Wirtschaft

Anthropic ringt dem Pentagon Etappensieg ab

Anthropic sagte Nein zu autonomen Waffen – das Pentagon schlug zurück. Jetzt kassiert es vor Gericht eine bittere Niederlage.

28.08.2026, 06:10 Uhr

Die KI-Firma Anthropic hat im Streit mit dem US-Verteidigungsministerium einen wichtigen juristischen Erfolg erzielt. Eine Richterin in Kalifornien entschied, dass das Pentagon Anthropic zu Unrecht als Risiko für die nationale Sicherheit in der Lieferkette eingestuft habe. Diese Bewertung müsse daher aufgehoben werden.

Hintergrund des Konflikts ist die Haltung des Unternehmens zur Nutzung seiner KI-Systeme. Anthropic besteht darauf, dass die eigenen Modelle weder für die massenhafte Überwachung von US-Bürgern noch in autonomen Waffensystemen eingesetzt werden dürfen. Das Pentagon vertritt dagegen die Position, es müsse Anspruch auf jede gesetzlich zulässige Nutzung haben und dürfe sich von privaten Unternehmen keine Grenzen setzen lassen.

Auswirkungen der Entscheidung offen

Richterin Rita Lin kam zu dem Ergebnis, dass die Einstufung nicht auf einer konkreten Sorge vor Sabotage beruhte. Vielmehr sei sie offenbar vor allem erfolgt, um Anthropic wegen seiner Kritik an der Regierung abzustrafen. Bereits zuvor hatte Lin die Umsetzung der Maßnahme vorläufig gestoppt.

Die Folgen einer solchen Einstufung reichen weit über Aufträge des Militärs hinaus. Präsident Donald Trump hatte angeordnet, dass sämtliche Bundesbehörden den Einsatz von Anthropic-Technologie beenden sollen. Zudem erklärte Verteidigungsminister Pete Hegseth, auch Firmen müssten ihre Geschäftsbeziehungen zu Anthropic einstellen, wenn sie weiterhin mit dem US-Militär zusammenarbeiten wollten.

Pentagon darf auf andere KI-Anbieter ausweichen

Ob die US-Regierung gegen das Urteil Berufung einlegen will, war zunächst unklar. Dass ein amerikanisches Unternehmen überhaupt als Lieferketten-Risiko eingestuft wird, gilt als äußerst ungewöhnlich.

Die Richterin stellte zugleich klar, dass das Verteidigungsministerium keineswegs verpflichtet sei, Software von Anthropic zu verwenden. Es könne rechtmäßig auch auf Produkte anderer KI-Unternehmen setzen. Das Pentagon hat den Einsatz von Anthropic-Technologie bereits reduziert und plant, ihn bis Ende September vollständig einzustellen.

Anthropic sieht Risiken beim KI-Einsatz

Firmenchef Dario Amodei warnt seit Längerem vor den Gefahren bestimmter Anwendungen. Künstliche Intelligenz könne verstreute Informationen über einzelne Personen in großem Maßstab automatisch zusammenführen und so detaillierte Persönlichkeitsprofile ermöglichen. Gleichzeitig sei die Technologie seiner Ansicht nach noch nicht zuverlässig genug, um in vollständig autonomen Waffensystemen eingesetzt zu werden.

In einem Blogeintrag schrieb Amodei, Anthropic werde nicht bewusst ein Produkt bereitstellen, das Soldaten oder Zivilisten der USA gefährden könnte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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