Müller fordert stärkeren Einsatz von Kohlekraftwerken
Angesichts der hohen Gaspreise spricht sich der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Sepp Müller, für einen intensiveren Betrieb deutscher Kohlekraftwerke aus. Gegenüber der „Wirtschaftswoche“ sagte der CDU-Politiker, gemeint seien vor allem jene Anlagen, die derzeit nur dann zugeschaltet werden, wenn bei Dunkelflauten mit wenig Wind und Sonne Stromknappheit droht. Aus seiner Sicht sollten diese Kraftwerke wieder dauerhaft laufen.
Hoffnung auf sinkende Stromkosten
Müller argumentiert, ein solcher Schritt könne die Strompreise senken und zugleich den Verbrauch von teurem Erdgas verringern. Das würde nach seiner Einschätzung auch helfen, die Gasspeicher mit Blick auf den Winter besser zu füllen. Als Grund für den Handlungsbedarf verweist er auf die angespannte Lage durch den Krieg mit Beteiligung des Iran, der die Gaspreise stark nach oben treibe.
Zugleich beruft sich Müller auf den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Darin werde festgehalten, dass sich der Zeitplan für das Abschalten oder die Überführung von Kohlekraftwerken in die Reserve daran orientieren müsse, wie schnell neue steuerbare Gaskraftwerke tatsächlich gebaut werden.
Reservekraftwerke könnten rasch zurückkehren
Nach Müllers Einschätzung ließen sich die derzeit vorgehaltenen Reservekraftwerke kurzfristig wieder aktivieren. Das Thema solle nun innerhalb der Koalition beraten werden. Der Abgeordnete geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft dadurch jährlich einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe einsparen könnte.
Kohle nur als Übergang gedacht
Müller versteht den verstärkten Einsatz von Kohlekraft als befristete Lösung. Die Anlagen sollten so lange weiterlaufen, bis Gaskraftwerke mit vergleichbarer Leistung zur Verfügung stünden. Damit sei voraussichtlich in den Jahren 2030 oder 2031 zu rechnen.
Auf Kritik an der besonders klimaschädlichen Stromerzeugung aus Kohle verweist der CDU-Politiker auf den Emissionshandel. Er kündigte zudem an, das Gespräch mit der SPD zu suchen. Mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) stehe er bereits im Austausch. Für die Umsetzung gebe es verschiedene denkbare Wege.
SPD weist die Idee zurück
Bei der SPD stößt der Vorstoß allerdings auf deutliche Ablehnung. Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Nina Scheer, erklärte, zusätzliche fossile Kapazitäten aus zugeschalteten Kohlereserven passten weder physisch noch preislich zur aktuellen Bedarfslage. Aus ihrer Sicht würde ein solcher Schritt den Ausbau erneuerbarer Energien und von Speichern bremsen.
Scheer warnte zudem, dass mehr Kohleverstromung die Preise eher belasten als senken und fossile Abhängigkeiten verfestigen würde. Das wäre nach ihrer Einschätzung das Gegenteil der Energiesicherheit, auf die es jetzt ankomme.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber