Aktionäre stimmen zu: Deutsche Post soll ab September offiziell DHL heißen
Die Deutsche Post gibt ihren bisherigen Konzernnamen auf und will künftig auch rechtlich DHL heißen. Die Aktionäre billigten auf der Hauptversammlung in Bonn einen entsprechenden Vorschlag des Vorstands, der zugleich eine neue Konzernstruktur vorsieht.
Konzernchef Tobias Meyer begründete den Schritt damit, dass sich das Unternehmen seit der Zeit der früheren Bundespost zu einem weltweit führenden Logistikkonzern entwickelt habe. Die historisch gewachsene Struktur passe deshalb nicht mehr zur heutigen Aufstellung des Unternehmens.
Nach Unternehmensangaben votierten fast 100 Prozent der auf der Hauptversammlung vertretenen Aktionäre für den Plan. Die Umbenennung soll voraussichtlich zum 1. September wirksam werden, sobald die Eintragung ins Handelsregister erfolgt ist. Auch an der Börse soll der Konzern künftig unter dem Namen DHL auftreten. Die Kosten für Namenswechsel und Neuordnung bezifferte Meyer auf rund 37 Millionen Euro.
Nur noch etwa ein Fünftel des Geschäfts entfällt auf das traditionelle Brief- und Paketgeschäft in Deutschland. Der überwiegende Teil stammt inzwischen aus internationalen Bereichen wie Express und Fracht. Bereits vor zwei Jahren hatte der Konzern seinen Markenauftritt von Deutsche Post DHL auf DHL umgestellt, rechtlich blieb es bislang aber bei Deutsche Post AG.
Die heutige Deutsche Post AG ist aus der früheren Bundespost hervorgegangen, die in den 1990er Jahren schrittweise privatisiert wurde. Mit dem Kauf des US-Logistikunternehmens DHL im Jahr 2002 gewann das internationale Geschäft stark an Gewicht. Der Name DHL geht auf die Gründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn zurück. Weltweit beschäftigt der Bonner Konzern rund 534.000 Vollzeitkräfte, etwa ein Drittel davon in Deutschland.
Deutsche Post AG bleibt als Name für das Deutschlandgeschäft erhalten
Ganz verschwinden wird der traditionsreiche Name nicht. Künftig soll Deutsche Post AG nicht mehr den Gesamtkonzern bezeichnen, sondern eine neu geschaffene Tochtergesellschaft, die das Deutschlandgeschäft mit Briefen und Paketen übernimmt.
Diese Tochter erhält auch einen eigenen Aufsichtsrat. Die zusätzlichen Kosten für Gremium und Verwaltung liegen dem Unternehmen zufolge bei rund drei Millionen Euro pro Jahr.
Bislang war das deutsche Stammgeschäft direkt in die Holding eingebunden – eine Konstruktion, die aus der Zeit als Staatsunternehmen herrührte. Künftig wird das Brief- und Paketgeschäft in der Konzernstruktur nicht mehr übergeordnet geführt, sondern steht auf derselben Ebene wie die übrigen Sparten.
Meyer betonte, für die Beschäftigten entstünden daraus keine Nachteile. Löhne, Arbeitszeiten und Schutzregelungen blieben unverändert. Auch im Management seien keine Änderungen vorgesehen.
Fragen nach Nutzen und möglichen Folgen der Neuordnung
Auf der Hauptversammlung wurde der Umbau dennoch kritisch hinterfragt. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, es sei zwar positiv, dass Nachteile ausgeschlossen würden – offen bleibe aber, worin die konkreten Vorteile bestünden. Ein weiterer Aktionär äußerte ebenfalls Zweifel an einem wirtschaftlichen Nutzen.
Meyer verteidigte die Neuordnung mit dem Argument, sie schaffe mehr Übersicht und Klarheit. Der frühere McKinsey-Berater ist seit 2013 im Konzern und steht seit 2023 an der Spitze des Unternehmens. Sein Vorgänger Frank Appel hatte einen vollständigen Namenswechsel noch vermieden, weil er Unmut unter Beschäftigten in Deutschland befürchtete.
Spekulationen über spätere Trennung vom Briefgeschäft zurückgewiesen
Hendrik Schmidt vom Vermögensverwalter DWS sagte auf der Hauptversammlung, die Umbenennung und die neue Struktur könnten als Schritt zu einer stärkeren Eigenständigkeit des Briefgeschäfts verstanden werden – womöglich sogar als Vorbereitung auf eine spätere Abspaltung.
Diesen Eindruck wies Meyer zurück. Das Stammgeschäft solle im Konzern bleiben. Es gebe keine Absicht, weitergehende strategische Optionen zu verfolgen. DHL sehe sich weiterhin als bester Eigentümer für das deutsche Post- und Paketgeschäft.
Zugleich machte der Konzernchef deutlich, dass dafür verlässliche und wirtschaftlich tragfähige regulatorische Bedingungen nötig seien. Die postalische Versorgung in Deutschland sei kostenintensiv. Als Universaldienstleister muss das Unternehmen unter anderem mindestens 12.000 Filialen vorhalten, für gut erreichbare Briefkästen sorgen und darf das Porto nur mit staatlicher Genehmigung erhöhen. Aus Sicht des Konzerns fallen die genehmigten Preissteigerungen regelmäßig zu niedrig aus.
Briefgeschäft bleibt Problemfall
Das deutsche Briefgeschäft bereitet dem Konzern schon länger Sorgen. Durch die fortschreitende Digitalisierung werden immer weniger Briefe verschickt. Im ersten Quartal 2026 ging der operative Gewinn in diesem Bereich deutlich zurück, das Briefvolumen sank um rund 13 Prozent.
Kritik aus der Politik
Auch aus der Politik kam Widerspruch. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff erklärte, es sei schwer nachvollziehbar und bedauerlich, dass sich die Deutsche Post auf Konzernebene von ihrem traditionsreichen Namen verabschiede und ihn künftig nur noch in Deutschland nutze.
Die formale Eintragung des neuen Konzernnamens wird für den Spätsommer erwartet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion