Der Deutsche Fußball-Bund ist bei der geplanten Verpflichtung von Jürgen Klopp als neuem Bundestrainer entscheidend vorangekommen. Nach dpa-Informationen hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf bei einem Spitzentreffen mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff in München eine Einigung erzielt. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt, doch die letzten großen Hindernisse für einen Wechsel Klopps vom Getränkekonzern zum DFB gelten damit als ausgeräumt.
Klopp könnte damit den vakanten Top-Posten übernehmen, der nach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay und dem anschließenden Rücktritt von Julian Nagelsmann frei geworden ist. Beim DFB wäre der frühere Liverpool-Coach der 13. Cheftrainer der Nationalmannschaft.
DFB und Klopp sind sich grundsätzlich einig
Bereits bei einem Treffen in New York hatten sich Klopp, DFB-Präsident Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke grundsätzlich auf eine Zusammenarbeit verständigt. Nach Angaben des Verbandes wurden dort die wesentlichen Eckpunkte eines möglichen Vertrags festgelegt. Weiterhin gilt ein Engagement bis zur WM 2030 als vorgesehene Laufzeit.
Bevor der Wechsel offiziell verkündet werden kann, müssen allerdings noch die zuständigen DFB-Gremien zustimmen. Ein möglicher Vertrag muss nach Verbandsangaben in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG final beschlossen werden.
Red-Bull-Vertrag war die letzte große Hürde
Im Zentrum der Gespräche mit Mintzlaff stand Klopps laufender Vertrag als Head of Global Soccer bei Red Bull, an den er eigentlich noch bis 2029 gebunden ist. Diese Frage galt zuletzt als größte Hürde auf dem Weg zum DFB.
Offen ist weiterhin, zu welchen Bedingungen Red Bull Klopp aus dem Vertrag entlässt. Diskutiert wird, ob Klopp auch als Bundestrainer in irgendeiner Form für das Unternehmen tätig bleiben könnte oder ob doch eine Ablöse fällig wird. Der DFB wollte eine hohe Zahlung nach Möglichkeit vermeiden.
Zuletzt war davon die Rede, dass eher keine millionenschwere Entschädigung nötig sein dürfte. Stattdessen könnten symbolische oder repräsentative Aufgaben für Red Bull eine Rolle spielen. Eine offizielle Mitteilung zu den konkreten Vereinbarungen nach dem Treffen in München steht aber noch aus.
Weiteres Treffen beim WM-Finale möglich
Zusätzlich wird noch eine direkte Zusammenkunft von Klopp und Mintzlaff erwartet. Diese dürfte für das grundsätzliche Zustandekommen des Sommer-Deals allerdings nicht mehr entscheidend sein. Mintzlaff soll zum WM-Finale am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) nach East Rutherford bei New York reisen.
Klopp ist dort während des Turniers als TV-Experte für MagentaTV im Einsatz. Eine endgültige Einigung scheint aber bereits vorher möglich. Auch eine Präsentation Klopps als Bundestrainer könnte schon in der kommenden Woche nach seiner Rückkehr nach Deutschland erfolgen.
Ricken sieht Klopp als „Rundum-Problemlöser-Paket“
BVB-Sportchef Lars Ricken bezeichnete Klopp als wahrscheinlichen künftigen Bundestrainer als ein „Rundum-Problemlöser-Paket“. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Klopp allein nicht zum Heilsbringer des deutschen Fußballs werden könne.
Der Nationaltrainer müsse mit dem vorhandenen Personal das Maximum herausholen, sagte Ricken. Für die Ausbildung von Spielern seien jedoch in erster Linie die Vereine verantwortlich. Der DFB könne zwar Leitplanken setzen, am Ende liege die Hauptverantwortung aber bei den Clubs.
Erfolgreiche Trainerkarriere – Nationalteam wäre Neuland
Klopp ist seit Januar 2025 für Red Bull tätig. Der Job als Nationaltrainer wäre für ihn Neuland. Seine größten Erfolge feierte er bislang im Vereinsfußball: Mit Mainz 05 schaffte er 2004 den Aufstieg in die Bundesliga. Mit Borussia Dortmund gewann er 2011 und 2012 die deutsche Meisterschaft sowie 2012 den DFB-Pokal.
2015 wechselte Klopp zum FC Liverpool. Dort führte er die Reds 2020 zur englischen Meisterschaft, gewann 2022 den FA Cup und holte 2019 mit dem Champions-League-Sieg den sportlich bedeutendsten Titel seiner Trainerlaufbahn.
Die ersten vier Länderspiele der kommenden Saison stehen innerhalb von zehn Tagen zwischen dem 24. September und 4. Oktober an: in der Nations League gegen die Niederlande, zweimal gegen Griechenland und gegen Serbien. Bis dahin bliebe Klopp ausreichend Zeit, um mit möglichen Stützen eines Neustarts wie DFB-Kapitän Joshua Kimmich zu sprechen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber