Wirtschaft

Trumps Wahlpleite: Droht der Wirtschaft jetzt der Absturz?

Trump ausgebremst: Die Demokraten holen den Kongress zurück – warum das auch Deutschland hart treffen könnte.

04.11.2026, 11:44 Uhr

Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewonnen. Welche Folgen hat dieser Machtwechsel für die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und in Deutschland, für Verbraucher, Autofahrer und Investoren? Und ist nun mit einer Änderung der von Donald Trump vorangetriebenen Zollpolitik zu rechnen, die auch deutsche Unternehmen belastet? Fachleute bewerten die Lage bislang unterschiedlich.

Zollpolitik

In seinen ersten beiden Amtsjahren hatte Trump zahlreiche Handelspartner mit neuen Zöllen belegt, besonders stark traf dies die EU und Deutschland. Viele Ökonomen rechnen trotz der deutlichen Wahlniederlage jedoch nicht mit einer Entspannung. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet vielmehr, dass sich Trump angesichts schwieriger Mehrheiten im Inland noch stärker auf außenpolitische Themen verlagern und häufiger per Dekret handeln könnte. Dadurch könnten Zölle und Handelsstreitigkeiten erneut stärker in den Mittelpunkt rücken.

Ähnlich äußert sich das Institut der deutschen Wirtschaft. Aus Sicht des IW müssen deutsche Firmen davon ausgehen, dass die wirtschafts- und handelspolitische Linie der USA mindestens bis zum regulären Ende von Trumps Amtszeit im Januar 2029 bestehen bleibt.

IW-Direktor Michael Hüther warnt, dass die deutsche Wirtschaft unter dieser Zollpolitik weiter leiden dürfte. Da Trump Zölle per Dekret und nicht über den Kongress verhänge, bleibe sein Einfluss groß. Zugleich dürfte die politische Unsicherheit in den USA den transatlantischen Handel zusätzlich belasten.

US-Präsident Trump
Wird Trump nun zahm? Ökonomen sind skeptisch Quelle: Alex Brandon/AP/dpa

Denn auch nach der Niederlage bleibt Trumps Macht erheblich: Er kann weiterhin sein Veto gegen Gesetze einlegen. Selbst mit demokratischen Mehrheiten in beiden Kammern wäre es äußerst schwierig, ein solches Veto zu überstimmen, weil dafür in Senat und Repräsentantenhaus jeweils Zweidrittelmehrheiten nötig wären.

Konjunktur

Zwar gelten die Demokraten grundsätzlich als offener für internationale Zusammenarbeit als Trump. Dennoch wäre es nach Einschätzung von ZEW-Präsident Achim Wambach falsch, von ihrer Mehrheit eine grundsätzliche Rückkehr der USA zum Freihandel zu erwarten. In Washington gebe es parteiübergreifend einen breiten Konsens für eine harte Linie gegenüber China und für Maßnahmen zum Schutz der heimischen Industrie.

Zudem dürfte die Trump-Regierung nach dem Wahlausgang weniger Spielraum haben, die Wirtschaft mit staatlichen Programmen zusätzlich anzuschieben, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Zusammen mit einem nachlassenden Investitionsboom im Bereich Künstliche Intelligenz und den Folgen einer strikten Einwanderungspolitik könnte sich das US-Wachstum 2028 deutlich auf etwa 1,5 Prozent verlangsamen. Damit würden die USA weniger stark als bisher zum weltweiten Wachstum beitragen — mit spürbaren Folgen auch für die exportabhängige deutsche Wirtschaft.

Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest rechnet weder mit weiteren großen Deregulierungen oder Steuersenkungen nach republikanischem Muster noch mit einem grundlegenden Richtungswechsel hin zu höheren Steuern oder mehr Sozialausgaben. Für Europa sei daher im Handel mit den USA kaum mit Entlastung zu rechnen.

Öl- und Spritpreise

Ein zentrales Thema im Wahlkampf waren die gestiegenen Lebenshaltungskosten vieler Amerikaner. Dazu trugen auch deutlich höhere Spritpreise bei, die im Zusammenhang mit dem von Trump begonnenen Konflikt mit dem Iran standen und besonders in dem stark vom Auto geprägten Land für Unmut sorgten.

Berenberg-Ökonom Schmieding erwartet nun wachsenden Druck aus Trumps eigener Partei, die Iran-Frage so zu lösen, dass die Benzinpreise wieder sinken. Denkbar sei, dass die US-Regierung nach einer möglicherweise letzten militärischen Eskalation doch noch zu einer Vereinbarung mit dem Iran kommt, die auch die Wiederöffnung der Straße von Hormus einschließen könnte.

In diesem Fall dürften die Ölpreise nachgeben. Brent-Öl war infolge des Nahost-Kriegs über 100 Dollar je Barrel gestiegen. Schmieding rechnet damit, dass der Preis bis Ende 2027 auf 75 Dollar und 2028 im Durchschnitt auf 65 Dollar je Barrel fällt. Das würde auch den Benzinpreis auf beiden Seiten des Atlantiks dämpfen.

Folgen für Anleger und Börsen

An den Finanzmärkten zeigten sich zunächst leichte Verluste, vor allem bei Technologiewerten werden weitere Belastungen erwartet. Die Landesbank LBBW geht davon aus, dass der geringere haushaltspolitische Spielraum der Republikaner zu einem schwächeren Dollar und niedrigeren Renditen bei US-Staatsanleihen führen könnte.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält es außerdem für wahrscheinlicher, dass Trump künftig größere Schwierigkeiten haben wird, Institutionen nach seinen Vorstellungen umzubauen — etwa wie bei seinen früheren Versuchen, Einfluss auf die US-Notenbank Fed zu nehmen.

Gleichzeitig mahnt Ökonom Gitzel, die ersten Marktreaktionen nicht überzubewerten. Historisch betrachtet sei es für die Börsen weniger entscheidend gewesen, welche Partei wie viele Sitze gewonnen oder verloren habe. In den vergangenen 75 Jahren habe der breite US-Index S&P 500 in den 100 Tagen nach Midterm-Wahlen stets zugelegt, im Schnitt um rund 10 Prozent. Ein eindeutiges Börsenmuster für Zeiten eines geteilten Kongresses gebe es jedoch nicht.

Regulierung, Krypto und KI-Rechenzentren

Der Erfolg der Demokraten könnte auch Folgen für die Tech-Branche haben. Experten rechnen damit, dass der KI-Sektor stärker reguliert wird. Große Technologiekonzerne dürften bei ihren massiven Rechenzentrumsprojekten auf noch mehr Widerstand stoßen, weil Anwohner steigende Strom- und Wasserpreise befürchten. Schon im Wahlkampf war die Skepsis gegenüber neuen Anlagen gewachsen; teils hatten selbst republikanische Politiker Moratorien für weitere Rechenzentren verhängt.

Mit demokratischen Gouverneuren wie Gina Hinojosa in Texas müssen sich die Unternehmen auf einen strengeren Kurs einstellen. Tech-Unternehmer Elon Musk kommentierte nach der Wahl spöttisch, Rechenzentren im All wirkten inzwischen ziemlich attraktiv. Mit SpaceX will er Rechenkapazitäten in die Umlaufbahn verlagern — ob das technisch praktikabel ist, bleibt allerdings offen.

Auch für die Kryptobranche verändert sich die Lage. In wichtigen Kongressausschüssen, etwa im Bankenausschuss des Senats, dürften nun wieder Politiker den Ton angeben, die digitalen Währungen traditionell skeptischer gegenüberstehen als viele Republikaner. Beobachter rechnen deshalb damit, dass Vorhaben für branchenfreundlichere Regeln und Initiativen wie der „CLARITY Act“ künftig deutlich schwerer durchsetzbar sein werden.

Ein Absturz am Kryptomarkt blieb jedoch aus. Der Bitcoin fiel nach den ersten Prognosen zwar kurzzeitig unter 76.000 Dollar, erholte sich danach aber wieder in Richtung 78.000 Dollar. Auch Ether, Solana und der BNB-Token legten moderat zu. Offenbar war der Wahlausgang an den Märkten bereits weitgehend eingepreist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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