Wirtschaft

Nur 1,3 Prozent: Arbeitgeber reizen Metall-Streit an

Drohen bald Warnstreiks? Jetzt legen die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie ihr erstes Angebot auf den Tisch.

27.10.2026, 12:32 Uhr

Die IG Metall hat das erste Entgeltangebot der Arbeitgeber in den regionalen Tarifverhandlungen für gut 3,7 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie entschieden zurückgewiesen. Aus Sicht der Gewerkschaft kommt das Angebot zu spät, fällt zu niedrig aus und ist mit einer zu langen Laufzeit verbunden. Zudem fehle es an Perspektiven für die Zukunft der Beschäftigten.

Nach Darstellung der IG Metall gleicht die Offerte nicht einmal die aktuelle Preissteigerung aus. Statt die Kaufkraft zu stärken, drohten weitere Reallohnverluste. Die Gewerkschaft spricht deshalb faktisch von einer „Minus-Runde“.

Warnstreiks zeichnen sich ab

Nach zwei Verhandlungsrunden verdichten sich damit die Anzeichen für Warnstreiks. Mit dem Ende der Friedenspflicht sind diese ab Sonntag (1. November) möglich. In Nordrhein-Westfalen soll die Tarifkommission am Samstag über das weitere Vorgehen beraten. Auch im Südwesten kündigte die IG Metall an, den Druck in den Betrieben mit Warnstreiks erhöhen zu wollen, falls die Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen.

Arbeitgeber bieten 1,3 Prozent mehr – aber erst 2028

Die Arbeitgeber hatten zuvor in fünf Tarifregionen erstmals zeitgleich ein einheitlich abgestimmtes Angebot vorgelegt. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall sollen die Löhne und Gehälter um 1,3 Prozent steigen. Diese tabellenwirksame Erhöhung würde jedoch erst im Juli 2028 greifen. Vorgesehen ist eine Laufzeit von 26 Monaten bis Ende 2028.

Übergeben wurde das Angebot zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und im Norden. In den übrigen Tarifgebieten soll es noch folgen.

Einmalzahlung im kommenden Jahr

Zusätzlich zur tabellenwirksamen Erhöhung schlagen die Arbeitgeber für Juli des kommenden Jahres eine Einmalzahlung vor. Diese soll 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts betragen.

Allerdings soll die Zahlung bei Unternehmen ausgesetzt werden können, die kaum noch Gewinne erzielen. Bereits heute gilt für eine ähnliche automatische Differenzierung bei anderen Entgeltbestandteilen eine Grenze von 2,3 Prozent Nettoumsatzrendite. Nach Angaben von Südwestmetall müssten in Baden-Württemberg derzeit rund 45 Prozent der Betriebe die Zahlung nicht leisten, weil sie Verluste machen oder unterhalb dieser Grenze liegen.

IG Metall fordert fünf Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit

Die IG Metall verlangt für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld bei einer deutlich kürzeren Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem will die Gewerkschaft Vereinbarungen zur Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen erreichen.

Bereits die erste Verhandlungsrunde Anfang Oktober war ohne Ergebnis geblieben.

Streit um neues Betriebsinstrument

Darüber hinaus wollen die Arbeitgeber ein neues Instrument auf betrieblicher Ebene einführen. Es soll genutzt werden können, wenn Investitionen, Innovationen, Standorte und Beschäftigung gesichert werden müssen. Zuständig für solche Verhandlungen wären dann die Betriebsräte und nicht mehr wie bisher die Gewerkschaft.

Die IG Metall kritisiert diesen Vorstoß scharf. Aus ihrer Sicht könnte das Modell darauf hinauslaufen, Personalkosten zu senken. Beschäftigte müssten Investitionen in die Zukunft dann gewissermaßen selbst bezahlen. Die Gewerkschaft warnt davor, Arbeitnehmer zu Sündenböcken der wirtschaftlichen Lage zu machen.

Außerdem hatten die Arbeitgeber den Wunsch geäußert, über hohe Krankenstände und mögliche Maßnahmen zur Senkung der Krankheitskosten zu sprechen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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