Wirtschaft

Metall-Tarife: Arbeitgeber greifen Löhne an

Tarif-Knall in der Metall- und Elektrobranche: Viele Firmen kämpfen – jetzt wollen Arbeitgeber die Löhne drücken.

27.10.2026, 15:05 Uhr

Arbeitgeber legen in Bayerns Metall- und Elektroindustrie erstes Tarifangebot vor

In der laufenden Tarifrunde für die bayerische Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot präsentiert, das deutlich unter der aktuellen Teuerungsrate liegt. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands vbm sollen die Beschäftigten im Juli 2027 zunächst eine Einmalzahlung von einem Prozent ihres Bruttojahreseinkommens erhalten. Ab Juli 2028 ist dann eine tabellenwirksame Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1,3 Prozent vorgesehen. Die IG Metall wies den Vorschlag nach der zweiten Verhandlungsrunde in Coburg umgehend zurück. Mit dem Auslaufen der Friedenspflicht am Sonntag rücken nun Warnstreiks näher – nicht nur in Bayern.

Am Dienstag fanden auch in weiteren Tarifgebieten Gespräche statt. In Baden-Württemberg legten die Arbeitgeber ein nahezu identisches Angebot vor. Trotz fortgesetzten Stellenabbaus sind in der bayerischen Metall- und Elektrobranche noch immer mehr als 800.000 Menschen beschäftigt.

Die Arbeitgeber wollen ihre Offerte zudem an ein "betriebliches Instrument" knüpfen, das Investitionen, Innovationen, Standorte und Arbeitsplätze absichern soll. Darüber hinaus möchten sie mit der IG Metall über die aus ihrer Sicht hohen Krankenstände und die daraus entstehenden Belastungen für die Unternehmen sprechen.

Fronten bleiben verhärtet

Dass bereits in der zweiten Runde ein Abschluss erzielt wird, galt als unwahrscheinlich. In Tarifverhandlungen gehört es seit langem zum üblichen Ablauf, dass beide Seiten die jeweiligen Ausgangsforderungen zunächst als unzumutbar zurückweisen. Die IG Metall war vor rund zweieinhalb Wochen mit der Forderung nach fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten in die Gespräche gestartet.

Nach der zweiten Runde ist ein Kompromiss bislang nicht in Sicht. Der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott kritisierte das Angebot scharf. Aus seiner Sicht sei es nicht respektvoll gegenüber den Beschäftigten und würde für viele einen deutlichen Verlust an Kaufkraft bedeuten. Zudem monierte er, die Arbeitgeber konzentrierten sich vor allem auf Kosten und Fehlzeiten, statt Perspektiven für Investitionen, Zukunftssicherung und Beschäftigung aufzuzeigen.

Arbeitgeber verweisen auf hohe Kosten am Standort Deutschland

Hintergrund der harten Verhandlungen ist die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Unternehmen, vor allem in der Autoindustrie und bei Zulieferern. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas Kaeser, warf der Gewerkschaft vor, die tatsächliche Situation zu verkennen. Nach seiner Einschätzung seien die heimischen Standorte inzwischen zu teuer, sodass sich Produktion in vielen Fällen kaum noch rechne.

Kaeser erklärte, bei rund der Hälfte der Unternehmen führten neue Aufträge gar nicht mehr oder nur noch teilweise zu Fertigung in Deutschland. Drei Viertel dieser Firmen gäben entsprechende Aufträge unmittelbar an Werke im Ausland weiter. Zusätzliche Spannung erhält die Tarifrunde dadurch, dass nicht alle Bereiche der Metall- und Elektroindustrie gleichermaßen unter Druck stehen: Vor allem die Rüstungs- und die Luftfahrtindustrie entwickeln sich derzeit vergleichsweise stark.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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