US-Präsident Donald Trump will ein gemeinsames Militärmanöver mit Südkorea nach eigenen Angaben deutlich verkleinern. Zur Begründung verwies er auf seine „sehr gute Beziehung“ zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Zugleich ließ Trump durchblicken, dass die seit Jahren üblichen Übungen mit den südkoreanischen Streitkräften künftig womöglich ganz entfallen könnten.
Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump, er sei unzufrieden damit, dass die USA vor langer Zeit solchen gemeinsamen Übungen zugestimmt hätten. Diese würden ein „völlig unangemessenes und feindseliges Signal“ an Nordkorea senden. Solange er Präsident gewesen sei, habe das Land keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten, erklärte Trump mit Blick auf Pjöngjang. Weil es für eine vollständige Absage nun zu spät sei, habe er „Kriegsminister“ Pete Hegseth angewiesen, die Übungen deutlich zu reduzieren.
Die Ankündigung dürfte in Südkorea als Affront verstanden werden. Das Land zählt ähnlich wie die europäischen Nato-Partner auf den militärischen Schutz der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig wirkt Trumps Vorstoß wie ein Entgegenkommen gegenüber Nordkoreas international isolierter Führung. Kim Jong Un droht dem Süden regelmäßig mit militärischer Gewalt und bezeichnet Südkorea als „Hauptfeind“. Seit Trumps erster Amtszeit hat Nordkorea zudem sein Atomwaffenarsenal ausgebaut und unterstützt Russland im Krieg gegen die Ukraine mit Munition sowie mit der Entsendung Tausender Soldaten.
In einer ersten Reaktion teilte das Präsidentenbüro in Seoul lediglich mit, Südkorea und die USA stimmten sich bei den gemeinsamen Militärübungen eng ab. Ob Trump seine Ankündigung vorab mit der Regierung in Seoul abgestimmt hatte, wird in südkoreanischen Medien allerdings offen bezweifelt.
Gemeinsames Manöver mit Tausenden Soldaten gestartet
Südkorea und die USA halten jedes Jahr gemeinsame Militärübungen ab, um ihre Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Die diesjährige Ausgabe des Manövers hat nun begonnen, an ihr nehmen Tausende Soldatinnen und Soldaten beider Länder teil.
Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, umfasst das Manöver „Ulchi Freedom Shield“ diesmal nur 14 Feldübungen und damit drei weniger als im Vorjahr. Nach Yonhap geht die Verringerung auf Bemühungen des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung zurück, der ebenso wie Trump auf eine diplomatische Annäherung an Kim Jong Un setzt.
Trump hatte erst am Samstag ein Foto veröffentlicht, das ihn an der Seite des nordkoreanischen Machthabers zeigt, und dabei erneut sein gutes Verhältnis zu Kim hervorgehoben. In seinem jüngsten Beitrag betonte er außerdem die hohen Kosten der Militärübungen, die größtenteils von den USA getragen würden. Zudem erwähnte er, dass Südkorea kürzlich seine Bitte abgelehnt habe, sich den Bemühungen um eine Denuklearisierung des Irans anzuschließen.
Trump traf Kim schon in seiner ersten Amtszeit
Der US-Präsident suchte bereits in der Vergangenheit immer wieder den Kontakt zu Nordkoreas Machthaber und traf ihn während seiner ersten Amtszeit mehrfach. Bei einem Gipfeltreffen 2019 in Hanoi kam es zu einem diplomatischen Eklat, woraufhin Kim die Gespräche vorzeitig verließ. Während einer Asienreise im Herbst 2025 hatte Trump in seiner zweiten Amtszeit erneut Interesse an einem Treffen bekundet, seitdem kam es aber nicht dazu.
Offiziell hält die US-Regierung bislang an ihrem Ziel fest, Nordkorea vollständig zur nuklearen Abrüstung zu bewegen. Wegen seines Atomprogramms ist das weitgehend abgeschottete Land mit umfassenden UN-Sanktionen sowie zusätzlichen Strafmaßnahmen der USA belegt. Nach Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ist es Nordkorea grundsätzlich auch untersagt, ballistische Raketen abzufeuern.
Dass Pjöngjang zuletzt dennoch wieder mehrere Raketentests durchgeführt hat, werten Fachleute als Machtdemonstration und als Protestsignal gegen die jährlichen Militärübungen der USA und Südkoreas.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber