Nordrhein-Westfalen

Feuer vor Monschau – jetzt Evakuierung in der Eifel

Flammen nur noch wenige Meter entfernt: In Monschau läuft ein dramatischer Rettungseinsatz – können die Häuser noch gerettet werden?

17.08.2026, 03:40 Uhr

Das Feuer im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn ist vorerst nicht weiter auf Deutschland vorgerückt. Nach Angaben des Monschauer Einsatzleiters Philipp Krüger ist die Lage derzeit statisch und hat sich zumindest nicht verschlechtert. Entwarnung gibt es aber nicht: Seit Tagen und Nächten dauert der kräftezehrende Großeinsatz an.

Mäßiger Regen und zuletzt wenig Wind haben die Arbeit der Einsatzkräfte erleichtert, das Feuer jedoch nicht gelöscht. Zugleich war die Rauchbelastung am Morgen in Teilen von Monschau sehr hoch. Für Dienstag werden nach Angaben Krügers starke Winde und einzelne kräftige Böen aus Südwest erwartet. Darauf bereiten sich die Einsatzkräfte nun besonders vor, weil sich die Lage dadurch rasch verändern könnte.

Deutsche Kräfte helfen direkt in Belgien

Aktuell unterstützen 60 Feuerwehrleute aus Monschau ihre belgischen Kollegen unmittelbar im Brandgebiet. Sie arbeiten dort mit Schläuchen bei der Brandbekämpfung. Krüger bezeichnete den Einsatz als äußerst anstrengend, das Personal müsse deshalb regelmäßig abgelöst werden.

Eine Einsatzkraft aus Monschau kam mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus. Das unterstreicht, wie belastend die Arbeit im grenznahen Moor- und Waldgebiet inzwischen geworden ist.

Rund 30 Menschen aus Kalterherberg weiter evakuiert

Für die etwa 30 Bewohner aus dem Monschauer Ortsteil Kalterherberg gibt es weiterhin keine Rückkehr in ihre Häuser. Monschaus Bürgermeisterin Carmen Krämer sagte, an der Lage habe sich seit dem Vorabend nichts geändert. Der Brand war zuletzt bis auf rund 300 Meter an die deutsche Grenze herangerückt.

Betroffen sind 17 Häuser in den Ortslagen Ruitzhof und Geisberg. Die meisten Evakuierten kamen bei Freunden oder Verwandten unter, vier Menschen nutzten vorbereitete Unterkünfte. Die Feuerwehr versucht weiter, die Wohnhäuser zu schützen. Zwischen Brand und Bebauung liegen Wiesen, die vollständig bewässert wurden. Neben den Flammen bleibt vor allem der Rauch ein Gesundheitsrisiko.

Der Regen habe zwar etwas geholfen, sagte Krämer, für ein Löschen des Feuers habe er aber bei weitem nicht ausgereicht. Die Stadt betont, alles zu tun, damit niemand in Gefahr gerät. Das ist auch deshalb besonders sensibel, weil Monschau mit seinen Fachwerkhäusern ein beliebtes Touristenziel ist.

Schwieriger Einsatz im einzigartigen Hochmoor

Mit einer betroffenen Fläche von rund 3.000 Hektar zählt der Brand zu den größten in der belgischen Geschichte. Besonders problematisch ist, dass ausgerechnet das Hohe Venn betroffen ist, eine ökologisch wertvolle Hochmoor- und Sumpflandschaft.

Der belgische Feuerwehrkommandant Luc Burette beschrieb die Lage als besonders kompliziert: Der Boden bestehe aus Torf, darauf wachse Gras. Dadurch könne sich das Feuer schnell ausbreiten. Gerade glimmende Torfschichten im Untergrund dürften die Einsatzkräfte noch lange beschäftigen.

Seit Sonntag helfen auch deutsche Kräfte aus der Region Aachen auf belgischer Seite. Zudem sind Unterstützer aus weiteren europäischen Ländern im Einsatz. Auch die Bundeswehr beteiligt sich inzwischen aus der Luft: Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden zwei Hubschrauber vom Typ NH-90 mit Löschwasserbehältern bereitgestellt.

Belgiens König Philippe machte sich vor Ort selbst ein Bild von den verheerenden Bränden. Erschwert wird die Bekämpfung weiterhin durch das schwer zugängliche Gelände mit nur wenigen Zufahrten. Die Feuerwehr rechnet deshalb mit einem langwierigen Einsatz.

Forderungen nach besserer Vorbereitung auf Waldbrände

Angesichts der Brände mehren sich die Forderungen nach besserer Ausstattung und Koordination. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge verlangte mehr finanzielle und personelle Unterstützung für die Feuerwehren. Dazu gehöre auch moderne Technik wie Drohnen zur Branderkennung.

Zugleich sprach sie sich für eine nationale Feuermanagementstrategie aus, die Risikoanalyse, Prävention und Einsatzvorbereitung zusammenführt. Auch der Waldumbau müsse beschleunigt werden, damit mehr Mischwälder entstehen.

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Christian Haase, forderte ebenfalls stärkere Vorsorge. Aus seiner Sicht führt am Waldumbau kein Weg vorbei: weg von reinen Nadelholzbeständen, hin zu widerstandsfähigeren Mischwäldern.

NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen betonte, das Land arbeite bereits dauerhaft am Waldumbau, um mehr Baumarten in die Wälder zu bringen, die weniger leicht Feuer fangen und besser an das veränderte Klima angepasst sind. Nach den aktuellen Großbränden müsse geprüft werden, was sich in der Vorsorge weiter verbessern lasse. Zugleich verwies sie darauf, dass 99 Prozent der Waldbrände menschengemacht seien.

Auch die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft sieht deutlichen Handlungsbedarf. Aus ihrer Sicht muss die Waldbrandbekämpfung wegen der Klimaveränderungen dauerhaft einen höheren Stellenwert bekommen. Gefordert werden unter anderem ein Gesamtkonzept, bedarfsgerechte Ausstattung, verbindliche Waldbrandmodule, verpflichtende Aus- und Fortbildung sowie geeignete Schutzausrüstung.

Hürtgenwald bleibt unter Kontrolle

Auch im Hürtgenwald in der Eifel entspannt sich die Lage weiter. Dort war Ende vergangener Woche der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens ausgebrochen. Nach Angaben des Kreises Düren ist das Feuer weiter unter Kontrolle.

Allerdings gibt es noch zahlreiche Glutnester, die nun im Mittelpunkt der Brandbekämpfung stehen. In der Nacht waren dort rund 400 Einsatzkräfte im Einsatz, tagsüber dürfte ihre Zahl voraussichtlich wieder auf etwa das Doppelte steigen.

Der Regen hilft auch dort nur begrenzt. Aus Sicht der Behörden ist er eher ein Tropfen auf den heißen Stein, auch wenn jeder Niederschlag willkommen ist. Von einem Ende des Einsatzes kann deshalb weiterhin keine Rede sein.

Wetter und Klimawandel verschärfen die Gefahr

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes hat die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Der DWD-Agrarmeteorologe Andreas Brömser verwies darauf, dass vor allem die Tage mit Gefahrenstufe vier in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten häufiger geworden seien.

Als Ursachen gelten unter anderem höhere Temperaturen, längere Trockenphasen und das Ausbleiben länger anhaltender, moderater Niederschläge, die tief in den Boden einsickern können.

Der für die nächsten Tage erwartete eher mäßige Regen könnte die Waldbrandgefahr zunächst etwas senken. Laut Brömser wäre die Streuschicht auf den Böden dann vorerst nicht mehr leicht entzündbar. Das Grundproblem extrem ausgetrockneter Böden löst das aber nicht. Dafür wäre deutlich mehr und vor allem anhaltender Regen nötig.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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