Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im August gegenüber dem Vormonat gestiegen und bleibt damit über der Marke von drei Millionen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg waren 3,061 Millionen Menschen ohne Job – das sind 54.000 mehr als im Juli.
Im Vergleich zum August 2025 lag die Zahl der Arbeitslosen um 36.000 höher. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Monatsvergleich um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent. Saisonbereinigt ergab sich ein Anstieg um 4.000 Arbeitslose.
Nach Einschätzung der Bundesagentur bleibt der Arbeitsmarkt auch im August weitgehend ohne spürbare Dynamik über das saisonübliche Maß hinaus. Behördenchefin Andrea Nahles verwies auf die Sommerpause als Hauptgrund für den Anstieg. Nach dem Ende von Schule und Ausbildung seien etwa junge Menschen zunächst noch ohne festen Job. Für die Statistik wurden Daten berücksichtigt, die bis zum 13. August vorlagen.
Nahles geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im September mit der üblichen Herbstbelebung wieder sinken könnte – möglicherweise auch wieder unter die Drei-Millionen-Marke. Eine echte Trendwende am Arbeitsmarkt sei das aber nicht, sondern vor allem saisonal bedingt, weil nach der Ferienzeit in vielen Betrieben wieder mehr Einstellungen vorgenommen werden.
Wachstumsimpulse fehlen
Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt laut Bundesagentur schwach. Im August waren 656.000 offene Stellen gemeldet. Das waren zwar 3.000 mehr als im Juli und 25.000 mehr als vor einem Jahr, insgesamt bleibt die Lage aber zurückhaltend. Nahles betonte zudem, die Zahl der offenen Stellen bewege sich weiter auf einem niedrigen Niveau.
Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zeigte sich von Mai auf Juni nach einer Hochrechnung saisonbereinigt ein kleines Plus von 1.000 Stellen. Im Vergleich zum Vorjahr stand jedoch ein Rückgang um 73.000 Beschäftigte. Nach Einschätzung der Bundesagentur fehlen hier klare Wachstumsimpulse. Auch die konjunkturelle Kurzarbeit liegt weiterhin auf einem im langjährigen Vergleich leicht erhöhten Niveau.
Fachleute sehen zwar die Möglichkeit, dass die deutsche Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt. Bis sich eine konjunkturelle Erholung am Arbeitsmarkt bemerkbar macht, dürften nach Einschätzung der Bundesagentur aber noch mehrere Monate vergehen. Zudem bleiben die Erwartungen laut Nahles mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.
Belastung für den Haushalt der Bundesagentur
Für den Haushalt der Bundesagentur wären sinkende Arbeitslosenzahlen eine Entlastung. Derzeit schlagen vor allem die höheren Ausgaben für Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld zu Buche. Nahles rechnet zum Jahresende mit einem Defizit von mehr als 10 Milliarden Euro. Für 2027 werden derzeit 5 Milliarden Euro prognostiziert. Sollte die Konjunktur im kommenden Jahr anziehen, könnte die Belastung geringer ausfallen.
Nach einer Hochrechnung erhielten im August 1,133 Millionen Menschen Arbeitslosengeld. Das sind 109.000 mehr als ein Jahr zuvor. Als Ursachen nennt die Bundesagentur die schwierige wirtschaftliche Lage und den laufenden Strukturwandel.
Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten sank im Jahresvergleich um 116.000 auf 3,754 Millionen. Nach Angaben der Bundesagentur spiegelt sich darin auch die erfolgreiche Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt wider. Zudem gilt: Nicht alle Bürgergeldempfänger sind arbeitslos, einige stocken mit der Leistung lediglich ihr Einkommen auf.
Regierung und Gewerkschaften reagieren
Arbeitsministerin Bärbel Bas erklärte, die Bundesregierung wolle mit Maßnahmen für mehr Wirtschaftswachstum auch den Arbeitsmarkt stärken. Zugleich solle der Sozialstaat effizienter werden; erste konkrete Schritte seien noch für diesen Herbst vorgesehen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte dagegen davor, die Arbeitslosenversicherung unter Spardruck zu setzen. Gerade in einer schwachen Arbeitsmarktphase brauche es nicht weniger Personal und Beratung, sondern bessere und stärkere Unterstützungsangebote.
Fachkräfte aus dem Ausland werden wichtiger
Die Chancen für Arbeitslose, rasch eine neue Stelle zu finden, sind nach Einschätzung der Bundesagentur derzeit historisch schlecht. Unternehmen suchten wegen der schwachen Wirtschaftslage zurückhaltender nach neuem Personal. Gleichzeitig wirkt sich auch die demografische Entwicklung aus, weil die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Deutschland schrumpft.
Nach den aktuellsten Hochrechnungen aus dem Juni gab es 34,81 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Darunter waren erstmals mehr als 6 Millionen ausländische Beschäftigte. Laut Nahles hat Zuwanderung den Rückgang bei deutschen Beschäftigten über viele Jahre zu einem erheblichen Teil ausgeglichen.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung nach Angaben der Bundesagentur in Ostdeutschland. Dort reiche die Zuwanderung oft schon länger nicht mehr aus, um den Rückgang bei deutschen Beschäftigten auszugleichen. Inzwischen zeichne sich ein ähnliches Muster zunehmend auch in Westdeutschland ab. Menschen ohne deutschen Pass seien für den Arbeitsmarkt vielerorts mittlerweile unverzichtbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber