Mehr Arbeitslose in Bayern im August
In Bayern ist die Zahl der Arbeitslosen im August gegenüber dem Vormonat deutlich gestiegen. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg waren 334.081 Menschen ohne Job gemeldet. Das sind 16.056 mehr als im Juli.
Damit erreichte die Arbeitslosigkeit im Freistaat den höchsten August-Wert seit 20 Jahren. Höher lag die Zahl zuletzt im August 2006, als 419.130 Arbeitslose registriert wurden.
Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel die Zahl höher aus: Vor einem Jahr gab es gut 7.134 Arbeitslose weniger. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im August um 0,2 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent. Damit lag sie zugleich um 0,1 Prozentpunkte über dem Wert aus dem August des vergangenen Jahres.
Für die aktuelle Auswertung gilt der 13. August als Stichtag.
Keine Erholung in Sicht
Nach Einschätzung der Arbeitsagentur hat sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr zwar verlangsamt. Es gebe erste Hinweise darauf, dass sich die Entwicklung auf einem Plateau einpendeln könnte. Von einer echten Erholung könne aber weiterhin keine Rede sein, sagte Bayerns Arbeitsagentur-Chef Markus Schmitz. Positiv sei jedoch, dass Arbeitgeber weiterhin bereit seien, neue Mitarbeiter einzustellen.
Mehr offene Stellen – aber demografische Probleme
Seit Jahresbeginn wurden nach Angaben der Regionaldirektion wieder mehr offene Stellen gemeldet, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und im Bau. Gleichzeitig bereitet der Behörde die Entwicklung bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung Sorgen. Im Vergleich zu 2025 halte der Rückgang an und bleibe auf hohem Niveau. Schmitz sieht darin vor allem ein strukturelles demografisches Problem, das nur durch qualifizierte Zuwanderung gelöst werden könne.
Wirtschaft und Politik fordern Gegenmaßnahmen
Auch aus der Wirtschaft kommen mahnende Töne. Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, warnte davor, eine Arbeitslosenquote von rund vier Prozent in Bayern als Normalzustand hinzunehmen. Um einer schleichenden Deindustrialisierung entgegenzuwirken, brauche es eine politische Kurskorrektur hin zu mehr Reindustrialisierung.
Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) forderte erneut bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Unternehmen bräuchten mehr Luft zum Atmen und müssten wettbewerbsfähig bleiben. Zudem sprach sie sich erneut für eine Reform des Arbeitszeitgesetzes aus – weg von einer täglichen hin zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber