Mehr als 100.000 Besucher bei der Saisoneröffnung, ein Kinofilm über den „Mythos Schalke“ in mehr als 100 deutschen Städten und ein neues Trikot, das binnen weniger Stunden vergriffen war: Die Aufbruchsstimmung rund um den FC Schalke 04 ist enorm. Nach drei Jahren in der Zweitklassigkeit starten die Gelsenkirchener an diesem Sonntag beim FC Augsburg wieder in die Bundesliga (17.30 Uhr/DAZN). Neuzugang Robin Gosens bringt die Haltung auf den Punkt: Man wolle die Euphorie mitnehmen und möglichst lange darauf aufbauen.
Der 24-malige Nationalspieler, der sich seit Jahren offen zu Schalke bekennt, ist der prominenteste Zugang. Mit Edin Dzeko, der sich für eine Fortsetzung seiner Karriere in Königsblau entschieden hat, und Torhüter Loris Karius, einst Finalist der Champions League mit Liverpool, haben die Schalker zusätzlich bekannte Namen verpflichtet.
Schon diese Personalien verdeutlichen, dass Schalke kein gewöhnlicher Aufsteiger ist. Dennoch dürfte die Mannschaft von Trainer Miron Muslic eine anspruchsvolle Saison vor sich haben.
Gosens lobt Schalkes Widerstandskraft
Der erste Pflichtspieleinsatz lieferte bereits einen deutlichen Hinweis darauf. Im DFB-Pokal lag Schalke beim Halleschen FC zunächst zurück und konnte sich erst nach Verlängerung gegen den Viertligisten behaupten. Positiv aus Sicht der Königsblauen: Die Mannschaft zeigte Moral und drehte die Partie noch.
Gosens hob danach vor allem hervor, wie widerstandsfähig das Team aufgetreten sei. Schalke habe Rückschläge weggesteckt und sich gegen Widerstände behauptet. Genau solche Phasen werde es in der Bundesliga immer wieder geben.
Davon ist auszugehen. Die Abwehr, die in der vergangenen Zweitliga-Saison mit nur 31 Gegentreffern die beste Defensive stellte, steht nun vor deutlich schwierigeren Aufgaben. Nicht nur gegen Bayern mit Harry Kane oder Dortmund mit Serhou Guirassy wird sich zeigen, ob die Qualität in der Hintermannschaft ausreicht, um weiter das Fundament für den Fußball von Muslic zu bilden. Genau darin liegt eine der zentralen Fragen dieser Spielzeit.
Dzeko, Adamu, Sylla: Viele offene Punkte in der Offensive
Auch im Angriff gibt es vor dem Saisonbeginn noch einige Unsicherheiten. Bereits in der 2. Bundesliga gehörte Schalke nicht zu den torreichsten Teams. Und auch im Pokal in Halle fehlte lange die Durchschlagskraft, bis Dzeko eingewechselt wurde, zwei Treffer erzielte und ein weiteres Tor vorbereitete.
Offen ist unter anderem, wie viele Einsätze der inzwischen 40 Jahre alte Angreifer im Saisonverlauf leisten kann. Ebenso spannend wird sein, welchen Einfluss Neuzugang Junior Adamu haben wird. Zudem ist unklar, ob Mittelstürmer Moussa Sylla über die Saison hinaus bleibt oder den Verein womöglich noch verlässt. Angesichts der weiterhin hohen Schulden wären Transfererlöse für Schalke durchaus willkommen. Vor allem im Offensivbereich bleibt also einiges ungeklärt.
Eine Schlüsselrolle dürfte außerdem Kapitän Kenan Karaman einnehmen. Der 32-Jährige gilt als Führungsspieler, bringt Torgefahr mit und hat ein gutes Auge für seine Mitspieler. In Augsburg wird der Offensivmann allerdings verletzt fehlen. Wann er wieder fit ist und wie schnell er anschließend in Form kommt, ist eine weitere offene Frage.
Euphorie trotz aller Fragezeichen
Die große Begeisterung im Umfeld wird durch diese offenen Themen bislang kaum gebremst. Vorstandschef Matthias Tillmann sprach zuletzt davon, dass die Strahlkraft des Vereins wieder deutlich zunehme. Als Beispiele nannte er sowohl die enorme Resonanz bei der Saisoneröffnung als auch den Verkaufserfolg des Auswärtstrikots im Retro-Design, das am ersten Tag innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war.
Für die Bundesliga-Rückkehr wäre Tillmann auch mit einer ruhigen Saison zufrieden. Ein „langweiliges erstes Jahr in der Bundesliga“ würde ihn nicht stören. Gleichzeitig wisse man auf Schalke aber auch, dass es vermutlich nicht langweilig werde. Seine Erfahrungen als Fan, Mitglied und Funktionär hätten ihm jedenfalls gezeigt: Auf Schalke ist es nie ruhig.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber