IG Metall fordert vor dritter Tarifrunde deutlich besseres Angebot
Im Tarifkonflikt der deutschen Metall- und Elektroindustrie verschärft die IG Metall den Druck auf die Arbeitgeber. Vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde an diesem Donnerstag (5. November) forderte Gewerkschaftschefin Christiane Benner ein spürbar verbessertes Angebot. Es brauche aus ihrer Sicht erstmals eine Offerte, über die die Beschäftigtenvertreter überhaupt ernsthaft sprechen könnten. Zugleich verlangt die Gewerkschaft verbindliche Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten sowie ein klares Bekenntnis der Unternehmen zu ihren Belegschaften.
Das bisherige Angebot der Arbeitgeber weist Benner erneut scharf zurück. Die vorgesehene, an Bedingungen geknüpfte Einmalzahlung und die Lohnerhöhung von 1,3 Prozent erst ab Juli 2028 seien aus ihrer Sicht eine „Zumutung“. Auch in wirtschaftlich angeschlagenen Betrieben nehme sie eine kämpferische Stimmung wahr. Viele Beschäftigte sorgten sich um ihre Zukunft, die Ausbildung ihrer Kinder und die steigenden Lebenshaltungskosten. Zudem hätten Arbeitnehmer in zahlreichen Unternehmen bereits mit Verzicht zur Sicherung von Jobs beigetragen. Deshalb wollten sie keine Tarifabschlüsse akzeptieren, die unter der Inflation liegen.
Warnstreiks laufen weiter
Benner wandte sich außerdem gegen Angriffe auf die 35-Stunden-Woche. Diese habe für viele Beschäftigte einen hohen symbolischen Wert. Einen neuen Konflikt darüber hält sie für unnötig, weil die Belegschaften schon heute flexibel arbeiteten.
Seit dem Ende der Friedenspflicht am Sonntag hat die IG Metall bereits viele zehntausend Beschäftigte zu Warnstreiks mobilisiert. Allein am Mittwoch beteiligten sich nach Angaben des Gewerkschaftsvorstands mehr als 100.000 Beschäftigte in 460 Betrieben an den Aktionen. Für Donnerstag sind Schwerpunkte in Baden-Württemberg sowie in den Tarifgebieten Mitte und Küste geplant. Sollte es in den Verhandlungen keine Annäherung geben, könnte die Gewerkschaft im nächsten Schritt ganztägige Warnstreiks organisieren und dafür auch Streikgeld an Mitglieder zahlen.
In der deutschen Metall- und Elektroindustrie arbeiten rund 3,7 Millionen Menschen. Zu der Branche zählen unter anderem die Autoindustrie, der Maschinenbau, die Elektroindustrie und die Metallerzeugung.
Forderungen der Gewerkschaft und Angebot der Arbeitgeber
Die IG Metall verlangt für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld. Darüber hinaus will sie Regelungen zum Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten durchsetzen. In wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen strebt die Gewerkschaft zudem eine Gewinnbeteiligung für die Beschäftigten an.
Die Arbeitgeber haben bislang eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 angeboten. Unternehmen mit schwacher Ertragslage könnten diese Zahlung jedoch verschieben oder ganz streichen. Zusätzlich soll es ab Juli 2028 eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent geben. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 laufen.
Gesamtmetall warnt vor weiterem Stellenabbau
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht die Branche wegen ihrer Kostenstruktur massiv unter Druck und warnt vor einem weiteren Verlust von Arbeitsplätzen. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander erklärte, seit 2019 habe die Deindustrialisierung in der Metall- und Elektroindustrie bereits 350.000 Jobs gekostet. Wegen der anhaltenden Unterauslastung seien in den kommenden zwei bis drei Jahren weitere 300.000 Stellen bedroht.
Zander warf der IG Metall vor, mit einer möglichen Eskalation die ohnehin schwierige Lage weiter zu verschärfen. Viele Unternehmen kämpften ums Überleben, eine Besserung sei derzeit nicht in Sicht. Die Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten nannte er deshalb unverantwortlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber