Rheinmetall trennt sich von Großteil seiner Autosparte
Rheinmetall ist seinem Ziel, sich stärker auf das Rüstungsgeschäft auszurichten, einen deutlichen Schritt nähergekommen. Der Düsseldorfer Konzern teilte mit, einen Vertrag über den Verkauf wesentlicher Teile seines Automotive-Zuliefergeschäfts an die Münchner Beteiligungsgesellschaft Aequita unterzeichnet zu haben. Der Abschluss der Transaktion ist für das vierte Quartal vorgesehen. Als Kaufpreis wurden 350 Millionen Euro genannt. In dem veräußerten Bereich arbeiten rund 6.200 Menschen, während bei Rheinmetall etwa 34.000 Beschäftigte verbleiben.
Betroffen sind die zivilen Geschäftsaktivitäten des Unternehmens, also vor allem Komponenten für die Autoindustrie. Wegen der schwachen europäischen Autonachfrage hatte dieser Bereich Rheinmetall bereits seit Längerem belastet. Gleichzeitig wächst das Militärgeschäft des Konzerns kräftig und erreicht immer neue Bestmarken. Die Verhandlungen über einen Verkauf liefen schon seit dem vergangenen Jahr, nun ist die Vereinbarung besiegelt.
Standort Neuss soll künftig Satelliten und Rüstungsgüter produzieren
Die Automotive-Sparte erzielte 2025 einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. Das Geschäft mit militärischen Produkten brachte dagegen etwa zehn Milliarden Euro ein. Das Werk in Neuss, das bislang Autozulieferteile fertigte, wird bereits Schritt für Schritt umgebaut. Dort sollen künftig Satelliten und weitere Rüstungsgüter entstehen. Auch ein Standort in Spanien soll entsprechend neu ausgerichtet werden.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger sagte, der Konzern konzentriere sich auf das margenstarke Geschäft mit militärischen Kunden, in dem erhebliche Wachstumschancen bestünden. Für die zivile Sparte habe man nach eigenen Angaben einen guten neuen Eigentümer gefunden. Aequita verfüge über umfassende Erfahrung in den Bereichen Industrie und Automotive sowie über Know-how bei Transformation und langfristiger Weiterentwicklung.
Aequita sieht Stärkung des eigenen Autogeschäfts
Aequita-Chef Axel Geuer begrüßte die Übernahme. Nach seiner Einschätzung passt der Zukauf sehr gut zur bestehenden Automotive-Division der Holding, die damit auf einen Umsatz von etwa fünf Milliarden Euro kommen soll.
Drei Standorte verbleiben allerdings vorerst noch bei Rheinmetall: Neckarsulm, Walldürn und Langenhagen. Nach Angaben des Konzerns gilt das zumindest für die mittlere Frist. In der Berichterstattung werden diese Werke jedoch weiterhin als nicht fortgeführte Aktivitäten ausgewiesen.
Bereits in den Jahren 2023 und 2024 hatte Rheinmetall sein Kolbengeschäft verkauft. Im Dezember des vergangenen Jahres kündigte der Konzern dann an, auch die übrigen Aktivitäten für die Autoindustrie sowie Teile des Energiegeschäfts abzugeben. Ursprünglich war der Abschluss des Verkaufs schon für das erste Quartal dieses Jahres geplant. Rheinmetall verwies darauf, dass die angespannte Lage in der Autobranche die Verkaufsbedingungen und auch den erzielbaren Preis beeinflusst habe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion