Deutsche Haushalte sparen weiter überdurchschnittlich viel
Die Menschen in Deutschland legen im internationalen Vergleich weiterhin besonders viel Geld zurück, auch wenn die Sparneigung zuletzt leicht nachgelassen hat. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sparten private Haushalte im vergangenen Jahr 18,9 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Damit lag Deutschland klar über dem EU-Durchschnitt von 14,3 Prozent. Im Jahr 2024 hatte die Bruttosparquote hierzulande noch 19,6 Prozent betragen.
In Europa lagen nur die Schweizer noch vor Deutschland. Dort erreichte die Bruttosparquote im vergangenen Jahr 27,4 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass die private Altersvorsorge in der Schweiz eine deutlich größere Rolle spielt als in Deutschland.
Am unteren Ende innerhalb der Europäischen Union lag 2025 Italien mit einer Sparquote von 10,8 Prozent. Das entsprach nahezu dem Niveau in den USA, wo private Haushalte 10,7 Prozent ihres Einkommens zurücklegten.
Bruttosparquote leicht gesunken
Für internationale Vergleiche greifen die Statistiker auf die Bruttosparquote zurück, weil dafür vergleichbare Daten vorliegen. In diese Kennziffer fließt nicht nur Geld ein, das Haushalte etwa auf Sparbüchern parken oder in Wertpapieren anlegen. Auch neu aufgebaute Ansprüche aus der betrieblichen Altersvorsorge werden berücksichtigt.
Nicht herausgerechnet werden dabei allerdings Abschreibungen, vor allem auf Immobilien. Gemeint ist der Wertverlust, der durch Alterung und Abnutzung von selbst genutztem oder vermietetem Wohneigentum entsteht.

Den bisherigen Höchstwert hatte die Bruttosparquote in Deutschland 2020 mit 22,9 Prozent erreicht. Während der Corona-Pandemie konnten viele Menschen weniger Geld ausgeben, etwa weil Reisen ausfielen oder Freizeitangebote zeitweise nicht verfügbar waren.
Viel Sparen, aber oft mit geringer Rendite
Deutschland gilt seit langem als Land der Sparer. Die Nettosparquote bewegt sich meist zwischen 10 und 11 Prozent. Das bedeutet: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen werden im Schnitt mindestens 10 Euro zurückgelegt. Für 2025 meldete das Bundesamt zuletzt eine Nettosparquote von 10,1 Prozent. Nach vorläufigen Berechnungen lag sie im ersten Halbjahr 2026 bei 11,1 Prozent.
Gleichzeitig zeigen Auswertungen immer wieder, dass Anleger in anderen Ländern aus ihrem Ersparten häufig mehr herausholen. Ein Grund: Dort fließt mehr Geld in den Kapitalmarkt, während in Deutschland viele Menschen eher auf Tages- oder Festgeld setzen, das oft nur geringe Zinsen bringt.
Viele halten Sparen für wichtig, aber ohne klare Strategie
Auch das aktuelle „Vermögensbarometer“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zeigt, dass viele Menschen in Deutschland beim langfristigen Vermögensaufbau die Möglichkeiten der Börse bislang nur begrenzt nutzen.
Zwar bewerten drei Viertel der mehr als 4.800 Befragten regelmäßiges Sparen als wichtig oder sehr wichtig. Einen konkreten Spar- oder Anlageplan verfolgt jedoch nur gut ein Drittel, nämlich 35 Prozent. Aktien oder andere Wertpapiere besitzen nach eigenen Angaben 28 Prozent.
Wer nicht in Börsenprodukte investiert, nennt am häufigsten Unsicherheit über die Risiken als Grund. 37 Prozent der Befragten gaben an, das Risiko nicht ausreichend einschätzen zu können.
Staat will Kapitalmarkt für mehr Menschen öffnen
Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot sollen ab Januar mehr Bürgerinnen und Bürger an den Kapitalmarkt herangeführt werden. Dann soll es möglich sein, mit staatlicher Förderung in ETFs, Aktienfonds und Anleihen zu investieren. Ziel ist es, die private Vorsorge für das Alter chancenreicher aufzustellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber