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Ebola eskaliert: Schon über 10.000 Fälle

Ebola außer Kontrolle? Tausende Tote im Kongo, Helfer unter Beschuss – und das Virus macht längst nicht mehr an Grenzen halt.

27.10.2026, 14:28 Uhr

Das Ebola-Virus breitet sich in der Demokratischen Republik Kongo weiterhin nahezu ungebremst aus. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden seit dem Bekanntwerden des Ausbruchs Mitte Mai 10.060 Infektionen registriert. 4.887 Menschen sind demnach an der Krankheit gestorben.

Fachleute gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Erkrankten noch höher sein könnte. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC teilte Anfang Oktober mit, dass weiterhin mehr als 70 Prozent der neuen Fälle bei Menschen festgestellt werden, die zuvor nicht als Kontaktpersonen bekannt waren.

Der aktuelle Ausbruch gilt als der am schnellsten wachsende und bereits jetzt als der zweitgrößte Ebola-Ausbruch überhaupt. Neben dem Kongo wurden auch Fälle in Uganda (20), Frankreich (1), Kenia (9) und Nigeria (1) bekannt. Beim bisher schwersten Ebola-Ausbruch in Westafrika starben 2014 und 2015 mehr als 11.000 Menschen. Im Kongo steigen die Fallzahlen derzeit besonders rasch.

Ebola ist eine lebensgefährliche Infektionskrankheit. Übertragen wird das Virus durch engen Körperkontakt sowie durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Die Krankheit kann schweres Fieber, Durchfall und Blutungen verursachen.

Ausbreitung über mehrere Länder

  • Demokratische Republik Kongo: Inzwischen sind acht Provinzen im Norden und Osten des Landes betroffen. Rund 71 Prozent aller bestätigten Fälle entfallen laut Behörden auf die Bergbauprovinz Ituri. Experten vermuten, dass sich das Virus dort seit Jahresbeginn über Monate unbemerkt verbreiten konnte. Die betroffenen Gebiete grenzen an Uganda, Ruanda, den Südsudan und die Zentralafrikanische Republik.
  • Uganda: Kurz nach Beginn des Ausbruchs wurden dort 20 bestätigte Fälle gezählt, die auf einen Patienten aus dem Kongo zurückgeführt wurden. Zwei Menschen starben. Seit August gilt der Ausbruch laut WHO offiziell als beendet. Dennoch stehen einige neuere Fälle weiterhin in Verbindung mit Uganda.
  • Kenia: Seit Anfang Oktober wurden neun Infektionen bestätigt, darunter zwei Todesfälle. Ausgangspunkt war ein im Kongo erkrankter Patient, der über Uganda nach Nairobi reiste. Nach Einschätzung der WHO gibt es bislang keine Hinweise auf eine weitergehende Ausbreitung in der Bevölkerung.
  • Nigeria: Am 20. Oktober meldete das Land seinen ersten Ebola-Fall. Betroffen war die Ehefrau eines Schweizer Diplomaten, die nach einer mehrwöchigen Reise nach Uganda erkrankte. Wo genau sie sich infizierte, ist noch Gegenstand der Untersuchungen. Sie wurde zusammen mit ihrem Mann in die Schweiz ausgeflogen und wird im Universitätsklinikum Genf behandelt.
  • Europa: Bislang wurde in Europa ein Fall registriert. Im Juni fiel ein Arzt nach einem Einsatz im Ostkongo in Frankreich positiv auf Ebola aus. Er wurde später genesen aus dem Krankenhaus entlassen. Mehrere infizierte Helfer wurden zur Behandlung auch in europäische Kliniken gebracht, darunter in die Berliner Charité.

Helfer im Kongo unter Druck

Die Eindämmung der Epidemie wird im Kongo durch zahlreiche Probleme erschwert. Hunderttausende Vertriebene leben teils seit Jahren in provisorischen Lagern mit mangelhafter Hygiene und schlechter medizinischer Versorgung. Zudem werden Teile der betroffenen Regionen von Rebellen kontrolliert, immer wieder kommt es zu Kämpfen und Übergriffen auf Zivilisten.

Ebola im Kongo
Mitarbeiter des Gesundheitswesens sollen im Osten des Kongo eine Dosis des Ebola-Impfstoffs erhalten. (Archivbild) Quelle: Sebastien Kitsa Musayi/AP/dpa

Die Sterblichkeitsrate liegt nach offiziellen Angaben derzeit bei rund 49 Prozent. Für die Versorgung stehen nach jüngsten WHO-Zahlen 1.539 Betten in spezialisierten Ebola-Zentren bereit.

Allerdings sterben laut WHO fast zwei Drittel der Todesopfer in ihren Gemeinden, ohne jemals in einer spezialisierten Einrichtung behandelt worden zu sein. Gerade Todesfälle im familiären Umfeld sind besonders riskant, weil sich pflegende Angehörige leicht anstecken können.

Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichten zudem, dass viele Patienten erst in sehr schlechtem Zustand in die Behandlungszentren kommen. Dann sind die Überlebenschancen oft bereits stark gesunken. Angst, Aberglaube und Falschinformationen fördern weiterhin Misstrauen gegenüber medizinischen Teams und führen teils sogar zu Gewalt. Nach WHO-Angaben wurde am Samstag in der ostkongolesischen Provinz Tshopo ein Ebola-Pfleger von aufgebrachten Protestierenden getötet, ein weiterer verletzt.

Forschung an Impfstoffen und Therapien

Besonders problematisch ist, dass es gegen den derzeit zirkulierenden Bundibugyo-Typ des Ebola-Virus bislang weder einen speziell zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie gibt. In der frühen Krankheitsphase kann es zudem leicht zu Verwechslungen mit anderen Erkrankungen wie Malaria kommen. Das erschwert eine schnelle Isolation und Behandlung.

Seit Juli laufen klinische Studien zu zwei antiviralen Behandlungsansätzen. Gleichzeitig werden verschiedene Impfstoffe getestet. Dabei wird unter anderem untersucht, ob der bereits bekannte Ebola-Impfstoff Ervebo auch gegen den Bundibugyo-Typ wirksam sein könnte.

Ervebo ist bisher nur gegen die klassische Ebola-Viruskrankheit zugelassen, die früher als Zaire-Ebolavirus bezeichnet wurde. Nach Angaben einer WHO-Vertreterin im Kongo könnten schon in den kommenden Wochen weitere Tests mit zwei eigens gegen Bundibugyo entwickelten Impfstoffen starten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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