassiv triumphiert der Weltmeister – und ein Deutscher sorgt für Aufsehen.

14.07.2026, 17:23 Uhr

Pogacar siegt am Nationalfeiertag souverän und baut Tour-Führung weiter aus

Titelverteidiger Tadej Pogacar hat auch die zehnte Etappe der Tour de France gewonnen und damit den nächsten großen Schritt in Richtung seines fünften Gesamtsiegs gemacht. Der slowenische Weltmeister entschied die 166,6 Kilometer von Aurillac nach Le Lioran als Solist für sich und unterstrich im Zentralmassiv einmal mehr seine Sonderstellung. Mit seiner nächsten Kletterdemonstration zerstörte er zugleich alle französischen Hoffnungen auf einen Heimsieg am Nationalfeiertag.

Auf dem anspruchsvollen Teilstück mit sieben Bergwertungen und rund 3.800 Höhenmetern setzte Pogacar am Col de Pertus, einem Anstieg der ersten Kategorie, rund 15 Kilometer vor dem Ziel zu seiner entscheidenden Attacke an. Keiner seiner Rivalen konnte folgen. Danach vergrößerte der 27-Jährige seinen Vorsprung stetig und gewann mit etwas mehr als einer halben Minute vor Remco Evenepoel und dem französischen Jungstar Paul Seixas.

Nach seinem Solosieg zeigte sich Pogacar bestens gelaunt. „Ich habe den Tag genossen. Heute ist Nationalfeiertag, ich wollte das Gelbe Trikot ehren“, sagte der Weltmeister. Mit Blick auf die eigene Dominanz ergänzte er: „Wir müssen dankbar für die Momente sein. Man weiß nie, wie lange es geht.“ Zudem erinnerte er an seine Niederlage von 2024 in Le Lioran: „Vor zwei Jahren hat mich Jonas geschlagen, da war ich leer im Sprint. Das habe ich mir gemerkt.“

Lipowitz überzeugt erneut und blickt Richtung Podium

Auch Florian Lipowitz lieferte eine starke Vorstellung ab. Der Deutsche erreichte das Ziel auf 1.240 Metern Höhe als Vierter mit 34 Sekunden Rückstand und verbesserte sich in der Gesamtwertung auf Rang sechs. Im Finale präsentierte sich der 25-Jährige erstmals nahezu auf Augenhöhe mit Jonas Vingegaard und nahm dem Dänen sogar ein paar Sekunden ab.

Bemerkenswert war dabei auch das Zusammenspiel mit Co-Kapitän Evenepoel. Nachdem es auf der Tourmalet-Etappe noch Unstimmigkeiten gegeben hatte, half Lipowitz seinem Teamkollegen diesmal im Finale, indem er auf den letzten Kilometern kurz das Tempo herausnahm, als der Belgier leicht den Anschluss verlor. Evenepoel konnte so wieder heranfahren und sich dank seiner Endschnelligkeit noch Platz zwei sichern.

Im Ziel schnappte sich Lipowitz an der Skistation von Le Lioran zunächst eine Kühlweste und zeigte sich trotz des verpassten Podiums zufrieden. In der ARD sagte er: „Es war ein superhartes Rennen. Das Team hat einen super Job gemacht. Die Beine waren gut nach dem Ruhetag. Wenn Pogacar losfährt, haben wir nicht die Beine, um zu folgen. Pogacar war einfach zu stark.“ Mit Blick auf die kommenden Tage ergänzte er: „Bei mir hat es nicht ganz mit dem Podium gereicht, aber wir können super happy sein. Wir sind auf gutem Kurs in der zweiten Woche. Die Form passt. Mit Remco und mir schaut es Richtung Podium gut aus.“

Bereits der 24. Etappensieg bei der Tour

Für Pogacar war es bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt bereits der dritte Tageserfolg und zugleich der 24. Tour-Etappensieg seiner Karriere. Damit rückt er in der ewigen Bestenliste dicht an André Leducq heran, der 25 Etappensiege auf dem Konto hat. Rekordhalter bleibt weiterhin der frühere Weltmeister Mark Cavendish mit 35 Erfolgen.

Vingegaard hatte vor der Etappe noch hoffen dürfen, Pogacar in Le Lioran erneut zu bezwingen – so wie 2024, als er dem Slowenen dort eine der wenigen Niederlagen beigebracht hatte. Diesmal zeigte Pogacar jedoch keinerlei Schwäche. Für den Dänen dürfte es im Kampf um Gelb erneut vor allem um Platz zwei gehen. Sollte er die Tour wieder als Zweiter beenden, wäre es bereits das vierte Mal nach 2021, 2024 und 2025.

Vingegaard spricht offen über frühere Rücktrittsgedanken

Vor der zehnten Etappe hatte Vingegaard in einem Interview mit dem dänischen Sender TV2 offen über frühere Rücktrittsgedanken gesprochen. Der 29-Jährige schilderte, dass er im vergangenen Jahr nicht glücklich gewesen sei und deshalb gemeinsam mit seinem Team Veränderungen angestoßen habe. „Ich habe letztes Jahr gesagt: Wenn es so weitergehen soll, dann kann ich das nicht mehr machen“, sagte er. Visma habe akzeptiert, dass Anpassungen notwendig gewesen seien. „Und genau das haben wir getan.“ Vingegaard sprach dabei auch die großen Entbehrungen an, die der Radsport mit sich bringt.

Hitze, Ausreißer und ein vergeblicher Carapaz-Vorstoß

Bei Temperaturen von erneut über 30 Grad setzte sich zunächst eine größere Ausreißergruppe ab, zu der unter anderem auch Valentin Paret-Peintre, der Mont-Ventoux-Sieger des Vorjahres, gehörte. Vor allem die Franzosen versuchten am Nationalfeiertag Akzente zu setzen, doch Pogacars Team kontrollierte das Rennen konsequent und ließ den Vorsprung nie auf ein entscheidendes Maß anwachsen – mehr als zwei Minuten waren nicht drin. Als letzter Ausreißer wurde der Spanier Javier Romo noch 38 Kilometer vor dem Ziel gestellt.

Danach versuchte Richard Carapaz, Olympiasieger von Tokio, das Rennen zu beleben. Der Ecuadorianer erarbeitete sich zwischenzeitlich rund eine Minute Vorsprung, doch mit Pogacars Angriff schmolz auch dieser Abstand in der Hitze der Auvergne schnell dahin.

Nächste Chance für die Sprinter

Am Mittwoch dürfte wieder eine Etappe für die schnellen Fahrer anstehen. Auf den 161,3 Kilometern von Vichy nach Nevers verläuft die Strecke nahezu komplett über flaches Terrain. Lediglich zwei Bergwertungen der vierten Kategorie könnten den Rhythmus der Sprinterteams kurz stören.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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