Bayern

Atomendlager: Ostbayern noch nicht raus

Atommüll-Endlager: Neue Karte grenzt die Suche ein – diese Regionen in Bayern sind überraschend noch im Rennen.

27.10.2026, 14:53 Uhr

Mehrere Regionen in Ostbayern bleiben bei der Endlagersuche im Auswahlverfahren

Bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktive Abfälle stehen weiterhin mehrere Gebiete in Niederbayern und der Oberpfalz zur Debatte. Nach Angaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zählen diese Flächen, von denen viele im Bayerischen Wald liegen, zu einem kleinen Kreis verbliebener Optionen: Deutschlandweit sind inzwischen weniger als fünf Prozent der Landesfläche noch im Verfahren.

Nicht mehr berücksichtigt werden dagegen nach aktuellem Stand unter anderem eine Fläche im Fichtelgebirge sowie ein Gebiet bei Neu-Ulm. Beide waren vor einem Jahr noch Teil der Prüfung. Zwar gelten sie weiterhin als grundsätzlich geeignet, laut BGE gibt es jedoch Standorte mit besseren geologischen Voraussetzungen.

Glauber kritisiert anhaltende Unsicherheit in Ostbayern

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) wertete das Ausscheiden einzelner Regionen in Schwaben und Franken als positive Nachricht für die dortige Bevölkerung. Für viele Menschen in Ostbayern bleibe jedoch die Unsicherheit bestehen, dass Ende 2027 ein Teilgebiet als mögliche Standortregion benannt werden könnte.

Aus Sicht des Freistaats seien die weiter untersuchten Kristallin-Gebiete im Osten der Oberpfalz und Niederbayerns ungeeignet, betonte Glauber. Bayern erwarte daher vom Bund, diese Regionen möglichst rasch aus dem Verfahren zu nehmen.

Nächster wichtiger Schritt ist für 2027 geplant

Die nun veröffentlichten Flächen markieren die letzte Eingrenzung, bevor offiziell mögliche Standortregionen festgelegt werden. Diese sollen anschließend intensiver untersucht werden. Nach Angaben der BGE soll dieser Schritt 2027 erfolgen. Die endgültige Entscheidung darüber, welche Regionen genauer erkundet werden, trifft der Bundestag.

Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE)
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Sie muss herausfinden, welche Standorte für den Bau eines Endlagers für hoch radioaktiven Müll geeignet sein konnten. (Archivbild) Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Derzeit sind nur noch fünf Bundesländer vollständig aus der Endlagersuche heraus. Neben dem Saarland und Rheinland-Pfalz betrifft das inzwischen auch Sachsen, Berlin und Hessen, deren letzte verbliebene Gebiete nun ebenfalls aus der Auswahl gefallen sind.

So läuft das Suchverfahren ab

Im Jahr 2020 hatte die bundeseigene BGE zunächst 90 Gebiete benannt, die für eine vertiefte Prüfung infrage kamen. Diese umfassten damals rund 54 Prozent der Fläche Deutschlands. Seitdem wurde die Auswahl Schritt für Schritt verkleinert. Inzwischen ist nur noch ein Bruchteil davon übrig.

Die Ergebnisse veröffentlicht die BGE auf ihrer Internetseite in Form einer interaktiven Karte. Grundlage des Verfahrens ist eine wissenschaftsbasierte geologische Prüfung. Mit jeder neuen Stufe steigen die Anforderungen an die Sicherheit, sodass immer weitere Gebiete ausgeschlossen werden. Erst in späteren Verfahrensschritten spielt auch die Nähe zu Städten und Ballungsräumen eine Rolle.

Ein zentrales Instrument sind dabei sogenannte repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen. Anhand vorhandener geologischer Daten wird bewertet, ob unter den jeweiligen Bedingungen ein sicherer Einschluss hoch radioaktiver Abfälle möglich erscheint. Als grundsätzlich geeignet gelten vor allem Granit, Salz und Ton.

Welche Bedingungen ein Endlager erfüllen muss

Nach Angaben des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) scheiden Regionen aus, deren Untergrund beschädigt ist oder Risiken birgt. Dazu zählen etwa Bergbaugebiete, frühere Vulkangebiete oder Regionen mit Erdbebengefahr.

Auch Wasser spielt eine entscheidende Rolle: Radioaktive Stoffe dürfen nicht über Wasserwege an die Oberfläche gelangen. Zudem erzeugen die Abfälle weiterhin Wärme, weshalb das umgebende Gestein diese ableiten können muss. Vorgesehen ist außerdem, dass das Endlager durch eine mindestens 300 Meter dicke Gesteinsschicht von der Oberfläche getrennt ist.

Wie es nun weitergeht

Die jetzt vorgelegten Arbeitsstände sind noch keine endgültigen Entscheidungen. Die eigentliche Eingrenzung auf konkrete Standortregionen soll erst Ende 2027 abgeschlossen werden. Zum Ende der ersten Suchphase will die BGE dann Vorschläge für Regionen machen, die oberirdisch erkundet werden sollen.

Anschließend prüfen Wissenschaftler und das BASE diese Vorschläge. Danach entscheidet der Bundestag, in welchen Gebieten das Verfahren in die zweite Phase geht.

Es geht um 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Müll

Gesucht wird ein dauerhafter Lagerort tief unter der Erde für rund 1.750 Behälter mit etwa 27.000 Kubikmetern hoch radioaktivem Atommüll. Dieser stammt aus mehr als sechs Jahrzehnten Nutzung der Atomkraft in Deutschland. Das Volumen entspricht ungefähr 40 bis 45 Einfamilienhäusern.

Nach geltender Gesetzeslage muss ein Standort gefunden werden, der für einen Zeitraum von einer Million Jahren sicher ist, da die Strahlung des Mülls über sehr lange Zeit anhält. Derzeit wird der Abfall in 16 oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern aufbewahrt.

Das Bundesumweltministerium rechnet derzeit damit, dass bis zum Jahr 2050 ein geeigneter Endlagerstandort feststehen könnte. Das wäre rund 20 Jahre später als ursprünglich vorgesehen. Wann das Endlager tatsächlich in Betrieb gehen kann, bleibt offen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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