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Erotik-Regisseur Tinto Brass ist tot

Skandale, Zensur, Erotik: Tinto Brass prägte ein ganzes Genre – und bei «Caligula» eskalierte der Streit um seinen Film.

04.11.2026, 14:20 Uhr

Italienischer Regisseur Tinto Brass im Alter von 93 Jahren gestorben

Der italienische Filmemacher Tinto Brass ist tot. Wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf seine Familie berichtete, starb er im Alter von 93 Jahren in Rom. Bekannt wurde Brass vor allem durch seine erotisch aufgeladenen Filme, die immer wieder Kontroversen auslösten und teils stark bearbeitet wurden.

Zu seinen frühen wichtigen Arbeiten zählt „Der Schrei“, der 1970 bei der Berlinale gezeigt wurde. Zwei Jahre später gehörte Brass dort selbst der Jury an. Große Bekanntheit erlangte er außerdem mit Filmen wie „Salon Kitty“ aus dem Jahr 1976 und „Caligula“ von 1979.

Frühe Jahre und Beginn der Filmkarriere

Geboren wurde Brass am 26. März 1933 in Mailand als Giovanni Brass. Den Namen Tinto verdankte er seinem Großvater Italico Brass, einem angesehenen Maler, der sich dabei auf den venezianischen Künstler Jacopo Tintoretto bezog. Schon früh wandte sich Brass dem Kino zu. Ende der 1950er Jahre studierte und arbeitete er an der Cinémathèque française in Paris.

Sein erster Film, „Wer arbeitet, ist verloren“ von 1964, wurde bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt. Dort erhielt er 1971 für „La Vacanza“ mit Franco Nero und Vanessa Redgrave den Kritikerpreis.

Immer stärkere Hinwendung zur Erotik

Spätestens nach „Salon Kitty“ mit Helmut Berger und Ingrid Thulin sowie „Caligula“, seinem Film über den römischen Kaiser, wurden seine Werke zunehmend erotischer. Zu diesen späteren Arbeiten zählen unter anderem „Paprika – Ein Leben für die Liebe“ (1991), „Eine unmoralische Frau“ (1992) und „Frivole Lola“ (1998).

Besonders „Caligula“ gilt bis heute als Skandalfilm. Das opulente Werk mit Malcolm McDowell, Helen Mirren und Peter O’Toole beruhte auf einem Drehbuch von Gore Vidal. Finanziert wurde die Produktion vom Erotikmagazin „Penthouse“. Während der Postproduktion wurde Brass von den Produzenten vom Schnitt ausgeschlossen; zusätzlich wurden Hardcore-Szenen in den Film eingefügt.

Nach einem Zitat der Zeitung „La Repubblica“ sah Brass in der Erotik einen grundlegenden Ausdruck des Menschlichen und zugleich einen besonderen Zugang, um Frauen filmisch darzustellen.

Provokation auch abseits der Leinwand

1995 sorgte der Regisseur bei den Filmfestspielen von Venedig erneut für Schlagzeilen, als er gemeinsam mit mehreren nackten Darstellerinnen für einen seiner Filme warb. Der Auftritt beschäftigte später sogar Italiens Oberstes Gericht. Dort ging es um die Frage, ob Sexualität als Mittel der Werbung zulässig ist.

Noch im September dieses Jahres hatten die Filmfestspiele in Venedig Brass mit einer Hommage geehrt und seinen Film „Ich bin wie ich bin“ aus dem Jahr 1967 als Eröffnungsfilm gezeigt. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands konnte er an der Vorführung jedoch nicht mehr teilnehmen.

Bis zuletzt lebte Brass mit seiner Ehefrau Caterina Varzi zusammen. Zuvor war er bis zu deren Tod mit Carla Cipriani verheiratet. Er hinterlässt zwei Kinder.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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