Vodafone beschleunigt TV-Livebilder vor der Fußball-WM
Wenige Wochen vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft passt Vodafone seine TV-Technik an, um Verzögerungen bei Live-Übertragungen zu verringern. Das Unternehmen stellte die Änderung am Rande der Breitbandmesse Anga Com in Köln vor.
Bislang waren Fernsehbilder über Satellit meist schneller beim Publikum als über das Kabelnetz, das Vodafone nutzt. Dadurch kam es oft vor, dass Zuschauer mit Satellitenempfang bereits jubelten, während Nachbarn mit Kabelanschluss die entscheidende Szene noch gar nicht gesehen hatten. Nach der Umstellung sollen Vodafone-Kunden die Bilder etwa zwei Sekunden früher erhalten als bisher. Damit soll das Kabel-TV bei den Sendern ARD und ZDF ungefähr mit dem Satellitenempfang gleichziehen.
Technik war schon einmal im Einsatz
Ganz neu ist der Ansatz nicht. Schon während der Fußball-Europameisterschaft 2024 hatte Vodafone die Übertragungen auf diese Weise beschleunigt. Danach wurde die Lösung jedoch wieder abgeschaltet. Nach Angaben eines Firmensprechers galt eine dauerhafte Nutzung zunächst als zu aufwendig. Der Vorteil sei vor allem bei großen Sportereignissen spürbar und betreffe zudem nur die Programme von ARD und ZDF.
Bei der Handball-WM und den Olympischen Spielen zu Jahresbeginn verzichtete der Konzern noch auf die beschleunigte Übertragung. Vodafone begründet das damit, dass Fußball deutlich mehr Menschen erreiche als andere Sportarten. Deshalb lohne sich der technische Zusatzaufwand vor allem bei Fußballspielen. Ob die Optimierung künftig dauerhaft eingesetzt wird, werde derzeit geprüft.
Warum Live-TV unterschiedlich spät ankommt
Fernsehen gelangt auf verschiedenen Wegen ins Wohnzimmer: per Satellit, Antenne, Kabel oder Internet. Auf dem Weg vom Stadion bis zum Bildschirm werden die Signale mehrfach verarbeitet. Wie lange das dauert, hängt sowohl von der Übertragungsart als auch vom genutzten Endgerät ab, etwa ob über Browser, App oder Receiver geschaut wird.
Die originalen Bilddaten aus dem Stadion sind zu umfangreich, um sie unverarbeitet weiterzugeben. Vodafone spart nun nach eigenen Angaben bestimmte Bearbeitungsschritte ein und gewinnt dadurch Zeit bei der Auslieferung des Signals.
Internet-TV bleibt weiter im Nachteil
Trotz der Verbesserung dürften auch während der WM weiterhin zeitversetzte Jubelrufe durch Wohnhäuser und Straßen hallen. Wer Spiele per Internet-TV verfolgt, sieht das Geschehen in der Regel später als Kabel- oder Satellitenkunden. Diese Verzögerung kann sogar im zweistelligen Sekundenbereich liegen. Für viele Zuschauer bedeutet das: Sie erfahren den Ausgang einer Torchance womöglich schon durch die Reaktion der Nachbarn.
Auch die Telekom arbeitet an geringerer Latenz
Mit der Deutschen Telekom ist ein weiterer großer Anbieter im TV-Markt aktiv. Sie verbreitet Fernsehen über Internetanschlüsse wie DSL, VDSL und Glasfaser. Ein Unternehmenssprecher betont, dass sich die Übertragung von TV-Signalen über das Internet in den vergangenen Jahren stark verbessert habe. Gerade bei Live-Inhalten spiele die Latenz aber weiterhin eine wichtige Rolle. Man arbeite laufend an Verbesserungen und gehe davon aus, dass sich das positiv auf die Verzögerungen auswirken werde.
Markt im Wandel
Im Fernsehgeschäft konnte die Telekom zuletzt zulegen, während Vodafone rund vier Millionen TV-Kunden verloren hat. Hintergrund ist eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2024. Sie beendete einen früheren strukturellen Vorteil von Vodafone im Markt und stärkte damit die Position von Wettbewerbern, die sich zuvor lange schwergetan hatten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion