Wirtschaft

Preisschock am Bau: Niedrigwasser trifft Bauherren

Rhein-Pegel im Keller: Drohen jetzt teurere Baustoffe und Bau-Verzögerungen? Warum Bauherren bald draufzahlen könnten

17.08.2026, 05:30 Uhr

Niedrigwasser belastet auch die Bauwirtschaft

Das historische Niedrigwasser am Rhein und auf weiteren Flüssen wirkt sich zunehmend auf die Bauwirtschaft aus. Weil Frachtschiffe derzeit deutlich weniger Ladung transportieren können, geraten Lieferketten ins Stocken. Für Bauunternehmen bedeutet das längere Wartezeiten bei wichtigen Materialien und zusätzlichen Druck auf die ohnehin hohen Preise.

Thomas Reimann, Präsident des Verbands Baugewerblicher Unternehmer Hessen, erklärte, dass Transporte über Wasser immer schwieriger würden. Das bekomme auch der Hochbau zu spüren, etwa beim Bau von Mehrfamilienhäusern oder Schulen. Vor allem Sand und Kies, die normalerweise in großen Mengen per Schiff zu Betonwerken geliefert werden, würden knapper und dadurch teurer.

Noch halte sich der aktuelle Preisschub in Grenzen, sagte Reimann. Allerdings seien Baustoffe und Transportleistungen in den vergangenen Jahren bereits massiv teurer geworden. Mit dem Niedrigwasser komme nun nach der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs und den Auswirkungen des Iran-Konflikts ein weiterer Kostentreiber hinzu. Erfahrungsgemäß blieben viele Preissteigerungen dauerhaft bestehen.

Schiffsverkehr kaum zu ersetzen

Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie warnt vor den Folgen der anhaltend niedrigen Pegelstände. Nach Angaben des Verbands haben Lieferanten bereits Engpässe bei ersten Baustoffen angekündigt, falls die Lage weiter anhält. Genau davon sei derzeit auszugehen.

Besonders problematisch ist, dass zahlreiche für den Bau wichtige Güter in großen Mengen per Schiff befördert werden. Dazu zählen unter anderem Bitumen, Split, Natursteine sowie Brenn- und Kraftstoffe und mineralische Bauabfälle. Sinkende Wasserstände verringern die Transportkapazität erheblich.

Hausbau
Am Bau drohen höhere Preise und Verzögerungen, da Transportschiffe weniger laden können. Quelle: David-Wolfgang Ebener/dpa/dpa-tmn

HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller betonte, dass im Extremfall zusätzliche Schiffe eingesetzt oder Transporte auf Schiene und Straße verlagert werden müssten. Das sei jedoch nur begrenzt machbar und meist deutlich kostspieliger. Für Bauprojekte könne das höhere Material- und Logistikkosten bedeuten und im ungünstigsten Fall auch Verzögerungen auf der Baustelle auslösen.

So sei etwa Bitumen erneut teurer geworden, nachdem das Bindemittel für Asphalt bereits infolge des Iran-Konflikts im Preis gestiegen war. Einen flächendeckenden Baustopp erwartet Müller zwar nicht, doch mit zunehmender Dauer des Niedrigwassers steige das Risiko für Lieferprobleme, Mehrkosten und Verzögerungen.

Wohnungsbau leidet besonders

Die steigenden Baukosten gelten als ein zentraler Grund dafür, dass der Wohnungsbau in Deutschland nur schleppend vorankommt. Nach Schätzungen fehlen bundesweit rund eine Million Wohnungen, was vor allem in Städten die Mieten weiter nach oben treibt.

Bundesbauministerin Verena Hubertz hatte die Baukosten zuletzt scharf kritisiert und von einem kaum noch tragbaren Niveau gesprochen. Zugleich kündigte sie in Frankfurt mehrere Maßnahmen an, um gegenzusteuern.

Recycling und Umbau als möglicher Ausweg

Reimann sieht in mehr Nachhaltigkeit am Bau eine Chance, um auf steigende Preise zu reagieren. Wegen hoher Zinsen und teurer Materialien rechneten sich viele Projekte schon heute kaum noch. Ein möglicher Ansatz sei, Gebäude nicht vollständig abzureißen, sondern ihre bestehende Hülle weiter zu nutzen. Außerdem sollten leerstehende Büroflächen stärker in Wohnungen umgewandelt und Recycling-Baustoffe häufiger eingesetzt werden.

Nach seiner Einschätzung stehen dem jedoch rechtliche Hürden im Weg. Solange recycelte Baustoffe aus Bauschutt in Deutschland weiterhin als Abfall eingestuft würden, ließen sich viele Bauherren kaum von ihrem Einsatz überzeugen. Zwar gebe es bereits Betonarten mit Recycling-Anteilen, doch die Nachfrage sei gering. Reimann fordert daher, dass die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangeht und mehr Ausschreibungen für Recycling-Materialien schafft. Die milliardenschweren Sondervermögen für die Infrastruktur böten dafür eine große Chance.

Gesetzliche Vorgaben bremsen nachhaltiges Bauen

Auch Müller hält nachhaltiges Bauen für einen wichtigen Hebel, um Ressourcen effizienter zu nutzen. Für die großen Aufgaben in den Bereichen Wohnungsbau, Infrastruktur und Energiewende reichten Recycling-Baustoffe allein jedoch bei Weitem nicht aus. Hinzu komme, dass öffentliche Auftraggeber deren Verwendung in Ausschreibungen teils sogar ausdrücklich ausschlössen.

Zudem seien auch recycelte Materialien vom Niedrigwasser betroffen und könnten derzeit nur teurer und schwieriger transportiert werden. Mehr Nachhaltigkeit sei deshalb keine kurzfristige Lösung für die akuten Probleme.

Müller fordert stattdessen, Engpässe im Mittelrhein gezielt zu beseitigen. Die sogenannte Abladeoptimierung könne extremes Niedrigwasser zwar nicht verhindern, würde aber nach seiner Einschätzung die Transportkapazität und die Planbarkeit der Binnenschifffahrt bei niedrigen und mittleren Wasserständen spürbar verbessern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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